Ein Museum zu bespielen, verlangt viel Fingerspitzengefühl dabei, was man musikalisch in die meist halligen Räume setzen darf. Einen Chor wie die Company of Music zum Beispiel, dessen Vielstimmigkeit sich in solchem Ambiente noch verstärkt. Das Publikum saß in der Aula, der Chor teilweise versteckt hinter den Arkaden im nach oben offenen Hof vor dem Aufzug. Und Caroline Shaws bekannte Komposition „How to fold the wind“ entfaltete sich buchstäblich gen Himmel. Sie handelt nämlich von Origami, der japanischen Kunst des Papierfaltens.
Wenig später „falteten“ sich Teile der Company dann in den Treppenaufgang der Aula, um Wolfgang Supans „Resurrection I“ nach Ingeborg Bachmanns Roman Malina uraufzuführen. Mit scharfen Hell-Dunkel-Kontrasten, lautstarkem Atmen und expressiver Klangrede folgte man Schritt für Schritt, Satz für Satz, der Ich-Erzählerin, die verstummt und am Ende in einer Wand verschwindet. Apropos Atmen: Daran knüpft oben im zweiten Stock wenig später Akkordeonist Michael Schwarzenbacher im Ganzkörpereinsatz mit dem Stück „Dialog über Luft“ des zeitgenössischen slowenischen Komponisten Vinko Globokar an. Eine irre Tour de Force darüber, wie menschliche Emotionen die Respiration beeinflussen.
Ein paar Räume weiter hat die Festival-Schreiberin Tara Meister Seiten aus ihrem neuen Roman ausgebreitet, aus denen sie laut vorliest. Übrigens unter einem beweglichen Netz, das die Zusammenhänge in der Natur symbolisiert. So ver-netzt sie sich mit ihrem Publikum, testet Reaktionen, markiert Textstellen, die sie noch überarbeiten will. Und dann war da unter anderem noch diese, seit der Eröffnung der Bachmannkuppel in der vorjährigen Kulturhauptstadt Görz schon mehrfach aufgeführte, sensationelle Performance „Slovalia“ von Autorin Tamara Štajner und Musikerin Anna Anderluh.