CoronavirusAutobauer stellen jetzt Medizinwaren her

Die Autoindustrie steht am Abgrund und kämpft gegen die Corona-Pandemie, indem man Medizinprodukte produziert. Ein Überblick.

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Auch Zulieferer der Autoindustrie – wie hier in Italien – helfen bei der Herstellung medizinischer Produkte © APA/AFP/MIGUEL MEDINA (MIGUEL MEDINA)
 

Hunderte Millionen Euro soll der Produktionsausfall die deutschen Autohersteller täglich kosten. Die Autowelt steht still. Millionen Menschen sind weltweit von Kurzarbeit und Kündigungen betroffen. Und niemand weiß, wie es mit der Industrie weitergeht.Volkswagen-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: Länger als bis zum Sommer könne der Stillstand nicht dauern, dies hielten Gesellschaft und Wirtschaft nicht aus.

Für alle Unternehmen, die in dieser Branche tätig sind, ist es eine äußerst kritische Phase. Riesige Produktionskapazitäten liegen brach. Und deshalb wurde die Autoindustrie zum Thema: Denn in vielen Spitälern weltweit – wie zum Beispiel in Italien – werden Beatmungsgeräte dringend benötigt, um Intensivpatienten zu versorgen.

Jaguar Land Rover zum Beispiel bestätigte bereits vorige Woche auf Anfrage der Kleinen Zeitung: „Ja, wir wurden von der Politik darauf angesprochen, bei der Produktion von Beatmungsmaschinen mitzuhelfen, und sind mit der Regierung im Gespräch. Als britisches Unternehmen werden wir natürlich alles, was in unserer Macht steht, tun, um unserer Gemeinschaft in diesen beispiellosen Zeiten zu helfen.“

Es ist nicht der einzige Autohersteller, der offene Produktionskapazitäten oder Technik in den Dienst des gemeinsamen Kampfes gegen das Coronavirus stellen will. Volkswagen zum Beispiel will 3D-Drucker – eigentlich für Kunststoffteile und Prototypenbau vorgesehen – dazu verwenden, um Material für Beatmungsgeräte und medizinische Technik zu produzieren. Behörden und Verbände hätten bereits angefragt. Sogar die internationalen Ressourcen, was 2D-Drucker betrifft, könnten angezapft werden.

Dazu hat man genauso wie BMW bereits Hunderttausende Atemschutzmasken gespendet. Auch Daimler hat über 100.000 Masken zur Verfügung gestellt, und man will im 3D-Drucker-Bereich ebenso helfen. Außerdem hat man Gebäude zur Versorgung Kranker in Deutschland bereitgestellt. Die Hilfswelle rollt global. Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler will eines seiner Werke in Asien auf die Produktion von Gesichtsmasken umstellen.

Ford, GE und 3M haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Beatmungsgeräte zu produzieren. Es gehe darum, den Menschen an den „Frontlinien der Krise“ zu helfen, sagte Ford-Verwaltungsratschef Bill Ford. Über die Kooperation mit GE und 3M hinaus wird der Automobilhersteller mehr als 100.000 Plastikgesichtsmasken pro Woche in einer eigenen Fabrik fertigen und seine 3D-Druck-Technik für Schutzausrüstung einsetzen. Auch dem US-Autobauer General Motors (GM) und Tesla wurde die Genehmigung für die Produktion/Teileherstellung von Beatmungsgeräten in den USA etc. erteilt.

Die große Schwierigkeit bei diesen Aktivitäten, vor allem was die 3D-Drucker-Technik für Teile/Beatmungsgeräte betrifft: Alles unterliegt strengen Vorgaben und Zertifizierungen. Auch das müssen die beteiligten Konzerne – Zulieferer wie Autohersteller – erst einmal in dieser kurzen Zeit stemmen. Leise Zweifel klingen dabei unter medizinischen Experten durch: Es geht darum, ob sich die komplexen Anforderungen für Medizintechnik in kürzester Zeit auch entsprechend realisieren lassen – und ob man die Produktionswege so schnell anpassen könne.

Trotzdem heißt es, man brauche jede Hilfe, und diese Probleme seien zu bewältigen. In Italien wurden zum Beispiel die ersten Ventile für Beatmungsgeräte einer 3D-Drucker-Firma, die diese jetzt herstellt, bereits eingesetzt und von den Ärzten so kommentiert: „Wir haben Patienten ohne Sauerstoff wegen des Mangels an diesen Ventilen. Was immer Sie uns bringen, wird ein Gewinn sein.“

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scionescio
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Mercedes, Red Bull, McLaren, Renault, Williams, Racing Point und Haas aus der Formel 1 haben sich in England zusammengetan und Erstaunliches geleistet: Wie das Team verrät, hat Mercedes zusammen mit Wissenschaftlern des University College London in nur vier Tagen das erste Gerät für die CPAP-Beatmung produziert, von denen 100 Stück nun in eine Klinik in Nordlondon gehen sollen. Diese Geräte verhindern, dass Patienten auf die Intensivstation müssen und dort wichtige Betten belegen.

"Noch in dieser Woche sollen klinische Tests mit den Geräten durchgeführt werden, sodass sie bereits am Ende der Woche in allen Landesteilen einsatzbereit sein könnten. Die Gesundheitsbehörden haben bereits Grünes Licht für einen Einsatz gegeben.
Mercedes hat dafür eine existierende CPAP-Maschine dekonstruiert und verbessert. Es heißt, dass das Team die Kapazitäten hätte, um 300 Stück am Tag zu produzieren. Wenn andere Teams ebenfalls mitmachen, könnte man mit einer Woche Vorlaufzeit 1.000 Stück am Tag produzieren, glaubt man.

"Wir sind dankbar, dass wir einen Prozess, der Jahre dauern könnte, auf ein paar wenige Tage reduzieren konnten", sagt Tim Baker, Engineering-Experte am University College. "Wir hatten das Privileg, dass wir auf die Möglichkeiten der Formel 1 zurückgreifen konnten."

Don Papa
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Mahle

Ich frage mich schon seit Wochen ob es nicht möglich wäre bei Mahle statt Kurzarbeit auf die Produktion von Schutzmasken umzustellen und so anstatt Luftfiltern für Autos eben halt diese zu produzieren und Arbeitsplätze zu erhalten.