Nach Stürmen wie „Vaia“ 2018, die gestandene Bäume zu Fall brachten wie Mikado-Stäbchen, und Wintern mit viel Eis- und Schneebruch galt Osttirol jahrelang als absoluter Borkenkäfer-Brennpunkt Österreichs. „Der Ausbruch war aber auch in Oberkärnten gravierend“, sagt Till Hallas, Forstwissenschaftler der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. Besonders schwer getroffen hat es das Möll- und das Lesachtal mit einem flächigen Befall bis an die Waldgrenze.

Das Schadholz hatte das optimale Brutmaterial zum Einnisten für den sogenannten „Buchdrucker“ (Borkenkäfer) gebildet, der dann auch vor gesunden Fichten nicht Halt machte. „Eine Aufarbeitung des gesamten Schadholzes war aufgrund der enormen Menge sowie der schwierigen Bringungssituationen in steilem, teilweise unzugänglichem Gelände nicht möglich“, erklärt Hermagors Bezirksforstinspektor Thomas Holzfeind. Dazu hätten laut Hallas Trockenperioden die Ausbreitung des Schädlings begünstigt, da sich dieser dann gut vermehren könne und Fichten bei längerer Trockenheit nicht mehr sehr abwehrfähig seien.

Till Hallas, Forstwissenschaftler der Boku Wien
Till Hallas, Forstwissenschaftler der Boku Wien © KK/Hannes Tell

Gründe für den Rückgang

In einer Analyse, die auf Daten des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) basieren und die Waldschädigungsfaktoren dokumentieren, kommt Hallas aber zu folgendem Schluss: Die Lage scheint sich zu entspannen. Einerseits weil befallenes Material aus den Wäldern geschafft wurde und mancherorts auch gar nicht mehr viel da ist, was befallen werden könnte. Aber auch „weil bei einer derart hohen Population die innerartliche Konkurrenz zunimmt. Es kommt zur Ausbreitung von Krankheiten und Fressfeinde wie der Ameisenbuntkäfer reagieren“, erklärt Hallas. Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, kann sich online im „Borkenkäfer Dashboard“ informieren.

Waldhygiene entscheidend

„Seit 2024 nehmen die Schadholzmengen aufgrund des Borkenkäfers ab“, bestätigt Thomas Holzfeind, ebenso wie sein Spittaler Kollege Ernst-Hans Lackinger: „Die Waldhygiene war dabei sicher auch entscheidend.“ Im Oberen Drautal habe man den Borkenkäfer etwa „durch enormen Einsatz noch zurückhalten“ können. Im Lieser-Maltatal gab es kleinere Hotspots.

Schadholz bildete einen idealen Nährboden für den Borkenkäfer
Schadholz bildete einen idealen Nährboden für den Borkenkäfer © APA/Bundesforschungszentrum für Wald

„Etliche Waldbesitzer haben draufgezahlt“

Mit der Sägeindustrie sei es anfangs zwar nicht ganz einfach gewesen, was die Abnahme des Käferholzes betrifft. Aktuell gäbe es aber ein harmonisches Miteinander, so Lackinger: „Wir haben nur eine Chance gegen den Borkenkäfer wenn Waldbesitzer, Holzunternehmer und -industrie an einem Strang ziehen. Man muss aber auch klar sagen, dass etliche Waldbesitzer beim Entfernen des Käferholzes draufgezahlt haben, besonders in den schroffen Lagen wie im Mölltal.“

Von den 100.000 Hektar Wald im Bezirk Spittal seien rund 27 Prozent in den vergangenen acht Jahren durch Naturereignisse und Borkenkäfer vernichtet worden, so Lackinger. Im Bezirk Hermagor seien es laut Holzfeind 15 Prozent, im Hauptschadensgebiet im Lesachtal 28 Prozent der Gesamtwaldfläche.

Ernst-Hans Lackinger, Bezirksforstinspektor Spittal
Ernst-Hans Lackinger, Bezirksforstinspektor Spittal © Willi Pleschberger

„Bäume stehen unter Stress“

Auch wenn die Tendenz derzeit positiv ist, lässt sich die Entwicklung in Bezug auf den Borkenkäfer heuer noch nicht ganz abschätzen, schränkt Holzfeind ein: „Ich bin zuversichtlich, doch wir sind in den höheren Lagen erst am Beginn der Befallsperiode. Und die Bäume sind aufgrund eines starken Mastjahres der Fichte und der Trockenheit enorm unter Stress. Entscheidend wird sein, dass frischer Borkenkäferbefall so schnell wie möglich aufgearbeitet wird, um eine weitere Vermehrung zu unterbinden.“

Bezirksforstinspektor Thomas Holzfeind
Bezirksforstinspektor Thomas Holzfeind © KK/Privat

Schutzwaldfunktion

Nun geht es darum, betroffene Flächen wieder zu bewalden, weil sie auch eine wichtige Schutzfunktion haben. In vielen Gebieten ist das bereits passiert. Man setzt zum Teil auf natürliche Verjüngung, teils auf gezielte Wiederaufforstung, wobei zu überlegen ist, in welcher Lage welche Pflanze künftig Sinn macht. Eine Durchmischung der Wälder, sowohl was Baumarten als auch deren Alter betrifft, sei künftig eine wichtige Prophylaxe, um gegen Schädlinge und dem Klima gegenüber gewappnet zu sein, erklärt Till Hallas. Hier gibt es Beratungen durch die Bezirksforstinspektion und Förderungen für Waldbesitzer, die grundsätzlich vom Forstgesetz zur Wiederbewaldung verpflichtet sind. „Wobei ich den Ausdruck der Förderung nicht mag“, betont Lackinger. „Es ist eine Leistungsabgeltung. Von der Wiederherstellung des Schutzwaldes profitieren alle, Schutzverbauungen sind zigfach teurer.“ Oft kommt man aber darum nicht herum.