In unmittelbarer Nähe des Wohngebietes ist eine Schafherde von einem Wolf angegriffen worden. Für Jakob Oberguggenberger aus Rüben bei Liesing (Gemeinde Lesachtal) ist es bereits der zweite Vorfall innerhalb weniger Jahre. „Ich gehe jeden Morgen und Abend zu meiner Schafherde“, erzählt Oberguggenberger. „Bis zum Almauftrieb weiden sie direkt neben unserem Bauernhof.“ Doch an diesem Morgen bot sich ihm ein verstörendes Bild. Nur noch drei Tiere standen noch innerhalb der Einzäunung, ein weiteres lag tot neben der Straße – mit deutlichen Bissspuren. „Da war für mich sofort klar, dass hier Fremdeinwirkung im Spiel ist“, sagt der erfahrene Züchter des Tiroler Bergschafs. Seit fast 40 Jahren widmet er sich dieser Rasse, zudem ist er Obmannstellvertreter des Kärntner Landesverbandes. Der Rest der Herde wurde kilometerweit vom Bauernhof entfernt aufgefunden. Vier Schafe gelten bis heute als vermisst.

Trotz eines Bestandes von über hundert Tieren kennt Oberguggenberger jedes Einzelne. „Jeder Verlust trifft uns emotional – die ganze Familie und mich.“ Die Herde sei derzeit extrem unruhig, selbst eine vorbeilaufende Katze löse Panik aus.

Jakob Oberguggenberger aus Rüben bei Liesing
Jakob Oberguggenberger aus Rüben bei Liesing © Hans Guggenberger

Muttertiere und Lämmer bleiben im Stall

Seit 18 Jahren ist Oberguggenberger Hirte auf der Ingridalm im Frohntal. Rund 300 Schafe, 140 Rinder und sieben Pferde stehen dort unter seiner Obhut. 2022 verlor er auf dieser Alm in nur einer Nacht 27 Schafe. „Seit damals ist die Arbeit mühsam. Man weiß keinen Tag, was passieren wird.“ Besonders belastend sei, dass bei beiden Wolfsangriffen kein Tier gefressen, sondern nur getötet oder verletzt wurde.

Einen Teil seiner Herde hat er inzwischen auf die Ingridalm aufgetrieben. Die Muttertiere mit ihren Lämmern bleiben vorerst im Stall. Auf die Heimweide auszutreiben, wagt er derzeit nicht. „Die Schafe zu Hause zu lassen, ist aber keine Option“, erklärt er. „Sonst fehlt mir im Winter das Futter. Durch die Bewirtschaftung der Alm leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Pflege des Landschaftsbildes“, betont Oberguggenberger, der den Sommer gemeinsam mit seiner Frau Martina und den Kindern Magdalena und Samuel auf der Ingridalm verbringt. Entsprechend erwartet er auch Schutz für seine Tiere. „Gerade deshalb sehen viele bäuerliche Betriebe die Kärntner Wolfsverordnung als dringend notwendiges Instrument – zum Schutz der heimischen Landwirtschaft, der Almwirtschaft, der Weidetiere sowie des Tourismus im ländlichen Raum“, sagt die Lesachtaler Kammerrätin Kathrin Unterweger.