Renault Zoe versus Porsche Taycan Turbo SDie ungleichen Elektroautos im Vergleich

Das meistverkaufte gegen das beste Elektroauto: Der Renault Zoe tritt zur Gegenüberstellung mit dem Porsche Taycan an.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Der Renault Zoe tritt gegen den Porsche Taycan an © OLIVER WOLF/KK
 

Das meistverkaufte E-Auto: E-Pionier Renault Zoe ist im Zeitgeist angekommen.

Renault war einer der E-Mobilitätspioniere, der Zoe ist das meistverkaufte Elektro-Auto in Europa. Und damit genauso ein Eisbrecher wie der Taycan, der die E-Mobilität jetzt für die Sportwagenebene erschließt. Nur dass der Zoe eben vor Jahren schon den Elektro-Massenmarkt aufbereitet hat.

Der Zoe steht für den Einstieg in die Elektro-Mobilitätswelt, der Taycan für den High-End-Bereich – und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Bei der Testreichweite kommt man mit dem Zoe auf knapp 340 bis 360 Kilometer, also auf eine ähnliche Schlagdistanz. Je mehr man den Zoe im Stadtverkehr bewegt (viel Stop-and-go-Verkehr), desto besser schaut’s mit der Reichweite aus. Rein in dem Bereich bewegt kann man auch einen 4er bei den Kilometern als Anfangszahl herausfahren.

Modellpflege: Renault Zoe

Es ist nicht weniger als das mit rund 150.000 Stück meistverkaufte Elektroauto Europas, dem Renault in seinem sechsten Jahr auf dem Markt eine Rundumerneuerung verpasst hat. Die Rede ist natürlich vom Zoe, dem freundlichen Stromer von Nebenan. Bei einem E-Auto bedeutet eine Frischzellenkur natürlich auch: mehr Reichweite. In der Version mit der Lithium-Ionen-Batterie mit 52 kWh Kapazität schafft der Kleinwagen bis zu 390 Kilometer nach dem realitätsnäheren WLTP-Testzyklus. Und das ist für einen prädestinierten Cityfloh wirklich mehr als anständig.

RENAULT

Mit an Bord ist auch ein neuer Elektromotor mit einer maximalen Leistung von 100 kW (136 PS), der im Vergleich zum bisherigen 80-kW-Aggregat auch 20 Newtonmeter mehr Drehmoment abspult – maximal sind es jetzt 245. Die Höchstgeschwindigkeit des Zoe steigt damit auf elektronisch begrenzte 140 km/h.

RENAULT

Laden lässt sich der Akku künftig auch an Gleichstrom-Stationen mit einer Ladeleistung von bis zu 50 kW. Dafür hat Renault das Zwergerl mit einem System ausgestattet, das zusätzlich zum Typ-2-Ladeanschluss für Wechselstrom über zwei Pins für den Gleichstrom verfügt. So lässt sich die Batterie in nur 30 Minuten mit der Energie für 150 Kilometer Fahrstrecke versorgen. Außerdem zuzelt es auch an Wechselstrom und einer Ladeleistung bis 22 kW an der heimischen Wallbox, am Arbeitsplatz und an öffentlichen Ladestationen.

RENAULT

So viel neue Technik darf natürlich nicht unbemerkt vorbeifahren, weshalb die Designer auch das Blechkleid aufgebügelt haben. Da wären zum Beispiel die neu gestaltete Motorhaube, Voll-LED-Scheinwerfer mit Chromeinsätzen, Tagfahrlichter in C-Form und eine aufgefrischte Frontschürze mit chromumrahmten LED-Nebelscheinwerfern. Der Rhombus, hinter dem sich die Stromanschlüsse für den Ladeprozess befinden, ist blau eingerahmt. Die Rückansicht prägen weit außen liegende LED-Heckleuchten und dynamische Blinker. Auch in die Außenspiegelgehäuse sind Richtungsanzeiger integriert.

