Der tödliche Zusammenstoß zwischen einem Linienkatamaran und einer Segelyacht in der Meerenge Splitska Vrata nahe Split beschäftigt weiterhin die kroatischen Behörden. Bei dem Unglück kamen vier tschechische Segler ums Leben. Laut kroatischen Medienberichten steht der 33-jährige Erste Offizier des Katamarans im Fokus der Ermittlungen.

Der kroatische Nautik-Experte und Blogger Kristijan Antic bezeichnet das Vorgehen der Behörden auf seiner Website als ungewöhnlich rasch. Demnach sei der Erste Offizier bereits wenige Tage nach dem Unglück festgenommen und in Untersuchungshaft überstellt worden. Antic verweist darauf, dass Ermittlungen nach schweren Schiffsunfällen oft deutlich länger dauern würden und endgültige Untersuchungsberichte mitunter erst nach Monaten oder Jahren vorlägen.

Verdacht auf fehlende Ausweichmanöver

Laut dem Blogger könnte die stark befahrene Meerenge Splitska Vrata für die Ermittlungen von Bedeutung sein. Vor allem während der Sommersaison sind dort zahlreiche Freizeitboote und größere Passagierschiffe unterwegs. Antic schreibt, dass sich Linienkatamarane häufig ihren Weg durch den dichten Schiffsverkehr bahnen müssen.

Unter Berufung auf Aussagen kroatischer Behördenvertreter berichtet der Blogger, dass der Verdacht bestehe, auf der Brücke des Katamarans möglicherweise nicht ausreichend auf eine drohende Kollision reagiert worden zu sein. Ob tatsächlich Fehler gemacht wurden und welche Umstände letztlich zum Unglück führten, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Schwere Vorwürfe im Raum

Wie Antic unter Hinweis auf Berichte des Fachportals Morski.hr schreibt, könnten dem Ersten Offizier im Falle einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen drohen. Die Staatsanwaltschaft geht demnach der Frage nach, ob Vorschriften zur sicheren Navigation missachtet wurden.

Dabei verweist er auf die juristische Unterscheidung zwischen einem möglichen Regelverstoß bei der Schiffsführung und den tödlichen Folgen des Unfalls. Welche strafrechtliche Verantwortung dem Offizier tatsächlich zugerechnet werden kann, muss jedoch erst gerichtlich geklärt werden.

Ermittlungen laufen weiter

Antic wertet die Untersuchungshaft als Signal, dass die Behörden dem Fall große Bedeutung beimessen. Gleichzeitig betont er, dass zahlreiche Fragen zum genauen Unfallhergang weiterhin offen seien.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens dürfte das Unglück die Diskussion über Sicherheit und Verantwortlichkeiten im stark frequentierten Schiffsverkehr der Adria weiter anheizen. In welchem Ausmaß dem Ersten Offizier strafrechtliche Verantwortung zukommt, werden die laufenden Ermittlungen und ein mögliches Gerichtsverfahren zeigen.