Ein sehr unschöner Zwischenfall auf unserer Wohlfühlinsel: Jugendliche haben am Sonntag versucht, umsonst zu einer Party am Hauptstrand zu kommen, indem sie den Zaun überkletterten. Zudem hatten sie ihre eigenen Flaschen mit Alkohol dabei. Stranddirektor Roberto Marin stellte sich den Eindringlingen und wurde daraufhin mit Faustschlägen attackiert. Passanten und Sicherheitskräfte griffen ein und verhinderten Schlimmeres. Aber der Ort ist alarmiert.

Volle Solidarität mit dem Stranddirektor und den Sicherheitskräften, die viel riskiert haben. Die Carabinieri machten die Halbstarken wenig später ausfindig und „stellten ihre Personalien fest“ (mehr nicht, unfassbar) – es handelte sich um Jugendliche aus dem Umland, die schon öfter in der Region Ärger gemacht hatten. Es handelte sich also nicht um einen Dumme-Jungen-Streich, der aus dem Ruder gelaufen ist.

„Maranza“

Für die Gangs gibt es in Italien den Begriff „Maranza“. Die sind schon seit einigen Jahren ein Problem, insbesondere in den großen Städten, aber im Sommer auch in den großen Badeorten, zuletzt beispielsweise in Jesolo.

Und jetzt wird es heikel. Ursprünglich beschrieb der Begriff Jugendbanden mit nordafrikanischem Migrationshintergrund, doch die Mode und der Habitus der Maranza wird auch von italienischen Gymnasiasten kopiert, weil das als „cool“ gilt. Dazu kommt die italienische Rapkultur, die nicht gerade zartbesaitet ist und, wie in den USA, das Gangster-Gehabe feiert.

Wohin geht die Reise?

Das ist eben die Schattenseite einer auf Events ausgerichteten Tourismuspolitik: Wer mehr Nachtleben will, wird genau diese Personen anlocken. Meine Töchter, 23 und 20 Jahre alt und damit sicher näher dran am Partygeschehen als ich und andere Boomer, haben berichtet, dass es bei vielen Strandfesten zu solchen illegalen Eintritten kommt und damit zu allen weiteren Problemen wie heftigem Alkoholkonsum von Minderjährigen und Drogen. Nicht zufällig sind zuletzt Dealer aufgeflogen (ich berichtete in den letzten Wochen) – in unserem friedlichen Grado!

Vielleicht kommt dieser Zwischenfall ja zur rechten Zeit. Denn Grado muss sich die Frage stellen, wohin die Reise gehen soll: Will die Insel mit Feierorten wie Jesolo, Lignano oder Bibione konkurrieren – oder doch lieber mit wenigen stimmungsvollen Events ohne dröhnende Lautsprecher eine tiefenentspannte Insel der Seligen bleiben?