Bienen statt BrummenZieht man Lamborghini den Stachel?

Stephan Winkelmann belebte einst den Mythos Lamborghini wieder. Bei seinem Comeback muss er Nachhaltigkeit, ein neues E-Auto, Hybridisierung und Bienen unter einen Hut bekommen. Die Pläne, Gedanken und Ideen eines Grenzgängers.

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Stephan Winkelmann kehrte im Dezember 2020 zu Lamborghini zurück © GUINDANI STEFANO SGP
 

Lamborghini unterstreicht sein Engagement für den Umweltschutz. Das Unternehmen startete 2016 mit der Einrichtung eines Bienenhauses im Parco Lamborghini in Sant’Agata Bolognese eine Biomonitoring-Initiative. In den vergangenen Jahren ist dieses von acht auf zwölf Bienenstöcke mit einer Population von 600.000 Bienen angewachsen, von denen 120.000 am Gelände fliegen.“ Kein Aprilscherz, das ist Zeitgeist, gefunden in einer Aussendung der Supersportwagenmarke, die ein paar der geilsten Autos der Welt baut. V12-, V10-Verbrenner, pure Ingenieurskunst, Allrad, Machismo, und überhaupt das Design – einzigartig.

Der neue alte Chef Stephan Winkelmann belebte den Mythos vor gut 15 Jahren, damals wie heute eingemeindet im Volkswagen-Markenreich und mit Audi-Technik angereichert. Und jetzt Bienen statt V12? Nein, aber Lamborghini muss sich wie alle Nobelmarken neu erfinden. Diese Diskussionen treffen andere Marken wie Porsche, wo man den Paradigmenwechsel vollzogen hat und sogar die Hybridisierung des 911er diskutiert, genauso. Aber ausgerechnet Lamborghini, deren Autos in homöopathischen Dosen über die Welt verteilt sind und deren CO2-Ausstoß global betrachtet verschwindend gering ist? Der Stachel sitzt nicht nur bei Benzinbrüdern tief.

Stephan Winkelmann weiß, wie heikel die Situation bei seinem Lamborghini-Comeback ist. 2020 verzeichnete man trotz Pandemie die beste Profitabilität. „Die Herausforderungen sind größer als vor 15, 16 Jahren, heute geht es um einen revolutionären Schritt, mit dem wir viel aufs Spiel setzen. Aber mit unserem Engagement auch viel Gutes bewirken können“, so Winkelmann im Interview. Fix ist: Ein elektrischer Lamborghini kommt in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. „Wir sind in der Konzeptphase“, so Winkelmann. Ein 2+2-Sitzer wird es sein.

Modellvorstellung: Lamborghini Urus

Lamborghini hat mit dem Urus seine dritte Modellreihe vorgestellt und ihrem Sportwagen-Portfolio ein SUV zur Seite gestellt. Er wird der Urus von einem 4 Liter großen V8-Biturbo-Benziner mit 650 PS befeuert, der bei 2250 Touren 850 Newtonmeter maximales Drehmoment freisetzt. Das macht 162,7 PS pro Liter Hubraum und 3,38 Kilo pro PS – das kann sich sehen lassen.

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Genauso wie der Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden und der Topspeed von 305 km/h. Verwaltet wird die Kraft von einer Achtgangautomatik, die Zylinderabschaltung hat ein Auge auf den Verbrauch des 2,2-Tonners.

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Das Drehmoment des Allradantriebs wird standardmäßig im Verhältnis 40/60 auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Maximal landen 70 Pozent vorne und 87 hinten. Die weitere Verteilung an die einzelnen Räder übernimt das Hinterachsdifferenzial.

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Das Torque-Vectoring ist es auch, dass den Unterschied in den Fahrprogrammen herausarbeitet, die über den Tamburo-Schalter auf der Mittelkonsole aktiviert werden. Optionales wird ein Offroad-Paket angeboten, dass neben den Fahrmodi „Terra“ (Erde) und „Sabbia“ (Sand) metallverstärkte Stoßfänger und zusätzlichen Unterbodenschutz umfasst.

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Wie beim Aventador S kommt die Hinterradlenkung beim Urus über den gesamten Geschwindigkeitsbereich zum Einsatz und erstmals arbeitet in einem Lamborghini ein aktives elektromechanisches Wankstabilisierungssystem.

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Die adaptiven Dämpfer werden automatisch an die verschiedenen Fahrmodi angepasst. Die serienmäßigen Carbon-Keramik-Bremsscheiben sind die größten und leistungsfähigsten, die derzeit erhältlich sind, weshalb der Urus mit Rädern zwischen 21 und 23 Zoll auch auf großem Fuß lebt.

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Die flache, coupéhafte Dachlinie und die Position der rahmenlosen Fenster verweisen auf die niedrige Sitzposition der Passagiere, von denen bis zu fünf im Innenraum Platz finden soll. Das Designthema der hexagonalen Formen zieht sich von der Karosserie bis in den Innenraum, etwa in Elementen wie den Lüftungsöffnungen und Türgriffen und in Bauteilen wie Getränkehaltern und Airbag-Modulen.

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Das Multifunktions-Lenkrad mit drei Speichen besitzt einen Vibrationsdämpfer und ein TFT-Display zeigt die Hauptinformationen in einer animierten 3D-Darstellung, die vom Fahrer angepasst werden kann. Serienmäßig ist eine Infotainmentanzeige mit Touchscreen und zwei Bildschirmen.

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Die Rücksitzbank kann umgeklappt werden, um den Kofferraum von 616 auf 1596 Liter Kapazität wesentlich zu erweitern. Als Sonderausstattung kann man auch zwei separate Rücksitze ankreuzen.

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Die ersten Kunden können ihren Urus im Frühjahr 2018 in Empfang nehmen. Die Preise beginnen bei 171.429 Euro – exklusive Steuern.

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Ab 2024 sollen alle Modelle hybridisiert sein, auch mit Plug-in-Antrieben, wie beim SUV Urus. Beim Aventador will man den V12-Verbrenner (mit Hybridunterstützung, freilich) erhalten, beim Huracan ist die zukünftige Motorisierung noch offen. Der CO2-Ausstoß soll laut Winkelmann um 50 Prozent reduziert werden, in den nächsten Jahren werden 1,5 Milliarden Euro investiert. Die Entscheidungen seien alternativlos. „Wir befinden uns in einer Phase, wo es Regeln gibt, und diese werden immer stringenter. Entweder man manövriert sich aus dem Markt heraus, indem man nichts tut, oder man macht es so wie wir.“

Vom Volkswagen-Konzern kam grünes Licht, verschiedene Ideen (E-Vorderachse, neues Getriebe, Hightech-Leichtbau) gibt es, aber die Umsetzung beim E-Lambo wird kein Kinderspiel. Die heutigen Batterien sind der Schwachpunkt, mit dem jetzigen Technik-Stand würde ein Sportwagen Fett ansetzen, das Doppelte des aktuellen Gewichts wiegen. Da ist dann Schluss mit lustig, was die Fahrphysik (Bremsen, Kurvendynamik etc.) betrifft.

Winkelmann: „Ja, die Autos werden wohl mehr wiegen, eine Sache, die mit der Batterietechnologie zusammenhängt. Das werden wir durch neue technische Zugänge ausgleichen, damit die Autos so fahrbar sind, wie heute.“ Stichworte: Nachhaltiger, aber mit der gleichen DNA. Für die Pläne steht übrigens der Begriff Direzione Cor Tauri: der hellste Stern im Sternbild Stier. Die Strahlkraft wird man auf diesem Weg brauchen.

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