Anfang Mai schlugen die Kärntner Bauern Alarm: Das extrem trockene Frühjahr sorgte dafür, dass die Futtermittel zur Neige gingen. Heu musste zugekauft werden oder Bauern griffen auf ihre letzten Reserven zurück. Sogar von drohenden Notverkäufen von Tieren war die Rede. Mittlerweile hat sich die Lage aufgrund mehrerer Niederschlagsereignisse etwas entspannt. Einbußen seien in gewissen Bereichen aber dennoch zu erwarten, sagten Kärntens Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber und Österreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Klagenfurt.
„Regional sind die Unterschiede groß und man kann den Dürreschaden noch nicht beziffern“, sagt Huber. Der erste Schnitt beim Grünland sei in vielen Regionen ganz weggefallen oder habe einen deutlich geringeren Ertrag gebracht: „Und der erste Schnitt ist die Basis.“ Ob man genug Winterfutter für die heimischen Nutztiere produzieren wird können, hänge noch vom restlichen Sommer und vom Herbst ab. Beim Mais könne man derzeit ebenfalls noch keine endgültige Rechnung aufstellen.
Neuerung bei Versicherung
Um für solche Dürreperioden, die laut Klima- und Wetterexperten in den kommenden Jahren noch zunehmen werden, besser abgesichert zu sein, lassen sich immer mehr Bauern in Kärnten versichern. „Im Ackerbau haben sich 98 Prozent der Bauern versichert, im Grünland fast 60 Prozent“, sagt Huber. 55 Prozent der Versicherungssumme werden von Bund und Land getragen, den Rest muss der Landwirt selbst bezahlen. Bisher wurden für die Berechnung von Prämien und Entschädigungen die Niederschlagsmenge in der jeweiligen Katastralgemeinde sowie die Anzahl der Hitzetage herangezogen.
Seit heuer neu ist bei der Dürreindexversicherung, dass die Hitzetage nur noch dann berücksichtigt werden, wenn sie über dem zehnjährigen Schnitt liegen. Damit Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad weiterhin vollumfänglich berücksichtigt werden, müssen die Bauern selbst aufzahlen, was die meisten aber tun würden, sagt Huber. Generell sieht die Kammer die Dürreindexversicherung, die seit zehn Jahren besteht, als positive Lösung an. „Früher konnte man für Dürreschäden Geld aus dem Katastrophenfonds bekommen“, sagt Moosbrugger. Das sei aber zum Teil kompliziert gewesen und heute nicht mehr möglich.
Generell fordert der Landwirtschaftskammer-Präsident mehr Unterstützung der EU für die heimischen Bauern: „Neben der mittlerweile allgegenwärtigen Klimaerhitzung mit Ertragseinbußen gibt es in der Welt zahlreiche Krisen- und Kriegsherde, die sich bis zu den einzelnen Betrieben auswirken und zu massiven Kostensteigerungen führen, bei gleichbleibenden bis sinkenden Erzeugerpreisen. Moosbrugger fordert, dass die EU ihre Strategien überarbeitet, um für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Betriebe zu sorgen. Denn derzeit würden diese mit immer höheren Auflagen konfrontiert und müssten Auflagen erfüllen, die zum Teil für importierte Produkte nicht gelten würden.
Die derzeit laufenden Verhandlungen zum EU-Budget und zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 bereiten auch Huber Sorge. Derzeit würde laut Moosbrugger über eine Einsparung von 20 Prozent diskutiert, so Moosbrugger. Dabei müsse man im Gegenteil faire Preise für die Erzeuger der heimischen Lebensmittel sowie die steigenden Produktionskosten berücksichtigen anstatt zu sparen. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, fordern er und Huber gleiche Regeln für alle: „Überall dort, wo Drittstaaten nicht dieselben hohen Standards im Bereich Umweltschutz, Tierwohl und Arbeitsrecht einhalten wie wir in Österreich, muss es Einfuhrverbote geben.“