Helmut Marko testet den Honda e,,Bist du deppert, unglaublich!''

Benzinbruder trifft E-Auto, eine Begegnung der anderen Art. Helmut Marko fährt den neuen Honda e. Und grinst.

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„Mir taugt’s“: Helmut Marko zeigte sich vom Honda e begeistert © OLIVER WOLF
 

Helmut Marko spricht normalerweise ruhig, leise, geradezu bedächtig. Jede Aussage klingt wie eine Analyse, nüchtern, extra-dry in den Zwischentönen. Seine Urteile sind gefürchtet. Der Le-Mans-Sieger und Red-Bull-Motorsport-Chef ist der Motor hinter den Weltmeistertiteln des Teams. Und ein Benzinbruder.

Man muss so weit ausholen, um zu verstehen, was da gerade passiert. Marko hat das Lenkrad voll eingeschlagen, und dreht sich im Kreis. Immer und immer wieder. Mit einem Grinser im Gesicht, als ob Verstappen die letzten drei Rennen gewonnen hätte. Vor seinem Hotel Augarten in Graz schaut das aus, als ob der Honda e auf einem Bierdeckel umdrehen würde. Heckantrieb, 8,6 Meter Wendekreis. Marko im O-Ton: „Bist du deppert, unglaublich. Hast du das gesehen? Sensationell. Optimal für die Stadt.“

Modellvorstellung: Honda e

Der Honda e gibt der Elektromobilität ab 2020 ein freundliches Gesicht. Unter dem sympathischen Äußeren steckt Hondas neue Plattform für Elektroautos, die die Hinterräder antreibt und damit ganz nach Fahrspaß klingt.

HONDA

Designmäßg wird zur Serienversion nicht mehr viel um sein, jetzt haben die Japaner auch die ersten technischen Details verraten. Sein Elektromotor spult maximal 110 kW (150 PS) und ein Drehmoment von mehr als 300 Newtonmetern ab.

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Die nur 50 Zentimeter über dem Asphalt im Unterboden positionierte und sehr kompakte 35,5 kWh Batterie hat Saft für eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern. Beim Schnellladen ist sie in rund 30 Minuten auf 80 Prozent geladen.

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Der Honda e wird mit Einzelpedalsteuerung ausgestattet sein, die es dem Fahrer ermöglicht, das Fahrzeug nur mit dem Gaspedal sowohl zu beschleunigen als auch zu verlangsamen.

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Die Gewichtsverteilung liegt nach dem Lehrbuch bei 50:50 und der Wendekreisradius von 4,3 Meter kann sich wirklich sehen lassen. Das sportliche Fahrwerk lässt sich mit dem schnelleren Ansprechverhalten des Elektromotors im „Sport Mode“ so richtig auskosten.

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So viel zum Fahren, jetzt zur Optik: Und die ist überaus erfreulich – vor allem aber endlich einmal freundlich. Mit dem Blick aus den kreisrunden Scheinwerfern in der schwarzen Kühlermaske hat einen Hondas e Prototype gleich um den Finger gewickelt.

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Die Steckdose ist mittig auf der Motorhaube platziert, damit man sich links oder rechts an die Ladesäulen stellen kann. Eine LED-Beleuchtung zeigt den Ladestand an. Um die schlichten, aber treffsicheren Linien nicht zu trüben, hat der Kompakte ausfahrbare Türgriffe.

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Und auch vom außergewöhnlichen Interieur können wir uns sofort erwärmen: Das breite Armaturenbrett beherbergt nicht weniger als fünf Bildschirme, von denen die äußersten links und rechts die Funktion der Außenspiegel übernehmen.

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Richtig gelesen: Auch die Serienversion wird keine Rückspiegel bekommen, was in dieser Klasse eine Premiere ist. Und auch der Beifahrer bekommt einen Schirm direkt vor die Nase gesetzt, mit dem er sich beschäftigen kann.

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Das Ganze hat etwas von einer Lounge, die Optik ist cool, die Sitze sind bequem wie ein Sofa und trotz der vielen Displays ist der Innenraum nicht überladen. Über Platzmangel kann man sich beim charmanten Viertürer ebenfalls nicht beschweren.

