Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Geschichte hinter dem Rathaus von Leibnitz steckt? Historisch entstanden die ersten Rathäuser im Mittelalter mit der Verleihung von Markt- oder Stadtrechten. Im Erdgeschoss befand sich meist eine offene Markthalle, darüber der Versammlungs- und Gerichtssaal sowie die Verwaltungsräume.

Räte und Richter kamen aus einflussreichen Familien. Ihr elitäres Selbstverständnis spiegelte sich in der Architektur. Mit der Wiedergewinnung der Gemeindefreiheit im 19. Jahrhundert wurde erneut in symbolträchtige Bauwerke investiert. Das heutige Leibnitzer Rathaus geht auf den Umbau eines geschichtsträchtigen Hauses vor etwas mehr als hundert Jahren zurück.

Altes Rathaus aufgelassen

Sein Vorgänger stand am Hauptplatz 19, heute etwa Standort der Parfümerie Götz. Schon das alte Rathaus von Leibnitz hatte einen Turm mit Glocke und Uhr. Dieser fiel aber einem großen Brand zum Opfer und wurde danach nicht mehr aufgebaut. Ebenso die steinerne Rathaus-Statue der Gerechtigkeit. Sie landete als Privatkauf im Nachbarhaus Nummer 17 bei Franz Karl Kronaus. Er soll einst den schönsten Garten von Leibnitz besessen haben, mit exotischen Gewächsen und einem großen Lindenbaum. Gepflanzt hatten ihn die Vorbesitzerfamilien della Martina und Mischon.

Wo sich heute die Parfümerie Götz befindet, stand einst das alte Rathaus
Wo sich heute die Parfümerie Götz befindet, stand einst das alte Rathaus © KLZ / Alexandra Kofler

1846 wurde dort der Leibnitzer Männergesangsverein gegründet. Das alte Rathaus am Hauptplatz 19 wurde im Jahr 1876 aufgelassen. Danach richtete Anton Meixner, Pfarrer von St. Veit am Vogau und leidenschaftlicher Heimatforscher, dort ein Römermuseum ein. 1895 wurde das Gebäude von der Gemeinde veräußert. Im Zuge dessen verschwand auch das gesamte Museumsinventar. Doch zurück zur Rathausgeschichte.

 Der Hauptplatz von Leibnitz im Jahr 1913 noch ohne neues Rathaus
 Der Hauptplatz von Leibnitz im Jahr 1913 noch ohne neues Rathaus © Sammlung Alois Reiter

1875 kaufte die Gemeinde das geschichtsträchtige Haus am Hauptplatz 24, dem heutigen Rathaus-Standort. Es gehörte einst der Familie Lengheim, war ein sogenanntes „Freihaus“ und wurde um 1750 zu einer Kaserne umfunktioniert. 1823 kam es an die Familie Staudinger. Da es beim großen Brand im Jahr 1829 verschont blieb, brachten sie zum Dank über der Toreinfahrt die steinerne Madonnengruppe an. Sie sieht man heute noch, wenn man vom Hauptplatz die Durchfahrt zum Sparkassenplatz passiert.

Spektakulärer Einbruch

Im Jahr 1913 wurde Leibnitz zur Stadt erhoben. Dieser Aufstieg verlangte nach einem Statussymbol und so begann man im selben Jahr mit dem Umbau zum neuen Rathaus. Als es fertig war, brach der Erste Weltkrieg aus. Bürgermeister jener Zeit waren der Distriktsarzt Franz Holzer (1901-1913) und der Fabrikant Emmerich Aßmann (1913-1917). Im Erdgeschoss des Rathauses waren lange Zeit Geschäftsräume untergebracht.

Die steinerne Madonnengruppe über der Rathaus-Durchfahrt erinnert an den großen Brand von 1829
Die steinerne Madonnengruppe über der Rathaus-Durchfahrt erinnert an den großen Brand von 1829 © KLZ / Alexandra Kofler

Bis 1962 auch das Leibnitzer Postamt. Dort kam es 1950 zu einem spektakulären Einbruch. Der Panzerschrank wurde aufgebrochen und 570.000 Schilling erbeutet. Das Geld war für die Auszahlung von Gehältern, Renten und Pensionen bestimmt. Jahrelang suchte man nach den Tätern. Ob sie je gefasst wurden, ist nicht bekannt.