Marktstart auch in EuropaArcfox Alpha-T: So fährt das elektrische China-SUV zum Diskontpreis

Exklusive Ausfahrt mit dem ersten in China gebauten Elektroauto von Magna: Europa- und Asien-Chef Günther Apfalter lud zu einer Spritztour durch Graz mit dem Arcfox Alpha-T, der Kurs auf Europa nimmt.

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Chefsache: Magna-Chef Günther Apfalter präsentierte exklusiv den Arcfox Alpha-T © Christof Hütter
 

Treffpunkt Magna-Hauptportal, 9 Uhr. Der Boss ist auf die Minute pünktlich, der weiße Exote glitzert vor dem Einfahrtsschranken in der prallen Morgensonne. Günther Apfalter, Präsident von Magna Europa und China, kommt gleich zur Sache: "Fesch ist er, oder?“ Keine Frage.  Der Schneider ist schließlich ein Gütesiegel. Walter de Silva, Italiens Design-Guru und ehemals Chefstylist von Volkswagen, hat das Elektro-SUV eingekleidet. Italienischer Schick statt Copy-Shop. Beim Arcfox würde man nicht auf einen Chinesen tippen.

Günther Apfalter übernimmt das Steuer, im Fond macht es sich Robert Premstaller gemütlich. Er ist bei Magna der Mann, der alle technischen Fragen zum Arcfox beantworten kann. Wir bewegen uns sanft surrend Richtung Grazer Innenstadt, Apfalter atmet durch: "Seit 2014 arbeitete ich an diesem Projekt. Ich habe aufgehört, zu zählen, wie oft ich deswegen in China war.“

Premium-Cockpit: drei große Displays und wertige und gut verarbeitete Materialien Foto © Christof Hütter

Das erste außerhalb von Europa entwickelte und gefertigte Elektroauto ist für Magna ein Meilenstein, eine Referenz an den Markt. Da ließ Magna freilich nichts anbrennen. Fünf Sterne im Crashtest, ein großer Akku, üppige Elektro-Power und Premium-Anspruch, soweit das Auge reicht. Am 4,76 Meter langen Mittelklasse-Crossover wirkt nichts billig. Im Gegenteil.

Bei der Abfahrt stellt uns die 93,6 kWh große Lithium-Ionen-Batterie eine Reichweite von 600 Kilometern in Aussicht. Echt jetzt? "Der Norm-Wert“, sagt Premstaller, "aber 450 sind realistisch.“ Apfalter korrigiert ihn: "500, bei meiner geschmeidigen Fahrweise.“ Wir nähern uns lautlos dem Hauptplatz, ein kurzes Foto-Shooting und Fahrerwechsel, jetzt bin ich dran.

Der 2,3-Tonner liegt gut in der Hand, die erhöhte Sitzposition vermittelt ein feines Fahrgefühl, der Fünfsitzer rollt komfortabel ab. Im Cockpit geht's edel zu, bei den Materialien – Leder, Alcantara – wurde nicht gegeizt. Das Armaturenbrett wird dominiert von drei großen Touchsreen-Displays und 5G-Technologie. Bei den Assistenzsystemen ist alles an Bord, was hilfreich und nützlich ist, inklusive des autonomen Fahrsystems Alpha-Pilot. Spannend: der Bereich vor und hinter dem Arcfox kann wie mit einer Dashcam während der Fahrt aufgenommen und dargestellt werden. Ein Asset, hat sonst niemand zu bieten.

Arcfox Alpha-T

Preis in China: 280.000 Yuan (36.400 Euro)
Antrieb: Frontversion mit 160 kW/222 PS und 67,3 kWh Batterie; Allrad mit zwei E-Motoren, 320 kW/435 PS und 93,6 kWh Akku.
Abmessungen/Gewichte: 4,78/1,94/1,68 m L/B/H, Radstand 2,91 m, Ladevolumen 462 Liter, Gewicht 2,3 Tonnen.
Ladezeiten: Per DC-Schnelllader 36 Minuten bis zu 80 Prozent der Akkuleistung.
Normverbrauch: 17,4 kWh/100 km.

Die zwei Elektromotoren des Allrad-Topmodells leisten 320 kW (435 PS) und servieren ein üppiges Drehmoment von 720 Newtonmeter. An den Ampeln riskieren wir einige kurze Zwischenspurts. Aber hallo: Der Arcfox zieht ansatzlos ab wie ein Pfitschipfeil. Laut Datenblatt staubt der Alpha-T den Sprint von 0 auf 100 in 4,6 Sekunden ab, dem Vortrieb würde bei Tempo 180 elektronisch ein Ende bereitet werden. Es gibt drei Fahrmodi (Eco, Komfort, Sport), aber auch verspielte Soundprogramme für nostalgische Hörspiele im Cockpit, von Ansauggeräuschen bis zum bollernden Sportwagensound.

