Pro: Passen wir die Ferienordnung an!

Ja! Es gibt ja eine recht lange Liste an Unterrichtsministerinnen und -ministern, die die größte Bildungsreform seit Maria Theresia versprochen haben. Gehalten hat das Versprechen noch niemand und ohne ein Pessimist zu sein: Die Chancen der aktuellen Regierung, dieses Ziel in einer Form zu erreichen, die dem Ausspruch genügt, schmelzen dahin.

Daher: Pflücken wir bitte die ganz niedrig hängenden Früchte. Die werden ob des Klimawandels ohnehin immer früher reif. Und dazu gehört eine Anpassung der Ferienordnung, die es Kindern und Lehrpersonal erträglich macht, mit bis zu 30 Mitmenschen in einem Raum zu sein.

Nur weil in irgendwelchen Kinderliedern der Juli und der August als die Sommermonate besungen werden, muss man nicht in dieser Zeit frei haben. Seit den 1950er-Jahren verschieben sich die Hitzewellen in den Juni. Die wissenschaftlichen Daten liegen also vor. Und die Empirie findet in den Schulen statt, wo ganze Südtrakte von Gebäuden gesperrt sind, weil hinter den Glasfassaden Unterricht nicht möglich ist, wo jeder zweite Teenager einen kleinen Ventilator in Händen hält, oder wo Volksschulkinder einfach einschlafen, weil sie die Hitze erdrückt.

So nebenbei: Es gibt auch Länder, die ihre Ferienlogik neu zu denken begonnen haben. In Dänemark begannen die Ferien am Montag, in Ungarn schon am 20. Juni.

Tourismus und Kirche

Würde man das Wohlergehen der Kinder, pädagogische Aspekte und die Expertenmeinung von Meteorologinnen und Medizinerinnen als Entscheidungsbasis nehmen, wäre die Entscheidung ohnehin schon zu Gunsten einer Verschiebung gefallen.

Das Problem heißt halt Österreich mit seiner inneren Verfasstheit. Denn so ehrlich muss man sein: Die Ferien- und Feiertagsordnung in diesem Staat wird in erster Linie von der Tourismuswirtschaft und den Kirchen bestimmt.

Ökonomischer Leistungsdruck, zunehmende Säkularisierung – all das wird man in die Debatte einpreisen müssen, und dann das Thema auf gleich mehreren Kalenderblättern umschreiben. Denn so ehrlich muss man auch sein: Den Ferienbeginn in die zweite Junihälfte zu legen, davor aber gefühlt einen Monat lang nur kurze (Schul-)Wochen zu haben, das wird sich in dieser Kombination nicht mehr ausgehen. Weder pädagogisch, noch wirtschaftlich und auch nicht organisatorisch für jene Eltern, die sich zwischen Betreuungs- und Schließzeiten organisieren müssen.

Und so ehrlich muss man auch sein: Die Ferienordnung zu ändern ist billiger und geht schneller als der Einbau von Klimaanlagen. Die muss ohnehin noch folgen. Thomas Cik

Contra: Ferien verschieben - Nein!

Soll man die Ferien verschieben? NEIN. Da schmerzt zwar mein Mutterherz, weil ich zwei jammernde Kinder habe, die sich genau über diese Hitze täglich neu auslassen, aber eine Vorverlegung der Sommerferien wäre ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Hallo, Sommerloch?!

Unsere Schulen müssen sich den klimatischen Umständen anpassen, aber das bedeutet nicht, dass man völlig wahllos eine Polit-Luftblase in die Welt pustet. Was, wenn es auch im September heiß wird? Was, wenn es plötzlich Hitze auch im Mai gibt? Es ist politisch verantwortungslos, eine Debatte vom Zaun zu brechen, die sich schwer nach Sommerloch anfühlt.

Denn diese Debatte geht schnurstracks am Problem vorbei. Nämlich der Frage, wie man unseren Kindern einen „Arbeitsplatz“ ermöglichen kann, der sie nicht vor lauter Hitze kollabieren lässt. Denn genau das passiert, wenn zwanzig oder mehr Kinder in einem Raum eingesperrt sind, der vor sich hinkocht und dann soll man vielleicht noch Mathe oder Deutsch lernen und natürlich den Lernstoff auch behalten.

Schule ist auch ein Arbeitsplatz

Niemand von denen, die jetzt so groß schreien: „Arme Kinder!“, hat an seinem Arbeitsplatz 35 Grad Celsius. Und selbst wenn, würde deshalb niemand sagen, man müsse Arbeitszeiten ändern, sondern man würde die Bedingungen verbessern.

Jeder Arbeitgeber ist in Österreich verpflichtet, seinen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein Raumklima zu ermöglichen, das maximal 25 Grad heiß ist. Wird es heißer, muss der Arbeitgeber für Lösungen sorgen. Das kann viel bedeuten, auch Klimaanlagen.

Für Kinder ist die Schule ihr Arbeitsplatz. Und für Pädagoginnen und Pädagogen natürlich auch. Viele unserer Schulen wurden gebaut, als man Glasfassaden ganz toll fand. Das mag architektonisch damals eine feine Idee gewesen sein, heute sind diese Gebäude aber echte Heizkessel. Es gibt aber fast nie Außenjalousien, geschweige denn Hitzefolien und natürlich auch keine Klimaanlagen. Plus: Die Innenhöfe sind großteils Perlen der Versiegelung, es gibt kaum Grün und damit auch keine natürliche Beschattung.

Statt also vollmundig so zu tun, als würde einem das Wohl der Kinder am Herzen liegen, könnten die Bundes- und Landes-Politikerinnen und Politiker einfach das Naheliegende machen. Und Schulen aufrüsten.

Oder sich selbst für ein paar Wochen in so einen Raum/Sauna setzen und schauen, was passiert. Eventuell würden die Ideen mit dem persönlichen Leidensdruck einen Tick realistischer. Barbara Haas