Wer den Sturm und die peitschenden Regengüsse am Sonntagabend vor knapp zwei Wochen im Ennstal und im Salzkammergut hautnah miterlebt hat, fühlte sich eher an Bilder aus den Tropen als an steirische Hitzegewitter erinnert. Die Unwetter vermurten die Untertalstraße in Rohrmoos, das Geschiebebecken des Dürrenbachs in Haus drohte überzugehen.

Auch im Steirischen Salzkammergut gab es Feuerwehreinsätze. Einer davon betraf den kurzen, noch freigegebenen Teil der Pass-Stein-Straße in Bad Mitterndorf. Dort knickte der Sturm im Abschnitt nach dem Bootsverleih Bäume wie Streichhölzer, Stämme wurden entwurzelt und krachten auf die Fahrbahn.

Zum Glück ist der Straßenabschnitt selbst bei Schönwetter wenig befahren, bei Schlechtwetter bleiben Radfahrer, Badefreudige und Spaziergänger, die den Stausee als Geheimtipp entdeckt haben, aus. Der Straßenabschnitt wurde für die Durchfahrt rasch wieder frei gemacht.

Muren und Steinlawine

Schlimmer traf es den gesperrten Teil der Pass-Stein-Straße zwischen den Gemeinden Mitterberg-St. Martin und Bad Mitterndorf. Dort wälzten sich vor zwei Wochen Muren und eine Steinlawine über die Straße und verschütteten sie massiv. Eine ähnliche Situation gab es zwar schon vor vier Jahren, als Muren Geröll und Gestein über die Straße bis in den Stausee hinunterschoben. Damals wurde die Straße aber rasch wieder passierbar, wahrscheinlich auf private Initiative hin.

Diesmal scheinen die Dimensionen der Vermurung etwas größer zu sein und bei der Baubezirksleitung Liezen, die für die Landesstraße zuständig ist, denkt man nicht an eine Räumung. Er sehe keine Veranlassung, die gesperrte Straße passierbar zu machen, erklärt Martin Reiter-Puntinger, Leiter der Baubezirksleitung (BBL): „Das Risiko ist einfach zu hoch. Es liegt weiterhin eine massive Steinschlag- und Muren-Gefahr vor. Aus Untersuchungen wissen wir, dass noch sehr viel Material oben ist, das herunterkommen kann.“

Abzuwarten bleibt, ob die trotz Sperre bei Radfahrern und Fußgängern beliebte Strecke den Stausee entlang nun vor allem bei Schönwetter wirklich weniger genutzt wird. Erzählungen nach hieven Radfahrer schon jetzt ihre Bikes über das Geröll und fahren auf der Pass-Stein-Straße.

Probebohrungen für Pumpspeicherkraftwerk-Projekt laufen an

Der Ablauf der Probebohrungen für das geplante unterirdische Pumpspeicherkraftwerk und den Speicherteich am Bergereck ist durch die Murenabgänge nicht betroffen. Die Zufahrt erfolgt schon vorher im Bereich des Bootsverleihs über zwei Forststraßen. „Wir haben in dieser Woche am Bergereck die Baustelleneinrichtung für die angekündigten geologischen Untersuchungen durchgeführt. Das Bohrgerät wurde per LKW über Bad Mitterndorf, die Viehbergrunde (MTB-Trail, Anm.) und die bestehende Zufahrt der Bundesforste auf den Berg gebracht, das war von vornherein so geplant“, weiß Robert Zechner vom Energieversorger Verbund.

Die Hoffnung in der Region: Dass sich die Felssicherung und Sanierung der Pass-Stein-Straße im Rahmen des 500 Millionen teuren Pumpspeicherkraftwerks mit ausgehen, weil die Strecke für Verbund-Betriebsfahrten genutzt werden könnte.