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Offroad-TestWie sich der VW Touareg im Atlas-Gebirge schlägt

Der neue VW Touareg ist kein Offroader, aber er wirkt – auch im Gelände. Notizen von einer Ausfahrt im marokkanischen Atlas-Gebirge.

Der VW Touareg kämpft sich durchs Atlas-Gebirge © VOLKSWAGEN
 

Marrakesch im Spätherbst – eine eigentlich perfekte Zeit. Die Temperaturen sind moderat, abends lässt es sich auf dem Platz der Gaukler noch ohne Pullover flanieren. Das maurische Juwel am Fuße des Atlas ist als Hotspot gerade schwer angesagt, die flirrende Metropole ist ein Fest der Sinne, läuft aber gerade auch Gefahr, sich zu einer Touristenfalle zu entwickeln. Hinter dicken Mauern verbirgt sich der pure Luxus, an jeder Ecke wird gegraben und gebaut. Gerade ist der König in der Stadt, Mohammed dem VI. zu Ehren steigt eine Flugstaffel auf und malt weiße Ringe in den blitzblauen Himmel.

Modellvorstellung: VW Touareg

Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue VW Touareg moderat breiter und länger, aber um bis zu 106 Kilo leichter geraten. Die neuen Dimensionen lauten: 4878 Millimeter Länge (plus 77 mm), 1984 Breite (plus 44 mm) und 1702 Höhe (minus 7 mm). Das SUV ist auf Anhängelasten von bis zu 3,5 Tonnen ausgelegt.

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VW wird den neuen Touareg 2018 zuerst für China mit einem Plug-in Hybridantrieb (367 PS Systemleistung) anbieten. Der Starttermin für Europa ist noch offen.

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Bei uns eröffnen den Reigen zwei V6-Diesel mit 231 und 286 PS (500/600 Nm). Folgen werden zudem ein V6-Benziner (340 PS, 450 Nm) und ein V8-Turbodiesel (421 PS, 900 Nm).

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Allrad und eine Acht-Gang-Automatik sind serienmäßig. Optional kann man ein Offroad-Paket oder eine Luftfederung ankreuzen.

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Einiges getan hat sich im Innenraum: Überall dort, wo es sinnvoll ist, ersetzen digitale Flächen herkömmliche Anzeigen und Bedienelemente. Das Gros aller Tasten ist beim „Innovision Cockpit“ in den 15 Zoll großen und zum Fahrer hin gebogenen Screen des Top-Infotainmentsystems „Discover Premium“ integriert.

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Dazu gehören auch die Steuerung der Vier-Zonen-Klimaanlage sowie die Betätigung der Sitzheizung, -lüftung und -massage. Bewusst analog ausgeführt sind indes intuitiv und sehr häufig genutzte Schalter wie die Lautstärkeregelung. Seitlich zum Fahrer hin ist das Display optisch an das ebenfalls glasüberbaute „Digital Cockpit“ angeschlossen – die 12,0 Zoll großen Digitalinstrumente.

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Um 160 Millimeter in der Länge kann zudem die Rücksitzanlage verschoben werden, um noch mehr Raum im Fond zu schaffen. Damit fünf Personen auf langen Reisen oder dem kurzen Trip zum nächsten Flughafen ausreichend Raum für ihre Koffer haben, wurde das Stauvolumen des neuen Touareg gegenüber dem Vorgänger um 113 auf 810 Liter vergrößert (bei aufgestellter Rückbank).

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Ein Highlight ist das größte bislang von Volkswagen realisierte Panorama-Schiebedach: Der transparente Dachausschnitt ist 1270 Millimeter lang und 825 breit. Über einen Vierwegeschalter kann die vordere Dachhälfte stufenlos geöffnet und elektrisch um 495 Millimeter nach hinten geschoben sowie aufgestellt werden. Ein elektrisch betätigtes Stoffrollo reduziert die Sonneneinstrahlung.

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Auch bei den Assistenzsystemen sind wir im Bereich der Superlative – mehr hatte ein VW noch nie zu bieten. Dazu gehören Technologien wie die Nachtsichtunterstützung (erkennt per Wärmebildkamera Personen und Tiere in der Dunkelheit) oder der Stau- und Baustellenassistent (bis 60 km/h teilautomatisiertes Lenken und Spurhalten, Gasgeben und Bremsen).

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Mit von der Partie ist auch ein Kreuzungsassistent (reagiert auf Querverkehr), die LED-Scheinwerfer (interaktiv per Kamera gesteuertes Abblend- und Fernlicht) und ein direkt in die Windschutzscheibe projiziertes Head-up-Display.

