33 Tore in einer Saison bei BW Linz, der Sprung ins Ausland und eine schwere Verletzung nach einem Horrorfoul, die beinahe alles verändert hätte: Fabian Schuberts Karriere ist geprägt von Extremen. Der Kärntner Stürmer hat in seiner Laufbahn erlebt, wie schnell der Fußball einen nach oben tragen – und wie brutal er einen wieder zu Boden werfen kann. Gerade deshalb ist seine Geschichte mehr als die eines Torjägers. Stichwort Goalgetter: Der 31-Jährige war es letzte Saison, der Voitsberg mit sage und schreibe 43 Treffern in die 2. Liga katapultierte – und das obendrein mit Punkterekord.
Doch alles auf Anfang. Nach seiner Traumsaison in Linz schlug er in St. Gallen seine Zelte auf. Die Schweiz stand auch dadurch hoch im Kurs, „da meine Frau Anja nicht Daumen drehen wollte“. Das richtige Heimatgefühl verspürte das reiselustige Paar zuvor nur in Kärnten, „doch die Schweiz hat uns schnell dieses Gefühl vermittelt. Es war nicht nur fußballerisch stimmig, sondern auch privat.“ Anfängliche Anpassungsprobleme aufgrund des Spielsystems gehörten schnell der Vergangenheit an. Wenige Worte von Sportdirektor Alain Sutter reichten aus, um zu alter Stärke zurückzufinden. „Er meinte, geh‘ heim, bekomm‘ den Kopf frei und dann komm‘ zurück und greif‘ an“, erzählt der Familienvater, der sich schließlich einen Stammplatz erkämpft hat.
„... hätte im schlechtesten Fall mein Bein verlieren können“
Wie grausam der Fußball sein kann, bekam er 2022 zu spüren. Der Völkermarkter wurde in einer Partie mit schonungsloser Härte attackiert. Er zog sich bei einem Brutalofoul einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. 22 Tage verbrachte der Offensivakteur im Krankenhaus – sechs Operationen und Hauttransplantation inklusive. Auf dem vermeintlichen Höhepunkt seiner Karriere wurde er plötzlich ein Patient auf dem Weg zurück. Es war der Beginn einer langen Reise, die mehr über seinen Charakter verrät als jedes Tor. „Es war der maximal ungünstigste Zeitpunkt einer Verletzung. Wenn es wirklich blöd gelaufen wäre, hätte ich im schlechtesten Fall mein Bein verlieren können. Die Schwellung war extrem. Die ganze Oberschenkelrückseite war violett, das Bein dreimal so dick wie das linke. Das war schon krass. Und die Ärzte haben auch offen kommuniziert, dass nicht klar war, ob man nach so einer Verletzung weiterspielen kann.“
Auf seine Hauttransplantation angesprochen, erzählt er, „dass ich mir kein St.-Gallen-Tattoo stechen muss, sondern eine andere, lebenslange Erinnerung habe. Ich wurde gefragt, ob ich mir eine große Kakaobohne tätowieren ließ oder eine Fischhaut habe. Die komplette Faszie und Hautschichten sind völlig weg. An dieser Stelle habe ich kein Empfinden“, offenbart Schubert, der in dieser schweren Zeit vollste Unterstützung erhielt. „Der Verein gab mir viel Sicherheit und das ist im Fußball nicht üblich. Ich habe auch mehr schätzen gelernt, gesund zu sein, denn wenn du wieder gehen lernen musst, verändert das deinen Blick auf vieles.“
„Er war schon sehr hibbelig“
An seiner Seite ist Anja, die er während der Schulzeit 2011 kennenlernte, nachdem er in der HAK eine Ehrenrunde gedreht hat. „Ich war froh, dass wir in der Parallelklasse waren, sonst wäre sie abgeschreckt gewesen.“ Die Kärntnerin ist inzwischen Erzieherin und arbeitete Vollzeit in der Schweiz – ihre beste Freundin war zugleich ihre Chefin. „Sie hat es so geregelt, dass ich jeden Tag im Krankenhaus vorbeischauen konnte. Der Support war großartig, zudem war ich nie alleine.“ Auf die Frage, wie sich ein Kicker verhält, wenn er zu einer Zwangspause verdonnert wird, sagt die Kärntnerin: „Er war schon sehr hibbelig, aber das habe ich auch verstanden.“ Diesbezüglich meint er im selben Atemzug: „Ich weiß nicht, wo ich ohne meine Frau wäre. Sie hat viel mit mir durchgemacht und den unterstützenden Part angenommen.“
Gedanken an ein Karriereende hat er nie verschwendet, nur eine Tatsache hätte seine Meinung revidiert: „Hätte ich Schmerzen gehabt, wär‘s das gewesen“, sagt der 1,94-Meter-Hüne, dessen Stärke sein Torabschluss ist. „Ich bin nicht der kopfballstarke Spieler, sondern sprinte eher von der Mittellinie weg“, erklärt der passionierte Motorradfahrer, der nie lange um den heißen Brei redet, sondern „immer geradeheraus“. Seine Launen lässt er nur am Spielfeld raus oder wie es Anja formuliert: „Die Schiedsrichter bekommen da viel ab. Oft bin ich wirklich erstaunt, da ich Fabi so gar nicht kenne. Manchmal tun sie mir leid“, verdeutlicht die 30-Jährige und betont, „dass er ein toller, liebevoller Papa ist. Er verbringt sehr viel Zeit mit uns. Er ist bodenständig geblieben.“ Keine Macken? „Doch, man muss mir in den Hintern treten, wenn ich etwas im Haushalt machen soll“, gibt er zu. Sie sagt kurzerhand: „Typisch Mann.“
„Für Aufstiegsparolen ist es zu früh“
Aktuell verbringt Familie Schubert ihren Urlaub in Kroatien. Sohn Matteo, bekennender Baggerfan und das große gemeinsame Glück, „weiß schon ganz genau, was er will“.
Ende Juli beginnt mit dem ÖFB-Cup wieder der Ernst des Fußballalltags, ehe Voitsberg in die 2. Liga startet. Vorab steht ein größerer Umbruch bevor. „Wenn der Zusammenhalt weiter so besteht, kann für uns viel möglich sein. Aber für Aufstiegsparolen ist es zu früh.“