Wenn am Freitag, 17. Juli um 21 Uhr im Rahmen der Reihe „ORF Steiermark Klangwolke“ auf ORF III der Styriarte-Höhepunkt – Mei-Ann Chen dirigiert „Mahlers Zweite“ mit dem Styriarte Youth Orchestra – erklingt, dann ist für Martin Steffens aus Köflach die Arbeit getan und ein Traum in Erfüllung gegangen. Und es fällt ihm bestimmt ein kleiner Stein vom Herzen, denn dieses Konzert aus der List-Halle in Graz wird zudem auf Radio Steiermark sowie auf zahlreichen öffentlichen Plätzen in der Steiermark via Public Viewing übertragen und zählt zu den größten kulturellen Ereignissen des Jahres. Außerdem handelt es sich bei dieser Übertragung um ein regietechnisches Mammutprojekt, das bereits tags zuvor, am Donnerstag, aufgezeichnet wurde.
Und diese Aufzeichnung hat es in sich. Steffens sitzt dafür im Ü-Wagen außerhalb der List-Halle und dirigiert seinerseits sein Team, das aus elf Kameraleuten und einem Heer von Technikern besteht, insgesamt an die dreißig Personen. Die erste Aufnahme findet bei der Generalprobe am Vormittag statt, die zweite bei der Premiere am Abend. „So haben wir ein kleines Sicherheitsnetz, falls etwas nicht ganz klappt", schildert der 58-Jährige. Die Crux an der Sache ist nämlich, dass die TV-Übertragung eine dramaturgische Inszenierung des Konzerts ist, die Bilder also exakt in dem Moment umschalten müssen, wenn das entsprechende Instrument auch intoniert. „Dafür braucht es eine penible Vorbereitung des gesamten Teams und meine Kommandos müssen sekundengenau erfolgen.“
Aus diesem Grund gibt es Stunden zuvor bereits kein Essen oder Trinken, denn Klopausen sind während des 80-minütigen Konzerts natürlich nicht möglich. Bei „Mahlers Zweite“ handelt es sich um eine Auferstehungssymphonie in fünf Sätzen. Pikantes Detail dabei: Mahler konzipierte das Konzert mit einem 3D-Effekt im Klang – das heißt, ein zweites, kleineres Orchester spielt an insgesamt fünf anderen Plätzen, um den Zuschauern ein besonderes Klangerlebnis zu verschaffen. Auch das muss kameratechnisch natürlich eingefangen werden.
Das Geschäft kennt Steffens von der Pieke auf. Er hat seit vielen Jahren eine eigene Filmproduktionsfirma, sein Hauptgeschäft sind Schnitt und Gestaltung von TV-Dokumentationen. „Die Übertragung der Klangwolke ist aber eine Premiere für mich und ein echtes Herzensprojekt.“ Steffens ist selbst auch Musiker, spielt Schlagwerk, Keyboard, Klavier und Gesang und ist, wie seine gesamte Familie, Mitglied der Werkskapelle Bauer.
„Als Musiker habe ich da bestimmt einen Vorteil für dieses Klangwolken-Projekt", dennoch bereitet er sich penibel vor und hat sämtliche Proben des Orchesters verfolgt. Und so versichert er, „dass ich am Tag des Geschehens total ruhig sein werde. Ich kenne mein Team, es ist hervorragend und meine Kommandos sind bedächtig, aber exakt. Dieser ganze Tag ist eine einzige große Teamleistung.” Bevor es losgeht, wird er aber noch eine Runde ums Haus spazieren, ganz für sich allein – eine Konzentrationsübung, die ihm hilft, sich zu fokussieren, ehe es im Ü-Wagen dann um Sekunden geht.