Dramatische Szenen bei einem Grillabend in der Toskana: Ein ausgewachsener Wolf drang am Samstag gegen 20.30 Uhr in den Innenhof eines Bauernhauses im Bergdorf Orbicciano ein. Das Tier bedrohte ein zweijähriges Kleinkind. Der Hund der Familie ging dazwischen und überlebte den Angriff nicht. Der kleine Bub kam unverletzt davon.
Der Wolf begab sich auf das nicht eingezäunte Grundstück, als der Zweijährige gerade auf der Wiese im Garten spielte. Die Mutter arbeitete in der Küche, während der Vater des Kindes im Freien den Griller vorbereitete. Das Fleisch fürs Abendessen lag schon bereit - möglicherweise dürfte es den Wolf in den Garten gelockt haben. Als der Wolf immer näher auf das Kind zuging, zögerte die sieben Jahre alte Mischlingshündin „Destiny“ keine Sekunde und stellte sich schützend vor den Buben, berichten italienische Medien wie „Corriere Della Sera“.
Hund wird zum Lebensretter
Sofort griff der Wolf die Hündin an und biss „Destiny“ in den Hals. Die Mutter des Kindes rannte ins Freie, um ihren Sohn in Sicherheit zu bringen, und versuchte vergeblich, den Hund zu retten. Sie wurde leicht verletzt und wegen leichter Blessuren im Krankenhaus untersucht. Sowohl der Vater als auch das Kleinkind blieben unverletzt.
Die Familie trauert nun um „Destiny“, die als Lebensretterin des kleinen Buben gefeiert wird. Der Wolf schleppte die Hündin in Richtung Wald, wo die Besitzer später nur noch ihren toten Körper auffinden konnten.
Maßnahmen gefordert
Dass sich der Wolf vollkommen ohne Scheu auf das Grundstück begab und sich nicht von den Schreien der Erwachsenen abschrecken ließ, sorgt für Diskussionen in der Region. In den Wohngebieten in der Provinz Lucca wurden zuletzt immer mehr Wolfssichtungen gemeldet.
Der Nationale Verband für den Schutz der Umwelt und des ländlichen Lebens fordert die lokalen Behörden zum Handeln auf: „Wir müssen abwarten, welche konkreten Maßnahmen die Region endlich ergreift, um die von Wölfen ausgehende Bedrohung für den Menschen zu beseitigen.“ Dabei beruft sie sich auf Artikel 16 der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, nach der in Ausnahmefällen auch die Tötung von Wölfen möglich ist.