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Wir haben Marrakesch Richtung Südosten verlassen und nehmen über das Ourika-Tal Kurs auf das Atlas-Gebirge, das sich über 2500 Kilometer von Marokko über Algerien bis Tunesien erstreckt. Hier soll das neue edle Flaggschiff von Volkswagen seinem Namen alle Ehre machen und unter Beweis stellen, dass es in der dritten Auflage zu keinem SUV-Softie verkommen ist, sondern auch abseits von befestigten Straßen unverändert hemdsärmelig und wüstentauglich sein kann. Und das auch ganz ohne Zutaten wie Untersetzungsgetriebe und mechanische Differenzialsperren, die im Vorgänger zumindest noch angeboten wurden.

VW Touareg

Preise: ab 66.690/72.690 Euro.
Motoren: V6 TDI, 2969 ccm, 231 bzw. 286 PS, max. Drehmoment 500 bzw. 600 Nm.
Kraftübertragung: 8-Gang-Automatik, Allradantrieb.
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 7,5 bzw. 6,1 Sekunden, Spitze 221 bzw. 235 km/h.
Abmessungen und Gewichte: 4878/1984/1717 mm L/B/H, Radstand 2904 cm, Gewicht 2070 kg, Wendekreis 12,19 m (Allradlenkung 11,10 m), Tankinhalt 90 Liter, Kofferraum 810 bis 1800 Liter, Zuladung 855 kg, Bodenfreiheit 215 mm (Luftfahrwerk 188–258 mm).

Vorbei an André Hellers Paradiesgarten Anima geht es langsam über brüchigen und buckeligen Asphalt hinauf in das auf 2700 Meter Höhe gelegene und noch schneefreie Skigebiet Oukaimeden. Der Weg dorthin ist für den mit allen wesentlichen Technik-Features ausgestatteten Zweitonner (Luftfahrwerk mit Allradlenkung, Offroad-Paket mit fünf Fahrmodi und Unterfahrschutz) mehr oder weniger ein Kinderspiel, inklusive einiger inszenierter Geröllhalden auf der Alm, die der Allradler dank der variablen Kraftverteilung trittsicher hochkriecht. Danach aber, mit Blick auf den mächtigen Jbel Toubkal, den höchsten Gipfel im Hohen Atlas (4167 m), ist Schluss mit lustig.

Beim Abstieg auf der Rückseite der marokkanischen Ski-Station in das Dörfchen Asni, wo Sir Richard Branson ein feudales Resort-Hotel erbauen ließ (Kasbah Tamadot), wird es ungemütlich. Entlang von angsteinflößenden Abgründen und ohne Leitplanken geht es talwärts auf brutalen Eselspfaden, die gerade einmal einen Hauch breiter sind als der Touareg. Spätestens jetzt weiß man, dass sich in diesem Fall das elektronische Luftfahrwerk, das eine Erhöhung des normalen Fahrwerks um bis zu 43 Millimeter möglich macht, rechnet. Wir sind auf der zweithöchsten Stufe unterwegs, die über den Fahrmodi ,,Sand“ aufgerufene adaptive Bergabfahrkontrolle lernt man schnell zu schätzen, weil sie auf den jeweiligen Gas- und Bremspedaleinsatz reagiert und automatisch die erreichte Geschwindigkeit hält. Ab und zu klopft ein Felsbrocken an den Unterboden – kein Problem.

Als größte Überraschung erweist sich allerdings die Allradlenkung, die dem Fünf-Meter-Schiff in den Serpentinen und den extrem engen Haarnadelkurven nahezu die Wendigkeit eines Golfs verleiht (11,2 m!), Wir sind unten, machen einen Schlenker zum Flüsschen Qued Badja Djdid, die Wattiefe (58 cm) reicht. Fazit: Auch der neue Touareg kann Offroad. Mehr als man braucht, würde ich sagen.

Kommentare (2)

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gerbur
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Siche brauchbar

wenn man im Atlasgebiege oder im isländischen Hochland zu Hause ist, abfesehen von den dort fehlendenvWerkstätten. Dort aber wo es diese gibt, da reicht zu Überfahren der Gehsteigkanten auch ein Kleinwagen. Diese monströsen Kisten sind eine Fehlentwicklung.

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scionescio
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Ein weiterer unnötiger SUV ...

... der im echten Geländeeinsatz ohne Differentialsperre eine reine Witzfigur ist.

Aber für Zahnärzte, denen es peinlich ist, ihren Reichtum mit einem Cayenne zur Schau zu stellen, sicher eine interessante Alternative ... und falls jetzt wirklich der Schnee kommt, kann man damit vielleicht sogar auf einem Schneehaufen einparken ...

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