Glasklar rauscht sie dahin. Ihr Farbenspiel changiert zwischen Türkis, Tiefblau und Smaragdgrün, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Der Fluss Nera entspringt in den Sibillinischen Bergen der Marken und mündet nach 116 Kilometern in Latium in den Tiber. Auf ihrem Weg passiert sie Umbrien, wo sie beim Bergstädtchen Narni tiefe Schluchten gegraben hat. Die Gole del Nera sind der landschaftlich vielleicht schönste Abschnitt ihres Verlaufs, aber auch Beweis für die unbändige Kraft der Nera.

Das erkannte auch Aldobrando Netti, dessen Vater im Dorf Stifone mit dem Fluss eine kleine Getreidemühle betrieb, schon als kleiner Junge. 1892 war er gerade 23 Jahre alt, als er dort das erste kommunale Wasserkraftwerk errichtete. Reichte der Strom zunächst, um rund 700 elektrische Lampen leuchten zu lassen, versorgten die Generatoren des Ingenieurs schließlich mehr als 130 Orte in Umbrien und Latium mit Elektrizität.

Naturwunder und Industriedenkmal

Doch die Nera hat ihren eigenen Willen: Ein Hochwasser zerstörte 1937 das Wasserkraftwerk an der Sorgente della Morìca, bis heute stehen in Stifone dessen Ruinen im Flussbett. Ein malerisches Monument, in dem man auch baden gehen kann. Allerdings sollte man bei konstanten 16 Grad Wassertemperatur dafür recht hartgesotten sein.