Intransparenz der TarifeBundeswettbewerbsbehörde prüft Elektro-Ladeinfrastruktur

Der Tarifdschungel an den Ladesäulen für Elektroautos wurde schon des Öfteren kritisiert. Jetzt startet die Bundeswettbewerbsbehörde eine Prüfung der Branche.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
© guteksk7/stock.adobe.com
 

Immer wieder sorgen die Stromtarife beim Elektroauto-Tanken für Unmut - weil sie als intransparent oder zu hoch empfunden werden. Jetzt nimmt die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) unter Einbeziehung des Energieregulators E-Control die Branche im Bereich E-Ladeinfrastruktur in Österreich unter die Lupe. Eine solche Untersuchung kann eingeleitet werden, wenn ein eingeschränkter oder verfälschter Wettbewerb vermutet wird, erklärte die Behörde am Dienstag.

Konkret soll die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge analysiert und wettbewerbsrechtlich beurteilt werden. Dazu sind bei der BWB auch Beschwerden aus dem Markt eingelangt. Stützen werde sich die Untersuchung auf Befragungen von Marktteilnehmern, Gespräche mit Stakeholdern wie Unternehmen, Interessenvertretungen, Behörden und anderen Institutionen. Dies schließt etwa auch Ministerien oder Autofahrerklubs mit ein.

Zulassungen Jänner bis Oktober 2021: Das sind die meistverkauften Elektroautos 2021

Platz 10

Der BMW i3 verbucht einen Absatz von 718 Exemplaren. Das macht Platz 10 und ein Plus von 33,5 Prozent.

BMW

Platz 9

Von der vollelektrischen Variante des Kia Niro wurden heuer bisher 878 Stück abgesetzt. Damit stromert der Koreaner auf Platz 9 und fährt ein Minus von 1,3 Prozent ein.

KIA

Platz 8

912 verkaufte Stück bringen dem elektrischen Seat Mii den achten Rang. Das macht ein Plus von 235,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

SEAT

Platz 7

Auf Platz 7 arbeitet sich der Audi e-tron vor, von dem heuer bisher 1129 Stück verkauft wurden. Das bedeutet ein Plus von 112,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

AUDI

Platz 6

Ein Neueinsteiger findet sich auf Platz 6: 1278 Exemplare des neuen, elektrischen Fiat 500 wurden heuer bereits verkauft.

FIAT

Platz 5

1572 Fans hat der Renault Zoe gefunden. Damit holt sich die kleine Französin den fünften Rang und ein Minus von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

RENAULT

Platz 4

Mit 1988 verkauften Stück parkt der Skoda Enyaq als Neueinsteiger auf dem vierten Platz.

SKODA AUTO

Platz 3

Platz 3 geht an einen Neueinsteiger: Das elektrische SUV VW ID.4 hat heuer bislang 2181 Kunden gefunden.

VOLKSWAGEN

Platz 2

Der VW ID.3 stromert auf den zweiten Platz: Er bringt es auf 2678 Verkäufe. Das macht ein Plus von 492,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

VOLKSWAGEN

Platz 1

Teslas Model 3 bringt es auf 3149 Verkäufe, damit liegt das meistverkaufte Elektroauto 2020 auf Platz 1. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum macht das ein Plus von 56,4 Prozent.

TESLA
1/10

Weil es sich um die Anfangsphase relativ neuer Geschäftsmodelle handle, müsse "rechtzeitig einer potenziellen regionalen oder überregionalen Monopolbildung von Anbietern entgegen" gewirkt werden. Denn sonst wären damit "mittelfristig Lock-in-Effekte, innovations- und qualitätshemmende Entwicklungen sowie verringerte Produktivität und letztlich Wohlfahrtsverlust verbunden", warnen die Wettbewerbshüter. Durch Lock-in-Effekte, allzu enge Bindungen der Kunden, wird diesen ein Anbieterwechsel erschwert.

Deshalb werde sich die BWB "auch intensiv mit der Frage auseinandersetzen, welche strukturellen und allenfalls hoheitlichen Rahmenbedingungen für ein wettbewerbsfreundliches Umfeld in der E-Ladeinfrastruktur erforderlich sind". Die Ergebnisse der Branchenuntersuchung sollen in einem eigenen Endbericht vorgestellt werden.

Bei der Erhebung der Wettbewerbssituation sollen wesentliche Wettbewerbsbeschränkungen identifiziert und daraus Empfehlungen abgeleitet werden, damit "in Zukunft ein funktionsfähiger Wettbewerb eine verbraucherfreundliche und preiswerte Versorgung der Nutzer sicherstellt", so die BWB. Auch Sektoruntersuchungen in anderen Ländern sollen im Vergleich dazu berücksichtigt werden, etwa eine derzeit beim Deutschen Bundeskartellamt laufende Branchenprüfung zum Thema E-Ladestruktur; heuer im Juli hat die britische Wettbewerbsbehörde CMA eine einschlägige Untersuchung veröffentlicht.