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Auf dem kleinen Vorplatz, wo kein anderes Auto umdrehen kann, fährt der Honda e im Kreis, in der Dauerschleife. Und dann geht es aus dem neuen hauseigenen Kreisverkehr in die Stadt. „Die Lenkung ist leichtgängig, aber mit Gefühl, das ist erfreulich.“ Ein erster Stromstoß zaubert den nächsten Grinser auf Markos Gesicht. „Wie das anzieht. Und wie das Auto auf jede kleine Lenkbewegung reagiert, wie ein Gokart. Faszinierend, diese Wendigkeit.“

Also, Herr Marko, werden Sie jetzt in Sachen E-Mobilität bekehrt? „Da muss man schon differenzieren. Die E-Mobilität ist nicht die Heil bringende Lösung. Für die Stadt schaut das natürlich anders aus, da ist es absolut okay. Der Honda e ist für mich ein Stadtauto. Für einen täglichen Aktionsradius von rund 50 Kilometern und ein bissl mehr.“ Nachsatz: „Wahrscheinlich kommst schon von Graz nach Wien damit, aber ich will mich nicht verbiegen auf meine alten Tage. Und über Klimaanlage und Sitzheizung nachdenken.“

Offiziell sind es 222 Kilometer, die als Reichweite angegeben sind, realistisch rund 200 Kilometer (je nach Spaßfaktor, Intensität der Klimaanlage, wie man die Rekuperationsmöglichkeiten per Paddles nützt etc.). „Wenn du ein Gefühl für die Rekuperation entwickelst, kannst du einiges an Reichweite gewinnen“, so Marko. Aber: „Wenn ich so ein Auto habe, muss ich ja zwischendurch auch einmal Strom geben. Das Elektroauto ist ja auch ein Spaßmacher.“

Marko bremst sich jetzt kurz ein, stellt das Auto zur Seite. „Super dosierbar die Bremsen, kein künstliches Gefühl.“ Die Bildschirme, die sich über das ganze Cockpit ziehen, beeindrucken sogar ihn. Ein japanischer Garten erscheint über die volle Breitseite, dann auf Knopfdruck ein Aquarium.

Die Möglichkeiten, die Bildschirme für Fahrer und Beifahrer zu konfigurieren, die Grafiken, wenn es um die Fahrleistungen und Verbrauch geht: „Klar, übersichtlich, sehenswert. Ich würde nur jenen Teil nützen, der für das Fahren und die Informationen wichtig ist. Der Rest ist für Technikfreaks. Wobei, das eigenständige Parken, das man aktivieren kann, ist schon ein Hammer, das arbeitet millimetergenau.“

Dann schaut er wieder in die kleinen seitlichen Monitore, in denen sich die Bilder der Rückspiegelkamera zeigen. „Das war anfangs echt gewöhnungsbedürftig. Jetzt muss ich sagen: Super, das mit den Spiegeln, weil du ein viel breiteres Bild hast.“ Das Auto hat für ihn riesiges Potenzial. „Das kann etwas Klassisches werden, eine Ikone. Wie der Mini, als er erstmals präsentiert wurde. Sachlich, klar, effizient, trotzdem liebenswert. Mir taugt’s einfach.

Kommentare (6)
styriafoto
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Habe selten ein ...

so hässliches Auto gesehen.

Auch technisch nichts Besonderes - 200km Reichweite ist einfach zu wenig um wirklich alltagstauglich zu sein. Aber der Herr Marko schwärmt natürlich über das Produkt seines Motorenlieferanten und Vertragspartners.

joektn
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City

Für 95% aller Fahrten in der Stadt ist das völlig ausreichend.

AndiK
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Dann ist der

Red-Bull-Motorsport-Chef aber auch der Motor hinter der Chancenlosigkeit des Teams in den letzten Jahren ;-)

scionescio
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Wes Brot ich ess, des Lied ich sing ...

... wenn der Herr Doktor nicht so unbeliebt wäre, könnte RB schon lange mit Mercedes-Motoren fahren und Max mit Lewis um den Titel kämpfen ... aber aus guten Gründen, wollen viele nichts mit ihm zu tun haben.
Aber der Herr Doktor schafft es ja auch locker, sich generell über eAutos abfällig zu äußern und gleichzeitig das Produkt seines Motorenlieferanten zu loben ...

Stratusin
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Gehts hier um Hr. Marko,

oder ist es Ihre Selbsteinschätzung? Frage nur zur Info.

scionescio
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Ich kenn den Norbert Haug ganz gut ...

... und die Wertschätzung des F1 Zirkus für den Herrn Doktor ist ein offenes Geheimnis.