Zurück bei Magna. Fazit: man darf staunen. Und jetzt: Europa? Apfalter: "Unser Partner in China hat entschieden, die neue Marke auch in Europa anzubieten. Aber jetzt müssen Taten folgen.“ In Wien steht bereits ein Importeur Gewehr bei Fuß. Preis? Apfalter: "Wenn er zwischen 40.000 und 50.000 Euro liegt, gibt es eine echte Marktchance.“

Magna und Arcfox

Magna ist seit 20 Jahren am größten Automarkt der Welt dick im Geschäft. Der Zuliefer-Riese beschäftigt heute 27.000 Mitarbeiter, verfügt über 54 Werke. Einer der Kunden ist die BAIC Group, die zu den fünf größten Autobauern Chinas zählt und auch eng mit Mercedes und Hyundai kooperiert. Magna hat mit der BAIC-Tochter Beijing Electric Vehicle (BJEV) zwei Joint Ventures für Entwicklung und Fertigung der neuen Marke Arcfox geschlossen. Das erste Modell der Elektro-Marke, der Alpha-T, wird seit Oktober des Vorjahres in Zhenjiang in der Provinz Jiangsu gebaut. Pro Jahr sollen davon 150.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Ein zweites Modell – das SUV Coupe Arcfox Alpha-S – soll noch heuer folgen.

Klar ist, dass die ersten Fahrzeuge aus chinesischer Fertigung kommen und dann den Feinschliff für Europa in Graz erhalten würden, um absolut auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb zu sein. Dabei will man aber keine Werkzeuge angreifen, sondern über die Software justieren – etwa bei Lenkung, Bremsen, Gasannahme. Sonst wäre es mit dem Preisvorteil vorbei.

Schlägt der China-Stromer ein, wäre der nächste Schritt wohl eine Produktion in Europa. Da würde man sich bei Magna die Hände reiben: Die Kapazität dafür wäre im slowenischen Werk Hoce gegeben.

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Danke für Ihr Verständnis.

Stratusin
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Der wartende Importeur,

wird wahrscheinlich Denzel sein. Man will ja 5 Chinesische Marken bei uns auf den Markt bringen die BEV anbieten. Mit MG ist man schon relativ erfolgreich die ersten 6 Monate unterwegs!

Dissentio
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Diskontpreis?

280.000 Yuan (36.400 Euro)? Aaaaja.... lol....

Stratusin
0
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Daciapreise sind es nicht,

aber im Vergleich zum Mitbewerb ist das Auto nicht teuer.

wintis_kleine
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Jetzt mal abgesehen ob elektro gut oder schlecht

Mich interessiert bei solchen Autos auch immer die mögliche zuglast und wie weit man (praktisch) mit einem Wohnwagen oder Pferdeanhänger kommen würde.
Aber ich gehe mal davon aus, dass es kaum derartige leichtgewichte im anhängerbau geben würde, die überhaupt gezogen werden dürfen und dass sich die Reichweite abermals dramatisch verringern würde.
Und dann ist so ein Auto NIEMALS eine alternative für mich.
E-auto als erschwinglicher und sich in 7'-10 Jahren amortisierender kleinwagen als zweitauto. Da sehe ich die einzige Chance (zumindest im jetzigen technologiebereich) um eine echte Chance am Markt zu haben.
Ansonsten ist das System eine "teure" Übergangslösung.

griesserw
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Anhänger

die Mehrheit wird wohl ohne Pferdeanhänger unterwegs sein.

griesserw
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Anhänger

die Mehrheit wird wohl ohne Pferdeanhänger unterwegs sein.

SeCCi
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schneckenhaus

so ein mini-einachserding aus den 70er jahren wirst schon noch dranhängen dürfen xD

scionescio
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Bei der Abfahrt stellt uns die 93,6 kWh große Lithium-Ionen-Batterie eine Reichweite von 600 Kilometern in Aussicht. Echt jetzt? "Der Norm-Wert“, sagt Premstaller, "aber 450 sind realistisch.“

Damit ist so ziemlich alles über die Seriösität der Elektromobilität gesagt - eine Messmethode, die einen Fehler von mindestens 25% erzeugt ist reine Kundenverarsche ... im Prospekt wird ähnlich wie bei Tesla mit einem im echten Leben nie erreichbaren Messwert geworben und die Naiven unter der Konsumenten werden es glauben und dann teures Lehrgeld dafür bezahlen, weil das ja umgekehrt auch bedeutet, dass der Verbrauch (und damit auch die Kosten) mindestens um 25% höher ist.

