„Nehmt euch in Acht – die grauen Riesen kommen. Ein kleines Raumschiff landet mitten im magischen Wald und Mimi vom Mars lädt alle Menschenkinder auf ihren Planeten ein“ - Ja, das hört sich an wie ein Märchen und ist es auch. Und nein, es handelt sich nicht um den nächsten Disney-Film – obwohl einen Kurzfilm gibt es dann doch zu sehen. Und zwar im Wald am Johannesberg in St. Paul, denn dort geht zum fünften Mal das Waldtheater über die Bühne.

Regina Thonhauser mit ihrem Kinderbuch „Vivaldi der Waldwal
Regina Thonhauser mit ihrem Kinderbuch „Vivaldi der Waldwal" © KK/Privat

Hinter dem „Theater“ steckt die St. Paulerin Regina Thonhauser. Durch ihren Beruf als Elementarpädagogin kam die 57-Jährige auf die Idee: „Ich habe damals gesehen, wie sensibel Kinder auf die Natur reagieren. Sie sehen jeden kleinen Käfer am Weg und jeden Schmetterling oder Regenwurm. Die Natur selbst liegt mir schon immer am Herzen.“ Auch Geschichten für die Kinder zu schreiben gehörte für sie in ihrem Beruf dazu.

Die Darsteller decken jede Altersklasse ab
Die Darsteller decken jede Altersklasse ab © KK/Privat

Während der Corona-Pandemie fand sie die Zeit ein Buch zu schreiben: „Vivaldi der Waldwal“, der hier im Wald wohnt und den Kindern den Respekt vor der Natur vermitteln soll. „Aus diesem Buch entstand die Idee für das Waldtheater“, ergänzt Thonhauser, die bei allen Stücken die Regie übernimmt. Auch ein Ausflugsziel für die Familien in der Region zu schaffen, war ein weiterer Grund. Der erste Versuch für das Waldtheater im Jahr 2022 „war einfach unglaublich mit fast 2000 Besuchern“.

Das ganze Jahr über laufen die Vorbereitungen für die „St. Pauler Waldgeschichten“. Bereits in der Weihnachtszeit arbeitet Thonhauser an der neuen Geschichte. „Danach stelle ich die Geschichte vor und wir sprechen darüber, wer welche Rolle übernehmen möchte. Die Darsteller sind immer sehr motiviert“, zeigt sich die Autorin dankbar. Die Requisiten und Kostüme werden selbst zusammengestellt. „Ich versuche so nachhaltig wie möglich zu arbeiten. Dabei kommen Naturmaterialien, Papier oder alte Bettwäsche zum Einsatz“, ergänzt Thonhauser, die alle 20 Darsteller für ihre Arbeit entlohnt. Ein Höhepunkt ist dann besagter Film, der im Vorfeld mit „Grundnig Productions“ gedreht wird.

Woher sie die Ideen für jede Geschichte bekommt? „Keine Ahnung, das kommt einfach. Meine Fantasie ist groß. Ich bin hier am Johannesberg aufgewachsen und der Wald ist reine Magie für mich. Es gibt so viele Figuren die meiner Fantasie entspringen. Um sie herum baue ich dann die Geschichte.“

Die Kostüme näht Thonhauser selbst
Die Kostüme näht Thonhauser selbst © KK/Privat

Acht Tage lang – vom 18. Juli bis 9. August, jeweils Samstag und Sonntag – verwandelt sich der Wald von 9 bis 15 Uhr in eine Bühne. Jede Station spielt auf 1.5 Kilometern rund fünf Minuten, sodass man insgesamt mit eineinhalb Stunden rechnen kann. „Nur mein Mann braucht ein wenig länger“, sagt sie mit einem lauten Lachen. Sie selbst arbeitet am liebsten im Hintergrund und denkt nur von Jahr zu Jahr. „Man weiß nie, ob wir genug Darsteller finden. Sie sind alle zwischen sieben und 80 Jahre alt und was das nächste Jahr bringt weiß niemand. Aber Geschichten habe ich unendlich viele.“ Tickets gibt es ab 14.50 Euro auf oeticket.com.