Dacia Spring im ersten TestWeniger ist mehr: So fährt sich das günstigste Elektro-Auto Europas

Der neue Dacia-Spring ist ein Preisbrecher in Sachen E-Mobilität: Wir wissen schon wie sich der kleine Stromer fährt - und wobei man Kompromisse eingehen muss.

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Dacias Diskontstromer Spring © Christian Witt
 

Die erste Überraschung erlebt man beim ersten Anblick: Der Dacia Spring ist wesentlich kleiner als er auf den Fotos wirkt - die Abmessungen: knappe 3,71 Meter Länge, 1,58 m (ohne Außenspiegel) ist er breit und 1,51 m (inklusive Dachreling) hoch. Die Konsequenz? Vorne sitzt man anständig, hinten fehlt es schon ein bisserl an Kopf- und Kniefreiheit.

Selbst der Preis ist dank der Elektro-Förderung kleiner als erwartet. 17.990 ohne Klima und Radio/Navi, knapp über 19.300 inklusive. Mit E-Förderung kommt man auf 12.990 bzw. unter 15.000 Euro - damit ist der Spring das günstigste E-Auto Europas.

Showcar: Dacia Spring Electric

Gemunkelt wird ja schon länger, aber jetzt ist es fix: Dacia will 2021 sein erstes Elektroauto auf den Markt bringen und gibt dem dem Showcar namens Spring Electric schon einen recht konkreten Ausblick darauf.

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Und wie man es von Renaults Diskont-Tochter gewohnt ist, zu einem Kampfpreis: Von weniger als 15.000 Euro für den Crossover im Stadtformat ist die Rede.

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Da wird wohl noch die Miete für die Batterie dazukommen – aber dennoch eine Ansage.

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Wie sich das um diesen Preis ausgeht, ist schnell erklärt: Renault hat 2019 vorerst nur für den chinesischen Markt ein kleines (3,73 Meter Länge) und günstiges Elektro-SUV namens K-ZE auf den Markt gebracht.

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Es hat einen 27 kWh großen Akku im Bauch, wiengt nur rund 900 Kilogramm und leistet bis zu 33 kW (45 PS).

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Das wird wohl – aufgewertet und unter dem Dacia-Logo – in Europa reüssieren.

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Von den technischen Daten des Dacia wird derzeit nur die angepeilte Reichweite von rund 200 Kilometern nach dem realistischeren WLTP-Zyklus verraten.

 

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Unter dem Blickwinkel ist der Spring auch zu betrachten. Klar, muss man sagen. Das Klein-SUV ist eigentlich eine Co-Produktion von Renault und einem chinesischen Hersteller und war ursprünglich ausschließlich für den chinesischen Markt gedacht. Der Zeitgeist (klein, elektrisch, günstig) brachte das Auto als Dacia aber nach Europa.

Mächtiger Auftritt, aber nur 3,71 m lang und 1,51 m hoch Foto © Christian Witt

Also, los geht's. Kein Startknopf, der Schlüssel wird noch gedreht, unter sphärischen, elektrotypischen Klängen gleitet man auf die ersten Meter. Ja, und es ist eine andere Welt. Während Dacia seine Modelle aufwertet (siehe Sandero), geht es hier noch recht ursprünglich zu. Nicht unsauber, aber sehr basic.

Das Display in der Mitte ist - süß - 3,5 Zoll groß, im Umfeld gibt's relevante Infos. Zum Glück findet man eine gute Smartphoneanbindung vor: Das optionale Multimedia-System Media Nav mit 7-Zoll-Touchscreen, Navigationssystem, DAB-Radio, Bluetooth sowie USB-Anschluss ist mit Apple CarPlay und Android Auto kompatibel. Man sollte es sich gönnen.

Das Cockpit und das mittige Display Foto © (c) JEAN-BRICE LEMAL0683664150jean

Das Fahrgefühl kommt einer kleinen Zeitreise gleich, Abrollgeräusche (vor allem bei höherem Tempo hörbar), Lenkung (indirekt), oder auch das Fahrwerk - aber um den Preis ist es diesen Kompromiss wert. Zum Glück mahnt die technische Auslegung zu einem kommoden Umgang mit dem kleinen Stromer.

Also: Gleiten, langsam fahren, Batterie sparen. Dazu passt der E-Motor (33 kW/44 PS), der kurz anzieht und sich später bei der maximalen Spitzengeschwindigkeit von 125 km/h einbremst. Der Spring ist in dem Format ein E-Auto für die Stadt, mit rund 230 km Reichweite (um die 200 sind realistisch) im Mix.

Foto © Christian Witt

In der Stadt, wenn man immer schön sanft mit dem Verkehrsstrom mitschwimmt, wird man mehr Reichweite herausholen. Die Rekuperation ist übrigens voll automatisiert. Mittig befindet sich der Dreh-Fahrschalter, mit dem man auf die Fahrposition Drive kommt.

Die 27,4-kWh-Batterie kann unterschiedlich geladen werden: An der 220-Volt-Haushaltsteckdose (AC), über den Typ-2-Anschluss mit 3,7 kW an der Wallbox (AC) oder über den Gleichstrom-CCS-Stecker mit 30 kW an Schnellladestationen (DC).

Showcar: Dacia Bigster

Man trägt bei Dacia nicht mehr die alte Technik des Mutterkonzerns Renault auf, sondern parkt seine neuen Modelle auf die aktuellen Plattformen.

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Wenn auch in einer günstigeren Ableitung namens CMF-B. Aber so bleibt das schmale Preisetikett erhalten.

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Und ein Preisbrecher, das soll auch das künftige SUV werden, das in der Mittelklasse angesiedelt sein wird.

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Bigster heißt das 4,6 Meter lange Showcar, das den aktuellen, 4,34 Meter messenden Duster deutlich überragt.

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Ob sich der Neue darüber positionieren oder ihn ablösen wird, ist noch Betriebsgeheimnis.

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Kein Tiefstapeln ist auch beim Design angesagt: Die Front erinnert an das US-Geländemonster Hummer, Muskeln sprießen an jedem Radkasten.

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Über den Antrieb wird derzeit noch nichts verraten, aber auf dieser Plattform wäre eine Elektrifizierung (sprich Hybrid) zumindest möglich.

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Die technische Basis wird sich der Bigster übrigens mit der Neuauflage des Urgesteins Lada Niva teilen. Die beiden Marken wurden zur Geschäftseinheit Dacia-Lada zusammengefasst. 

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Ladedauer? An der 30-kW-Gleichstrom-Ladestation weniger als eine  Stunde bis 80 Prozent der Batteriekapazität und weniger als eineinhalb Stunden für das Laden auf 100 Prozent. An der 2,3-kW Haushaltssteckdose weniger als 14 Stunden fürs Vollladen.

Unser Resümee: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, der Dacia Spring zeigt, dass E-Mobilität kein Luxusgut sein muss. Und darum geht's.

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