RENAULT

Innen erkennt man die Modellpflege am neu gestalteten Cockpit, das ein 9,3 Zoll großer Touchscreen prägt. Neben Multimedia- und Navigationsfunktionen liefert das Infotainmentsystem „Easy Link“ Wichtiges wie beispielsweise die Anzeige der nächstgelegenen Ladestationen in Echtzeit. Ebenfalls neu ist das Kombiinstrument mit 10-Zoll-TFT-Display. Ebenso wie den konventionellen Wählhebel ersetzt Renault auch die Handbremse durch eine elektronische Parkbremse.

RENAULT

Und weil man schon dabei war, bekommt der Zoe auch ein neues Fahrprogramm, das wir aus dem Konzernbruder Nissan Leaf kennen. Der so genannte B-Modus ermöglicht, die meiste Zeit mit einem Pedal zu fahren: Statt die Bremse zu betätigen, genügt dabei in den meisten Fällen die Rekuperationsverzögerung. Zu guter Letzt ziehen mit der neuen Elektronikarchitektur auch eine Vielzahl an elektronischen Helferleins ein, wie zum Beispiel die Assistenten für Notbremsen, Spurhalten und das Fernlicht.

RENAULT
1/6

Ladetechnisch sind bis zu 50-kW-Gleichstrom drin, aber diese Variante ist aufpreispflichtig. Grundsätzlich wird man den Zoe eher mit 22 kW bestromern (3:40 Stunden von 0 auf 100 Prozent).

Neu ist auch die B-Fahrstufe, die eine stärkere Rekuperation als die Drive-Fahrstufe der Automatik ermöglichen soll. Die Verzögerung fällt nicht so stark aus wie erwartet.

Der neue kleine Franzose steht freilich anders da als zu seinem Start: Der Innenraum kommt auch mit recycelten Materialien daher, die Kunststoffe stammen zum Teil aus alten Plastikflaschen. Das Ambiente entspricht jetzt dem Zeitgeist der Nachhaltigkeit. Auch der Lärmpegel ist hörenswert, die Geräuschdämmung besser, vor allem im Stadt- und langsamen Landstraßenmodus danken es einem die Ohren. Auch beim Fahrgefühl hat man jetzt ein Level erreicht, das den Vergleich mit Verbrennern nicht scheuen muss – im Gegenteil.

Renault Zoe 135 Z.E. 50

Preis: ab 26.590 Euro (abzüglich Förderungen).
Eckdaten: 136 PS, Vorderradantrieb, 0 auf 100 km/h 9,5 Sekunden, Reichweite 340 bis 360 km (Batterie/52 kWh auch mietbar); Ladeleistung bis 50 kW.

Das beste E-Auto: der Porsche Taycan Turbo S – brachial mit Schlauheitsfaktor.

Es sind die technischen Details und nicht die Reichweite, die Porsche zum besten E-Auto der Welt machen: Der Taycan ist ein Hightech-Labor, bis ins letzte Detail wurde das System (800-Volt-Technik, Thermomanagement, Rekuperation bis 265 kW etc.) ausgereizt. Zwei E-Motoren treiben den Taycan an, beide arbeiten autark, der vordere kümmert sich um den Alltagsbetrieb, der stärkere hintere (entkoppelbar) kümmert sich um die speziellen Bedürfnisse, wenn man stärker auf das Strompedal steigt. Und zwar mit einem ausgeklügelten Zweigang-Getriebe. Das Ganze funktioniert so perfekt, dass Hightech nicht zur Belästigung, sondern zur Genugtuung gereicht.

Wenn man’s braucht, kann der Taycan Turbo S seine Brachialgewalt mit 761 PS und Wahnsinnsdrehmoment raushängen lassen. Unter drei Sekunden zoomt man von 0 auf 100 km/h. Auch mehrfach. Traktion ist eine Kunst, die dieser Porsche beherrscht – also die Kraft tatsächlich auf die Straße zu bringen. Das Fahrgefühl, sowieso: perfekt.

Modellvorstellung: Porsche Taycan

Er ist auf den allerersten Blick als Porsche zu erkennen. Und doch ist beim Taycan alles anders – schließlich ist er das erste rein elektrische Modell aus Zuffenhausen. So ganz will man sich vom Verbrennungsmotor gedanklich allerdings nicht verabschieden: Denn der Taycan trägt je nach Leistung den Beinamen Turbo beziehungsweise Turbo S – obwohl der elektrische Antriebsstrang keine Abgasturbine aus der Nähe gesehen hat.

