Nach der tödlichen Kuhattacke in Oberlienz sind weiterhin Polizei und Staatsanwaltschaft am Zug. „Nach wie vor werden Ermittlungen wegen  des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung und der grob fahrlässigen Körperverletzung gegen Unbekannt geführt“, sagt Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Die Ermittlungen der Polizei sind noch nicht abgeschlossen, heißt es weiter.

Wie berichtet, wurden am 17. Mai nahe der Isel mehrere Einheimische von einer Kuhherde attackiert: Zuerst wurde ein einzelner Spaziergänger von Kühen umgestoßen, er erlitt Rippenbrüche. Etwas später wurden der Lienzer Tierarzt Bernd Hradecky und seine Frau von einem Tier attackiert, die beiden blieben unverletzt. Gegen Mittag kam es dann zu dem tödlichen Vorfall: Eine 67-jährige Frau und ihr Ehemann (65), die spazieren waren, wurden von der Kuhherde angegriffen. Laut Zeugen weideten zu dem Zeitpunkt 40 bis 50 Tiere dort Die Frau starb noch an der Unfallstelle, ihr Mann erlitt schwere Verletzungen.

Sperre im Weidegebiet
Sperre im Weidegebiet © Schmidt

Der Vorfall ereignete sich nicht auf den Bergen oder im Almgebiet, sondern im Tal. „Im Moment befinden sich im betroffenen Bereich keine Weidetiere mehr, weil alle Kühe auf der Alm sind“, sagt der Oberlienzer Bürgermeister Markus Stotter (ÖVP). Dennoch will man nach dem Todesdrama, das für enorme Betroffenheit gesorgt hat, nicht zur Tagesordnung übergehen. „Niemand möchte, dass so etwas wieder passiert“, betont Stotter.

Wie wird man das nächstes Jahr regeln? „Die Tiere sind immer nur für ein paar Wochen in diesem Gebiet, bevor sie auf die Alm kommen. Maßnahmen mit der Bezirkshauptmannschaft und den Bauern und dem Tourismusverband sind in Ausarbeitung. Wir spielen alle Szenarien durch und versuchen eine praktikable Lösung für die Zukunft zu finden“, meint Stotter. Einfach wird das nicht: Die Unfallstelle befindet sich einerseits in einem ausgeschilderten Weidegebiet und liegt andererseits im Bereich des bekannten Iseltrails – einer Hauptattraktion des Tourismusverbandes Osttirol. „Die Bauern haben dort Weiderechte“, sagt der Gemeindechef. Wie eine Lösung für das nächste Jahr aussehen wird, sei noch offen.

Bürgermeister Markus Stotter
Bürgermeister Markus Stotter © Kk/vp Tirol

Nach der tödlichen Kuhattacke wurde jedenfalls eine Sperre und eine Umleitung errichtet, die die Spaziergänger etwa eineinhalb Kilometer weit über den Radweg umgeleitet hatte, bevor sie wieder auf den Wanderweg gekommen sind. So waren die Menschen nicht in der Nähe der Kühe. Seit die Tiere auf der Alm sind, ist die Sperre wieder weg und der Bereich kann von Erholungssuchenden genützt werden. Nicht auszuschließen, dass so etwas auch fürs nächste Jahr geplant ist. Der Bürgermeister will sich dazu aber nicht festlegen. „Wir prüfen mehrere Möglichkeiten“, wiederholt Stotter. Eine Maßnahme – welche auch immer – würde es ohnehin nicht für den ganzen Sommer brauchen, sondern ausschließlich für die paar Wochen, in denen Kühe in dem Weidegebiet im Tal sind, bevor sie auf die Alm kommen.