19 Uhr im Marktgemeindeamt von Ehrenhausen an der Weinstraße: Draußen hat es noch 30 Grad, drinnen treibt die geplante Fusion der Volksschulen Ehrenhausen und Retznei den Anwesenden neuerlich Schweißperlen auf die Stirn. Rund 25 Eltern und Interessierte füllen den Sitzungssaal. Seit über die Zukunft der Volksschule Retznei gestritten wird, sind die Zuschauerplätze voll. Schnell ist klar: Auch das wird kein gewöhnlicher Abend.
Zunächst werden Waltraud Kerschbaumer für die SPÖ und Robert Rumpf für die FPÖ angelobt. Sie folgen auf jene Mandatare, die wegen der aufgeheizten Schuldiskussion zurückgetreten waren. Damit ist der Gemeinderat wieder beschlussfähig.
Opposition will Fusionsbeschluss kippen
Dann geht es in die nächste Runde im Streit um die geplante Schulfusion. Bürgerliste, SPÖ und FPÖ bringen einen Dringlichkeitsantrag ein: Der aus ihrer Sicht rechtswidrige Fusionsbeschluss vom 18. Mai soll aufgehoben und neuerlich abgestimmt werden.
Bürgerlisten-Mandatar Erik Holler rechnet mit dem bisherigen Vorgehen ab. Er spricht von einem „persönlichen Feldzug des Volksbürgermeisters Hannes Zweytick gegen die Schule Retznei“. Die ÖVP-Gemeinderäte seien lediglich Marionetten, die ihre Hand heben, wogegen sich wiederum ÖVP-Mandatarin Raffaela Trunk strikt verwehrt.
Bürgermeister Hannes Zweytick verweist neuerlich auf die angespannte Finanzlage. Laut Rechnungsabschluss kostete der Retzneier Schulbetrieb 2025 rund 112.000 Euro, für heuer rechnet er mit etwa 90.000 Euro. Den ungedeckten Abgang der Gemeinde beziffert er mit 660.000 Euro. „Ich muss auf das Gemeinwohl schauen. Ich kann das nicht mehr verantworten“, sagt Zweytick.
Die Opposition hält dagegen: Entscheidend sei das Wie. Die Eltern hätten grundsätzlich nichts dagegen, dass ihre Kinder künftig in Ehrenhausen zur Schule gehen, „wenn man das vernünftig geplant und entsprechend kommuniziert hätte“. Einfach zu sagen, „mit September ist Schluss“, sei keine Lösung.
ÖVP verlässt den Saal
Zweytick betont, die Gemeinde könne eine Schule nicht im Alleingang schließen. Bildungsdirektion und Land seien jetzt am Zug und müssten prüfen, ob die Fusion am Standort Ehrenhausen räumlich, pädagogisch und sicherheitstechnisch möglich ist. Nach einem Lokalaugenschein am 10. Juni erhielt die Gemeinde Vorgaben – von der Behebung sicherheitstechnischer Mängel bis zum Nachweis eines rechtmäßig zusammengesetzten Schulausschusses. Einen solchen gibt es bislang nicht; er hätte in der Sitzung beschlossen werden sollen.
Dazu kommt es nicht: Vor der geheimen Abstimmung verlässt die ÖVP geschlossen den Saal. Der Gemeinderat ist nicht mehr beschlussfähig, der Dringlichkeitsantrag kann nicht behandelt werden. Der Beschluss über die Schulfusion bleibt vorerst aufrecht.
Bildungsdirektion entscheidet am Donnerstag
Die Eltern sprechen von „politischer Feigheit“ und fordern einen verlässlichen Fahrplan. Eva Schantl, Mutter zweier Kinder an der Volksschule Retznei, sagt: „Es muss endlich Ruhe einkehren.“ Nun sind Land und Bildungsdirektion am Zug. Am Donnerstag prüfen sie, ob die Voraussetzungen für die Schulfusion erfüllt sind – und ob sie im Herbst umgesetzt werden kann.