PORSCHE

Sei's drum: Die Topversion spult bis zu 560 kW (761 PS) ab und schnepft damit in wahrhaft atemberaubenden 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Strapaziert man das nicht allzu oft, soll die Reichweite nach dem realitätsnäheren WLTP-Zyklus bis zu 421 Kilometer.

PORSCHE

Der Turbo ohne S mobilisiert maximal auch nicht gerade schmale 500 kW (680 PS), lässt sich beim Standardsprint vier Zehntel länger Zeit und hat einen Aktionsradius von bestenfalls 450 Kilometern. Beide legen einen Topspeed von 260 km/h auf.

PORSCHE

Dahinter stecken jeweils zwei E-Motoren, eine an Vorder- und Hinterachse, was folgerichtig Allradantrieb ergibt. Ungewöhnlich: An der Hinterachse ist ein Zwei-Gang-Getriebe: Der erste ist kürzer übersetzt und sorgt für brachiale Beschleunigung, der länger gestufte zweite hat ein Auge auf die Effizienz. Die Rekuperationsleistung des Antriebs ist mit bis zu 265 kW beachtlich.

PORSCHE

Geladen wird die 93,4-kWh-Batterie natürlich auch über die Steckdose – und zwar erstmals mit einer Systemspannung von 800 Volt. Sollte man eine Säule finden, die so viel Saft hergibt. Jedenfalls wären mit Gleichstrom in gut fünf Minuten Energie für bis zu 100 Kilometer Reichweite nachgeladen. Natürlich verdaut der Taycan auch Wechselstrom in niedrigeren Dosen.

PORSCHE

In Sachen Fahrwerk hat Porsche die volle Musik aufgefahren: Die integrierte Fahrwerkregelung analysiert und synchronisiert alle Systeme in Echtzeit. Dazu zählen eine adaptive Luftfederung inklusive elektronischer Dämpferregelung sowie eine elektromechanische Wankstabilisierung inklusive Torque Vectoring.

PORSCHE

Der Taycan Turbo S kostet ab 189.702, der Taycan Turbo ab 156.153 Euro. Varianten mit weniger Leistung sollen noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

PORSCHE

Das Cockpit wird geziert von digitalen Instrumenten, das einzige analoge Instrument ist die Uhr auf dem Armaturenbrett, die passenderweise 9:11 anzeigt. Und was natürlich in keinem Porsche fehlen darf: Die Starttaste sitzt links hinter dem Lenkrad. Das Kombiinstrument ersetzt die Rundinstrumente und besteht aus einem gebogenen, 16,8 Zoll großen Bildschirm. Der zentrale 10,9 Zoll große Bildschirm und ein weiteres, optionales Display für den Beifahrer sind zu einem Glasband zusammengefasst.

PORSCHE

In der ansteigenden Mittelkonsole ist ein 8,4 Zoll großes Touch-Bedienfeld mit haptischem Feedback integriert, mit dem sich die Klimatisierung einstellen und Adressen für die Navigation handschriftlich eingeben lassen. Während das Lenkrad konventionell ausfällt, ersetzt ein „ Fahrtrichtungsschalter“, wie Porsche das so schön nennt, den klassischen Wählhebel. Und sogar die Lüftungsdüsen haben die Zuffenhausener elektrifiziert, mechanische Lamellen gehören der Vergangenheit an.

PORSCHE

In so genannten „Fußgaragen“ – Aussparungen in der Batterie im hinteren Fußraum – sorgen für guten Sitzkomfort im Fond angesichts der Coupéform. Das vordere Kofferraumabteil fasst 81, das hintere 366 Liter.

PORSCHE
1/10

Man hat aber auch ein schlaues Auto konzipiert. Je nach Fahrmodus kann sich die Aerodynamik verändern (Lüftungsklappen etc.). Im Range-Modus, wenn’s um Reichweite geht, macht sich der Taycan windschlüpfrig. Realistische Reichweiten von 350 bis 370 Kilometern sind auch bei Autobahnfahrten mit Tempo 130 und aktivierter Klima drin.

