„Kino hört nicht im Kino auf, sondern ragt in den Alltag hinein. Zum Beispiel durch Bilder von Stars oder Sammelalben“, sagt der emeritierte Universitätsprofessor Klaus Schönberger. Er hat gemeinsam mit Ute Holfelder von der Angewandten Kulturwissenschaft der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und Studentinnen und Studenten eine Zeitreise in die Kärntner Kinogeschichte gestaltet.
Am Anfang war ein Kassenbuch
Die Sonderschau im Kinomuseum Klagenfurt am Lendkanal (Nähe Strandbad) hatte ihren Ausgang mit einem Kassenbuch des Kinos Landskron: „Darin fanden wir Filme, die zwischen 1953 und dem Ende der 1970er-Jahre gezeigt wurden. Auch mit Steuerausgaben und wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer kamen“, erklärt Schönberger. Um dieses Kassenbuch herum hat ein ganzes Team die Ausstellung gestaltet: Die Kärntner Kinogeschichte begann um 1900 mit Wanderkinos. In Klagenfurt wurde der erste Film im Hotel Sandwirt gezeigt. Filme wurden in der Anfangszeit auch in Zelten oder Open Air gezeigt, doch schon bald gab es in Kärnten/ Koroška 80 Lichtspielhäuser. „Kriegsversehrte hatten Vorrang bei den Lizenzen“, weiß Kulturwissenschaftler Schönberger. „Das Kino war ein Ort des gemeinsamen Erlebnisses.“
Kino und Gasthaus
Kino war auch eine Welt der Technik – auch das sieht man im Kinomuseum sehr gut – denn anfangs waren die Maschinen schwer und groß. Heute ist die Kinowelt digital und dreidimensional. „Beim Kino ging es auch um Tourismus“, sagt Schönberger. Und so entstanden in Kärnten gerade auch in Tourismorten wie Velden oder Bodensdorf Kinos. Das Lichtspielhaus Kino-Lind bei Villach wurde 1929 mit dem Stummfilm „Die Ehebrecherin“ eröffnet, das Kino in Landskron war zum Beispiel in einem Gasthaus untergebracht. Wer ein Kino besuchte, „entfloh“ gleichzeitig in eine andere Welt – ob in Kötschach-Mauthen, das ab 1928 im Gasthof Engl ein Kino hatte, oder in Friesach, das zum Beispiel ab 1923 im Hotel Wartner in der Herrengasse Filme zeigte. Alle 80 Kinos, die es in Kärnten gab, kann man in der Ausstellung auf einer interaktiven Karte anwählen. Einzelne Kinos, wie zum Beispiel das Kino Landskron (1952 bis 1978) werden in der Ausstellung auch näher beleuchtet: Das auch Schöffmann-Kino genannte Lichtspieltheater zeigte in einem umgebauten Speisesaal Filme. Das Kino befand sich dadurch in unmittelbarer Nähe zum Gasthof Schöffmann. Restaurantbetrieb und Kino gingen in Kärnten an vielen Orten eine Verbindung ein.
Die Welt der Stars
Kino hatte auch immer mit Stars zu tun, ob es ein Buster Keaton aus der Zeit des Stummfilmes war oder Stars von heute wie Timothée Chalamet oder eine Frances McDormand. Im Museum ist ein Starschnitt von Roy Black aus der Bravo ausgestellt, den man auch selbst zusammensetzen kann. Solche Starschnitte musste man über mehrere Wochen sammeln, um dann am Ende einen lebensgroßen Aufsteller seines Stars zu haben. „Am Kino können wir auch zeigen, wie die Welt hergestellt wird, wie der Alltag hergestellt wird“, erklärt Schönberger. Im Film zeigen sich Veränderungen in der Gesellschaft. Man denke nur an die Geschlechterverhältnisse oder die Veränderung dessen, was wir als lustig empfinden. Anzügliche und sexistische Witze, wie sie in den 1980er-Jahren in Hollywood-Filmen noch üblich waren, sind heute undenkbar. Aber nicht nur die inhaltliche Ebene hat sich beim Kino verändert, auch die Produktionsebene. Die Ausstellung im Kinomuseum ist übrigens auf Deutsch, Slowenisch und Englisch gestaltet und ist noch bis Oktober zu sehen.