Innsbruck und das Goldene Dachl sind Enzo Diessl freilich nicht fremd. Die Bahn auf der Anlage des Universitätssportzentrums hat der Steirer allerdings noch nicht gesehen. Somit wird es am Samstag zu einer persönlichen Premiere kommen, wenn Diessl am Fuße der Nordkette die Spikes in den Belag rammen und über die Hürden sprinten wird. Der Steirer will Gold und könnte sich auf dem Weg dorthin nur selbst schlagen. Die Staatsmeisterschaften bilden einen nationalen Höhepunkt im Kalenderjahr und sind zugleich das Ende der Qualifikationsperiode für die EM in Birmingham.

Das Ticket für den Wettstreit von 10. bis 16. August hat der 22-Jährige schon längst in der Tasche, und so legt er es auch in Tirol an: „Natürlich ist Gold immer ein Ziel, aber ich nehme die Staatsmeisterschaft als einen guten Trainingsreiz und als Feinschliff“, sagt er, „mit 13,20er-Zeiten bin ich zuletzt sehr konstant gelaufen, und das Grundniveau ist schon sehr gut. Aber es gilt noch, an ein paar kleinen Schrauben zu drehen.“ Dabei geht es nicht nur um Nuancen in der Technik. „Ich muss vor allem in der ersten Rennhälfte noch ein bisschen mehr loslassen. Ich darf nicht zu sehr daran denken, alles richtig zu machen.“

Babyglück statt EM-Teilnahme

Bei den Titelkämpfen hat sich mit Ausnahme der Marathonelite (Julia Mayer, Eva Wutti, Andreas Vojta) die beinahe gesamte heimische Spitze angekündigt. Beinahe, denn Victoria Hudson hat kurzfristig abgesagt, und sie wird auch nicht die Titelverteidigung bei der EM antreten. Die Speerwerferin erwartet ein Kind. „Ich freue mich auf mein privates Glück, werde das Training natürlich entsprechend anpassen. Wettkämpfe sind heuer keine mehr geplant“, erklärt die 29-jährige Niederösterreicherin. Der Nachwuchs wird Anfang des kommenden Jahres erwartet, und Hudson stellt eines klar: „Ich denke noch nicht an Rücktritt. Ich will meine sportliche Karriere nach der Babypause fortsetzen. Ja, Los Angeles 2028 bleibt für mich weiter ein großes Karriereziel.“

Insgesamt haben 13 österreichische Athletinnen und Athleten das EM-Ticket bereits in der Tasche. Darunter ist auch Karin Strametz (Leibnitzer AC), die sich schon im Vorjahr qualifiziert hat. Sie gilt in Innsbruck auch als Topfavoritin über die 100 Meter Hürden und trachtet danach, nach einer Erkrankung wieder in Topform zu kommen. Eine aufsteigende Form zeigte auch Djeneba Touré mit der Kugel. Die absolute Goldkandidatin ist die Athletin des ATG allerdings mit dem Diskus. Doch sollte nicht nur das Trio für weiß-grünen Glanz im Inntal sorgen. Berechtigte Medaillenhoffnungen können sich auch Lotte Seiler (KSV/800 und 1500 Meter), Viktoria Willhuber (SU Leibnitz/400 m) und Isabelle Engel (SU Leibnitz/100 Hürden) machen. Hinter Diessl haben mit Philipp Pichler (SU Leibnitz) und Gabriel Zand (LTU Graz) zwei hoffnungsfrohe Steirer für die 110 Hürden genannt. Und auch in den Sprintstaffeln über die 4 x 100 Meter sollte es für das Podest reichen. Die Frauen von Leibnitz treten die Titelverteidigung an, und die Männerstaffel des ATSE Graz ist heiß auf einen der 32 Titel, die vergeben werden. Gold bringt auch Bonuspunkte für das Ranking und kann über eine EM-Teilnahme entscheiden.

Hürdensprinterin Karin Strametz ist Goldfavoritin
Hürdensprinterin Karin Strametz ist Goldfavoritin © GEPA pictures

Keine Chance mehr, auf den EM-Zug aufzuspringen, hat die 4 x 400-Meter-Staffel der Frauen. Nachdem in der Vorwoche in Kapfenberg ein Versuch misslungen war, verzichtet Chris Taylor auf einen weiteren Einsatz. „Wir werden es nicht noch einmal versuchen. In Kapfenberg waren die Läuferinnen alle frisch, und nun hätten sie ihre Wettkämpfe schon in den Beinen.“ In Kapfenberg musste Startläuferin Lena Pressler aufgrund einer falschen Startposition 18,5 Meter weiterlaufen. Mit Willhuber war auch eine steirische Spitzenläuferin dabei. Sie bekundete Bereitschaft, es noch einmal probieren zu wollen.