Ein fairer und vielfältiger Wettbewerb erhöhte die Attraktivität der E-Ladeinfrastruktur für Kunden durch Transparenz, niederschwelligen und raschen Zugang, Wahlmöglichkeiten sowie angemessenen Preisen, hält die BWB fest. Dadurch werde wesentlich dazu beigetragen, die Umstellung des Straßenverkehrs auf CO2-reduzierte Mobilität zu beschleunigen.

Schon mehrfach hat sich die Arbeiterkammer (AK) kritisch zum Thema E-Auto-Laden zu Wort gemeldet. 2019 hatte sie moniert, dass "eine Vergleichbarkeit der Preise beim E-Tanken für die einzelnen Konsumenten nahezu unmöglich" sei und die Einrichtung eines E-Auto-Preismonitoring vergleichbar dem Spritpreismonitor verlangt. Wie bei der Mobiltelefonie zur Jahrtausendwende erfahre man erst nach der Abrechnung, was das E-Tanken gekostet habe, so der ÖAMTC kürzlich.

Mehr Preis-Transparenz hatte heuer im Frühjahr auch E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch gefordert. Das gelte besonders das für die vielen Angebote an Ladeverträgen und Ladekarten, so Urbantschitsch im APA-Gespräch. Der größte Wunsch der Verbraucher sei eine Bezahlung nach Kilowattstunden (kWh), derzeit würden Abrechnungen nach Zeit überwiegen. Betreiber von Ladestationen haben das Fehlen mengenabhängiger Preise immer wieder mit einem Mangel an geeigneten eichfähigen Geräten erklärt.

Kommentare (10)
pescador
3
6
Lesenswert?

Hier muss endlich Ordnung geschaffen werden

Es muss eine einheitliche Verrechnung nach Verbrauch in KWh geben. Die Verrechnung nach Standzeit gehört verboten. Der KWh-Preis muss gut sichtbar ausgeschrieben werden.
Der Kartenwildwuchs muss aufhören. Einfaches bezahlen mit Bankomatkarte oder Kreditkarte muss möglich werden.

stprei
2
9
Lesenswert?

Zeit

Zeit wird's. Der Markt ist vollkommen dysfunktional und es gibt Trends zu Monopolisierungen, wenn einzelne Städte nur einen Betreiber mit Generalvertrag zulassen.

Patriot
2
21
Lesenswert?

1. Bezahlt werden nur die KW/h, die tatsächlich geladen wurden! Keine Zeitverrechnung!

2. Bezahlt muss mit Kredit- und Bankomatkarte werden können!
3. Große Anzeige (wie bei Sprittankstellen) vor Ort und im Internet, was
1 KW/h kostet!
4. Immer aktuelle Anzeige im Internet, welche Landesstellen frei sind!

Carlo62
2
2
Lesenswert?

@Patriot

Es gibt keine kW/h, es gibt nur kWh!

Patriot
0
1
Lesenswert?

@Carlo62: Danke für den Hinweis!

.

scionescio
1
3
Lesenswert?

@Patriot: ad 4) hilft dir wenig, wenn ein anderer vor dir da ist ...

... und das von den Ladestellen verwendete Protokoll wurde so schwachsinnig designed, dass eine Reservierung schlicht nicht möglich ist.

Die Abrechnung per kW/h scheitert daran, dass nach dem Eichgesetz eine eichfähige Messkapsel in der Ladesäule verbaut sein muss - die waren anfangs technisch schwer zu realisieren, dann schwer zu bekommen und am Ende haben die meisten Ladesäulen weder den Platz für ein Display noch eine eichfähige Messkapsel vorgesehen.
Da sich an einer Ladesäule heutzutage nichts verdienen lässt, ist die Bereitschaft zum Tausch auf eine neuere Generation natürlich gering.

Carlo62
0
4
Lesenswert?

@scio

Bei einer Schnellladesäule (150 kW und mehr) wird es mit einer „Messkapsel“ (A/D Wandler) allein nicht gehen. Dazu benötigt man noch Stromwandler und anderen Schnick Schnack.

Carlo62
2
4
Lesenswert?

@scio

Es gibt keine kW/h, es gibt nur kWh!

scionescio
2
4
Lesenswert?

@Carlo: Erwischt;-)

Aber ich rede mich auf @Patriot aus: er hat angefangen und ich habe nur das große K korrigiert und den Rest übersehen…. 🙈

maka_
2
9
Lesenswert?

Danke

Genau das braucht es - befürchte nur, das kommt nie. Man sieht sich auch immer den globalen Markt an und bei unseren europäischen Nachbarn gibt es auch die 'goodies' nicht und auch das Tarifwirrwarr existiert dort genauso. Noch dazu gibt es Tarife, die zwischen Stromkunden und Nichtkunden unterschiede bei der Bepreisung der bezogenen Energie machen. Ebenso der Unsinn mit den verschiedenen Apps/Ladekarten - es muss jedenfalls gängige Kartenzahlung (wohlgemerkt ohne Zusatzgebühren) geben, wie es bei vielen Zapfsäulen längst üblich ist.