„Puh, da ist aber nicht viel Wasser drinnen“ – wer dieser Tage öfters die Raab bei der Fußgängerbrücke südlich des Feldbacher Bahnhofs überquert, dem dürften solche Sätze nicht unbekannt sein. Regelmäßig sind derzeit Passanten zu beobachten, die den Pegelstand betrachten. Tatsächlich dürften sich ähnliche Szenen in ganz Ostösterreich abspielen, denn zahlreiche Fließgewässer kämpfen Mitte Juli mit deutlich unterdurchschnittlicher Wasserführung.

Messstellen zeigen unterdurchschnittliche Pegel

An rund 85 Prozent der Messstellen lagen die Flusspegel Ende Juni unter dem langjährigen Monatsmittel und auch der Grundwasserhaushalt ist niedrig bis sehr niedrig, zeigte erst kürzlich der Monatsbericht „Wasserhaushalt Österreich“. Hydrologe Günter Blöschl (TU Wien) spricht mit Blick auf den Bericht von einer Lage „am Rande einer Ausnahmesituation“. Der WWF warnt vor geschwächten Flussökosystemen und verweist in der Steiermark insbesondere auf die Lafnitz bei Rohrbach, wo der Pegel im Juni 50 Prozent unter dem langjährigen Monatsmittel lag.

„Aktuell schauts so aus, dass alle Messdaten in der Oststeiermark deutlich unter dem mittleren monatlichen Abfluss sind“, zeichnet auch Robert Stöffler vom Referat Hydrografie des Landes Steiermark ein ernstes Bild. Die Messstation in Feldbach zeigt in den vergangenen zwei Wochen nie einen Durchfluss über zwei Kubikmeter pro Sekunde (m³/s) – normal wären fünf. Bei Rohrbach an der Lafnitz liegt man noch weiter unter dem Schnitt: Zwischen März und Mitte Juli 2026 lag der Fluss nur zweimal über dem mittleren Abfluss-Schnitt von 2,25 m³/s.

Grabenlandbäche in 90er-Jahren ausgetrocknet

Andreas Tiefenbach, Experte für Vogelkunde sowie heimische Fische und Muscheln, teilt die Einschätzung, wenngleich er betont: „Die Pegelstände sind natürlich recht niedrig, aber es ist noch keine katastrophale Situation.“

Andreas Tiefenbach kennt sich mit dem Lebensraum Fluss in der Südoststeiermark gut aus
Andreas Tiefenbach kennt sich mit dem Lebensraum Fluss in der Südoststeiermark gut aus © Andreas Tiefenbach

Er zieht den Vergleich mit den 1990er-Jahren in denen es auch vorkam, dass die Grabenlandbäche komplett austrockneten. „Soweit ich gesehen habe, gibt es derzeit noch keine trockenen Stellen“, so Tiefenbach. Trotzdem sei die Situation ernst, schließlich könne sich die Lage je nach Wetter auch noch weiter zuspitzen. Neben der Flora und Fauna im Fluss hat das vor allem Auswirkungen auf die Stromproduktion aus Kleinwasserkraftwerken und die Möglichkeiten zur Wasserentnahme.

Aus dem Kleine-Zeitung-Archiv: Die Raab nach dem Ablassen des Staubereichs der Clement-Mühle in Feldbach im Jahr 2015
Aus dem Kleine-Zeitung-Archiv: Die Raab nach dem Ablassen des Staubereichs der Clement-Mühle in Feldbach im Jahr 2015 © Helmut Steiner

Flussökosystem unter Druck

Eine Entspannung könnte über das Wochenende bis Dienstag einsetzen, heißt es seitens des Referats Hydrografie. Eine langfristige Hilfe für die Bäche und Flüsse sind die prognostizierten Gewitter allerdings nicht.

Ganz im Gegenteil, sagt Tiefenbach: „Durch den Starkregen nach der Trockenheit kommen viele Sedimente und Dünger in die Gewässer.“ Für die Lebewesen im Wasser ein zusätzlicher Stressfaktor. Mollusken, Krebstiere und Fische sind die ersten, die niedrige Pegelstände bemerken und darunter leiden.

Wird das Wasser im Bachbett weniger, suchen sich Fische und Krebse als Erstes tiefere Stellen, wo sie durchaus auch länger überleben können, wenn der Bach langsam austrocknet. Muscheln sind weniger anpassungsfähig, sie müssen hoffen im Schlamm lange genug durchhalten zu können. Hält die Trockenheit dann noch länger an, wird es auch für die Tiere in den Tiefstellen eng – durch die große Biomasse auf immer engerem Raum ersticken die meisten von ihnen, bevor es zum endgültigen Austrocknen kommt.

Renaturierung und Biber sind wertvoll

Gerade weil durch den Klimawandel Trockenphasen häufiger und intensiver werden, müsse man solche Tiefstellen schaffen und schützen, sagt Tiefenbach und ergänz mit Verweis auf vergangene Jahrzehnte: „Der Biber sorgt durch seine Dämme für einen besseren Wasserhaushalt.“ Er betont, dass Renaturierung sowohl bei Hochwassser als auch Trockenheit wertvoll ist. „Da ist man mit der Regulierung etwas über das Ziel hinaus geschossen, aber da geschieht zum Glück immer mehr“, so der Vogel- und Fischexperte.

Der WWF fordert ebenfalls ein Schutzprogramm für besonders hitzegefährdete Flüsse. Dazu zählen ausreichend Wasser in Wasserkraft-Restwasserstrecken, natürliche Beschattung, die Wiederanbindung von Nebenarmen sowie verbindliche Beschränkungen für Wasserentnahmen in Trockenphasen.