Gustav Mahlers erste Großübung in Sachen Hypertrophie war seine Symphonie Nr. 2. „Auferstehung“: Eine für die Entstehungszeit (UA 1895) noch ungewöhnliche Mischung aus Mystik und Naivität, Witz und Pathos, in Form und Inhalt äußerst heterogen. Die bedeutungsschweren Fin-de-Siècle-Schwaden, die Gustav Mahler hier vor allem gegen Ende auftürmt, formieren sich übrigens auch zur ORF-„Klangwolke“, die am Freitagabend (ab 21 Uhr) das Land zum Klingen bringen soll.

Die Dirigentin Mei-Ann Chen macht äshtetisch gleichsam einen Strich durch die Rechnung großsymphonischer Bedeutungshuberei. Mit dem Styriarte Youth Orchestra verscheucht sie die Nebel der Tiefsinnigkeit weg. Dass der Streicherapparat mit ca. 40 Musikerinnnen und Musikern unterbesetzt ist, wird zur Stärke: der Klang ist sehr schlank, die Tempi flüssig. Erstaunlich wie die Dirigentin das ad-hoc-Orchester, das sich in einem einwöchigen Orchestercamp zusammengefunden hat, zusammenhält und zu einer glänzenden Leistung führen kann. Natürlich ist der Fokus nicht immer scharfgestellt und es gäbe noch mehr Möglichkeiten zur Tiefenbohrung, aber so frisch, so natürlich wie hier erlebt man Mahler nicht alle Tage.

Als die beiden Chöre (chor pro musica graz und mondo musicale) ins Geschehen eingreifen, hört man natürlich gleich, was an Klangsinnlichkeit und -fülle in dieser Partitur eigentlich auch steckt, und mit Jolana Slavíková und Miriam Kutrowatz stehen zwei großartige Solistinnen zur Verfügung.

Klangwolke: Freitag, ab 21 Uhr. Übertragung in Radio Steiermark und ORF III.

Die Ensembles in der List-Halle
Die Ensembles in der List-Halle © Harry Schiffer