So wehmütig manche von uns Älteren auch sind, dass ab und zu die Knie genauso schmerzen wie die Hüfte, hat auch sein Gutes: Der Besitzer dieser Gelenke musste gefühlsmäßig nicht zuerst im Lotto gewinnen, um sich Haus und Grund leisten zu können. Das bestätigt zwar auch die jüngste Auswertung der Immobilienpreise durch das Statistikteam des Landes – jedoch mit spannenden Unterschieden, nicht nur zwischen den Gemeinden: So sind in der Steiermark zwischen den Jahren 2021 und 2025 die Preise für Häuser um durchschnittlich fast elf Prozent gestiegen und für Grundstücke gar um 61 Prozent, Wohnungen indes wurden um immerhin 3,5 Prozent günstiger.

„Graz-Stadt gilt landesweit als teuerster Bezirk“, heißt jedenfalls ein Resümee der jüngsten Auswertungen, welche das Team der Landesstatistik rund um Martin Mayer soeben vorgelegt hat. Dabei hat man den Zeitraum zwischen den Jahren 2021 und 2025 unter die Lupe genommen, anhand von „Transaktionsdaten“ genauso wie auf Basis der „Immobiliendurchschnittspreise“, welche wiederum die Kollegen der Statistik Austria bereitstellten – im Hinblick auf Baugrundstücke, Häuser und Wohnungen. Mit folgenden markanten Ergebnissen:

Grundstücke: Zwischen den Jahren 2021 und 2025 lag der durchschnittliche Preis für ein Baugrundstück in Graz bei 430,30 Euro pro Quadratmeter – und die Landeshauptstadt damit unter den Bezirken unangefochten an der Spitze: Als zweitteuerster Bezirk folgt Graz-Umgebung mit Respektabstand und mit 132 Euro/m². Zum Vergleich: Die niedrigsten Grundstückspreise wurden in den jüngsten Jahren in der Südoststeiermark bezahlt: 35,7 Euro pro Quadratmeter.

Veränderung: Diese 430,30 Euro in Graz bedeuten immerhin ein Plus von 19 Prozent gegenüber den Durchschnittspreisen in der Periode 2020 bis 2024, während im Grazer Umland die Anschaffung eines Baugrunds bloß um 0,7 Prozentpunkte teurer wurde.

Rangliste: Betrachtet man allerdings die Gemeinden separat, so liegen Altaussee (542 Euro/m²) und Ramsau am Dachstein (438,30 Euro) sogar noch vor Graz. Bei den Top-10 der teuersten Gemeinden belegen ausschließlich Orte in Graz-Umgebung die Plätze sechs bis zehn: Hart bei Graz (258,80 Euro), Seiersberg-Pirka (247 Euro), Stattegg (222,10 Euro) sowie Feldkirchen bei Graz und Weinitzen (je 208,90 Euro).

Hoch hinaus ging es zuletzt auch bei den Preisen
Hoch hinaus ging es zuletzt auch bei den Preisen © Imago

Häuser: Wer sich zuletzt ein Haus leisten wollte, musste ebenfalls in Graz das größte Sparschwein leeren: Bei vier Wänden samt einer Grundstücksgröße von weniger als 740 Quadratmetern waren das ab dem Jahr 1991 zwischen 5700 und 3600 Euro pro Quadratmeter (siehe Grafik) – wobei auffällt: Je mehr Wohnfläche verfügbar ist, desto niedriger wird der Quadratmeterpreis. Doch auch für den Fall, dass der Blick aus dem künftigen Wohnzimmer auf einen noch größeren Garten fallen sollte, hatte Graz die höchsten Preise zu bieten – gefolgt von Graz-Umgebung, Liezen, Leibnitz und Weiz.

Martin Mayer, Leiter der Statistik beim Land Steiermark
Martin Mayer, Leiter der Statistik beim Land Steiermark © Land Steiermark

Wohnungen: Hier musste Graz den jahrelangen Spitzenplatz abgeben: Sowohl bei Eigentumswohnungen, die vor dem Jahr 1960 erbaut worden waren, als auch in der Periode 1961–1990 liegt Graz an der Spitze – wurden Zimmer, Kuchl und Kabinett allerdings ab 1991 errichtet, ist Liezen der teuerste Bezirk. Dort kosteten zuletzt Wohnungen jenseits der 78m² im Schnitt 4081 Euro/Quadratmeter (ohne Garten oder Terrasse) oder gar 4376 Euro/m² (mit Außenfläche), während man in der Landeshauptstadt jeweils um knapp 200 Euro weniger bezahlen musste und sich in Graz-Umgebung gar 1000 Euro pro Quadratmeter ersparte.

Andreas Kern, Obmann der Immobilien-Fachgruppe bei der WKO
Andreas Kern, Obmann der Immobilien-Fachgruppe bei der WKO © WKO

„Das Haus im Grünen in Graz ist derzeit für manche wohl nur schwer leistbar“, weiß insofern auch Andreas Kern, steirischer Obmann der Immobilien-Fachgruppe bei der Wirtschaftskammer. Doch generell und in den anderen Bezirken sei man preislich in einem „verträglichen Bereich“. Dass in Graz hingegen zuletzt auch die Wohnungsmieten gesunken sind, sieht Kern zweischneidig: Zum einen finde er es ganz in Ordnung, „dass wir von einer Landeshauptstadt sprechen und trotzdem nicht von Kitzbüheler Verhältnissen“ Doch der Immo-Obmann erinnert daran, dass hinter diesem Mietenrückgang die über Jahre hinweg hohe Wohnungsproduktion stehe. „Hier hat die Stadt Graz zwar durchaus recht, es ist zu viel gebaut worden.“ Also zehre man nun, da sich die aktuelle Stadtregierung „sehr restriktiv“ zeige, von dieser Überproduktion: „Denn wir brauchen im Jahr trotzdem knapp 3000 neue Wohnungen in Graz, und die bauen wir derzeit nicht“. Das Problem dabei aus Kerns Sicht: „Das könnte sich noch ordentlich rächen. Bekanntlich dauern Bauverfahren in Graz viel zu lange, wir haben einen Vorlauf von bis zu fünf Jahren. Das System von jetzt auf gleich wieder hochzufahren, wenn plötzlich doch wieder Wohnraum gebraucht wird, funktioniert also nicht“.