Vor sechs Jahren begann alles mit einer einfachen Frage: Lässt sich aus Kunststoffabfall etwas herstellen, das nicht nur nachhaltig, sondern auch hochwertig ist? Arno Trinkl und Wolfgang Rauter waren überzeugt davon. Heute finden sich die Platten ihres Villacher Unternehmens Trastic in Hotels, Krankenhäusern, Büros, Messeständen und Geschäften in ganz Europa.
Als die beiden Trastic kurz vor der Corona-Pandemie gründeten, experimentierten sie noch selbst mit zerschnittenen Plastikflaschen. Sie schmolzen das Material im Backrohr, pressten es zusammen und testeten seine Eigenschaften. Aus diesen ersten Versuchen entstanden Möbel und Einrichtungsgegenstände. Diesen Bereich gibt es bis heute – der Schwerpunkt hat sich allerdings längst verlagert.

Vom Möbelstück zum Werkstoff

Heute produziert Trastic vor allem großformatige Platten aus recyceltem Kunststoff. Sie kommen als Tischplatten, Wand- und Modulverkleidungen oder im hochwertigen Innenausbau zum Einsatz. Immer häufiger entstehen gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden neue Anwendungen: „Das nächste große Geschäftsfeld könnten Fassaden und Außenverkleidungen werden“, sagt Trinkl.

Mit den Produkten hat sich auch der Kundenkreis verändert. Statt einzelner Privatkundinnen und -kunden stehen heute Unternehmen, Architekturbüros und Projektentwickler im Mittelpunkt. Zu den Auftraggebern zählen unter anderem die Hotelkette a&o Hostels, Vöslauer, das MuseumsQuartier Wien sowie Krankenhäuser und Unternehmen aus dem Messe- und Eventbereich. Besonders stolz sind die Gründer auf die Bürogestaltung im Haus der Philanthropie in der Alten Börse in Wien: „Wenn uns 2020 jemand gesagt hätte, dass wir einmal europaweit arbeiten, hätten wir das wohl nicht geglaubt“, sagt Trinkl. Heute sei es eher umgekehrt: „Je größer die Stadt in Europa, desto wahrscheinlicher ist es, dass irgendwo unsere Platten verbaut sind.“

Eigenes Patent

Ein wichtiger Schritt gelang im vergangenen Jahr. Trastic ließ die eigene Produktionstechnologie patentieren und stellte die Fertigung neu auf. Bis Anfang 2025 wurden die Platten ausschließlich in Villach produziert. Heute entwickelt das Unternehmen die Rezepturen, bereitet die Materialien vor und arbeitet mit Produktionspartnern zusammen. So können auch große Projekte in kurzer Zeit umgesetzt werden. Die Rohstoffe stammen dabei überwiegend aus dem Alpen-Adria-Raum. Verarbeitet werden ausschließlich sortenreine Kunststoffe aus der Lebensmittel- und Medizintechnik. „Schadstofffreiheit war für uns von Anfang an entscheidend“, sagt Trinkl. Die Platten könnten nach ihrer Nutzung erneut zerkleinert und vollständig weiterverarbeitet werden. Genau darin liege der wichtigste Unterschied zu vielen Mitbewerbern.

Freunde mit unterschiedlichen Stärken

Zum Erfolg beigetragen hat auch die Aufgabenteilung der Gründer. Trinkl bringt Strategie und Vertrieb ein, Rauter das technische und handwerkliche Know-how. Dass beide seit ihrer Schulzeit befreundet sind, erleichtere viele Entscheidungen.

2023 wurde Trastic mit einem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Sichtbarer sei das Unternehmen dadurch geworden, den eigentlichen Wachstumsschub führen die Gründer jedoch auf die kontinuierliche Weiterentwicklung ihres Produkts zurück. Heute beschäftigt Trastic vier Mitarbeiter.

Villach bleibt die Heimat

Im Herbst präsentiert sich das Unternehmen erstmals als Aussteller auf Fachmessen in Deutschland und Italien. Gleichzeitig investiert Trastic verstärkt in soziale Medien. „Das Thema Kreislaufwirtschaft braucht mehr Sichtbarkeit“, sagt Trinkl. Man wolle nicht nur Produkte verkaufen, sondern auch zeigen, welche Möglichkeiten hochwertiges Kunststoffrecycling bietet.

Stillstand kommt für die beiden Unternehmer nicht infrage. Sie arbeiten bereits an neuen Materialien und weiteren Einsatzbereichen. Die Heimat bleibt dennoch Villach. Von hier aus wollen Trinkl und Rauter den internationalen Weg weitergehen.