Reduziert man den Autobahnanteil, fährt man Richtung 400 Kilometer. Dass er mit bis zu 270 kW bestromert werden kann (22 Minuten von 5 auf 80 % Ladung), ist ein schönes Detail. Aber permanent angewendet würde so eine Ladeleistung der Batterie nicht guttun. Man wird’s also – zumindest beim Laden – ein wenig langsamer angehen müssen.

Porsche Taycan Turbo S

Preis: ab 189.702 Euro.
Eckdaten: Leistung bis zu 761 PS; Allrad; 2,8 Sek. von 0 auf 100 km/h; Reichweite 350 bis 370 km (Testverbrauch/93-kWh-Batterie); Ladeleistung bis 270 kW.

Kommentare (4)
scionescio
5
17
Lesenswert?

„ Je mehr man den Zoe im Stadtverkehr bewegt (viel Stop-and-go-Verkehr), desto besser schaut’s mit der Reichweite aus.“

Es tut einfach weh, so einen physikalischen Unsinn zu lesen - jede Überwindung der Massenträgheit (Anfahren, Beschleunigen) kostet viel mehr Energie als eine gleichförmige Bewegung (da zählt nicht mehr die Masse, sondern die Energie wird hauptsächlich zur Überwindung des Roll- und Luftwiderstands benötigt).
Es ist also nicht der Stop-and-Go Verkehr, der zur mehr Reichweite führen kann (beim Zoe in unserem Fuhrpark hat das noch nie jemand festgestellt), sondern schlicht die geringere Geschwindigkeit im Stadtverkehr (und falls jetzt wieder ein Fanboy mit der Rekuperation kommt: auch die ist in Summe natürlich ein Negativgeschäft - sonst hätte man ja ein Perpetuum Mobile erfunden - und bringt in der Stadt wegen der viel geringeren umzuwandelnden Bremsenergie dementsprechend wenig).

joektn
1
8
Lesenswert?

Na aber hallo..

Der größte Elektroauto Hasser gibt also zu dass er einen Zoe in seinem Fuhrpark hat. Interessant.. Das sind ja ganz neue Töne von dir. Kann also doch nicht so schlecht sein, wenn selbst du so ein Auto im Fuhrpark hast. ;)

scionescio
4
6
Lesenswert?

@Sepperl: Ich könnte es mir beruflich gar nicht leisten, kein BEV im Fuhrpark zu haben ...

... der Zoe ist noch das erste Model und hat nach vier Jahren deutlich an Reichweite verloren (im Winter nur mehr innerhalb Wiens brauchbar), meinen privaten Tesla habe ich auch schon vor Jahren in den Fuhrpark eingebracht - aber den hat jeder nur einmal ausprobiert und meidet ihn jetzt, weil er eine unzuverlässige Klapperkiste ist und du in Wien kaum für die Riesenkiste einen Parkplatz findest und dir in engen Parkhäusern schwer tust. Am besten ist der Ioniq - für Stadtfahrten und mit Wallbox in der Firmengarage.
Die Kostenrechnung sagt, dass unsere Diesel billiger als die Gasautos sind und die BEVs am teuersten.

melahide
4
11
Lesenswert?

Jep

wie viele andere hab ich auch eine Zoe. Bei der Ladeinfrastruktur müsste sich Österreich ein Beispiel an Slowenien nehmen. Da wurde die Infrastruktur mit Tankstellen kombiniert ...nur bei uns muss man wieder mühevoll Ladepunkte verstecken um sie zu suchen. Und das man für jeden Stromverbund eine Ladekarte braucht ist fast schon ein Verbrechen. Es ist ja sowieso immer der gleiche Strom!

Na gut. Mit der Zoe bin ich sehr zufrieden. Gutes Auto, vor allem wenn man echt in der Stadt was zu besorgen hat ist es toll. Keine Abgase, keine Kupplung. Auf der Autobahn schmilzt die Reichweite, da fahrt man ökonomisch. Wenn wir ans Meer fahren geb ich bei 115 den Tempomat rein, bei der Kaffee und WC Pause wird nachgeladen... dann passt das schon. In Österreich ist das wie gesagt komplizierter.