Aus 17,4 kWh/100km werden dann gleich echte 23,2 kWh/100km und bei 79ct beim Autobahnschnelllader kosten dann 100km elektrisch günstige 18 Euro - um das Geld fahre ich mit dem Diesel locker die doppelte Strecke ... und muss mir auch keine Sorgen machen, wie ich zu Ersatzteilen komme und wie viele hunderte Kilometer die nächste Werkstatt entfernt ist.

Abgesehen davon ist es ein volkswirtschaftler Schwachsinn, dass die komplette Wertschöpfung in China liegt, die Autos über den halben Erdball transportiert werden müssen und bei uns die Arbeitslosen beim AMS anstehen.

Patriot
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@scio...: Und wie sieht's mit der Verbrauchsangabe der Hersteller bei den Stinkern aus?

Alles ganz genau, oder was?

scionescio
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@Patriot: wenn ich mit meinem Diesel so fahren würde, wie ich es mit einem BEV tun müsste, um zumindest über 200km Reichweite zu kommen ...

... schaffe ich die Herstellerangabe locker - aber meine Leidensfähigkeit ist begrenzt und meine Lebenszeit ist mir zu kostbar, um sie meinem fahrbaren Untersatz zu opfern ;-)

chatrouge
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Laden sollte man ab 20% bis 80% Batteriekapazität

damit nutzt man nur 60% Reichweite, also nur zwischen theoretisch 360 und bestenfalls 300 km.
Über das Fahrverhalten in Kurven, insbesonders bergab, bei glatter Fahrbahn und 2,3 Tonnen Leergewicht, wird gewissentlich geschwiegen.

rero03806
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—-

Die Messmethode ist exakt die gleiche wie bei Verbrennern. Zuerst Denken dann Reden!

scionescio
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@Zero: ich habe nicht geredet, sondern geschrieben und in diesem Fall bringt Wissen mehr als Denken ...

... du wüsstest dann zB auch, dass die Messmethode so gestaltet wurde, dass sie BEVs in ein viel besseres Licht rückt, als sie tatsächlich verdienen (zB Durchschnittsgeschwindigkeit des gesamten Testzyklus unter 47 km/h, mittlere/maximale Antriebsleistung nur 7 bzw. 47kW, 13% Standzeit zum Abkühlen, etc. ...)

princeofbelair
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Gut.

Die „Verarsche“ kennen alle noch von Verbrennern. Da liegt der angeführte durchschnittliche Literverbrauch auch immer unter dem realen Wert.

Carlo62
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Ich fahre meinen 6-Zylinder Diesel…

…mit gut einem Liter unter der offiziellen Werksangabe.

Stratusin
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Darum muss es ja ein

6-Zylinder sein! :)

Patriot
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4,78 Meter lang! Warum muss das Auto so groß sein?

Eh kein (Park-)Platz mehr in den Städten. Da E-Autos im Innenraum mehr Platz bieten als gleich große Verbrenner, wäre eine Länge von rund 4,3 Metern sinnvoll(er)!

Carlo62
6
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@patriot

Extra für Dich gibt es ja den Renault Twizzy!

FRED4712
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vergiss nicht

seiner ist länger...oder doch meiner?

TrailandError
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Versteht wer Herrn Apfalter??

Abgesehen vom Auftrag an Magna- wollen wir China wirtschaftlich noch weiter in Europa pushen? Wollen wir als Gesellschaft, das am Ende Europa total ins Hintertreffen gerät? Wollen wir den nicht lokale Wertschöpfung in Europa? Am Ende steht dann möglicherweise eine Abhängigkeit, wo wir nicht mehr sagen können unser demokratisches Modell haben zu wollen - China wird nicht fragen. All das aber steht längst zur Disposition- nur wissen wir es noch nicht! Abgesehen davon frage ich was ist das für ein Fahrzeug , ein SUV als Stromer mit über 2,5 Tonnen- das läßt sich mit der Klimakrise so ganz gar nicht vereinbaren…..schöne neue Welt. Werden wir überleben ?? Empfehle d Pressestunde wo d ZAMG Chef über die Klimaentwicklungen spricht. Da sind die jetzt Hitzeperioden noch ein „Lercherl“