„Die Idylle im Europaschutzgebiet Tiebelmündung wird aktuell getrübt durch die Anwesenheit eines aggressiven Storches, der auf Autodächer fliegt und mit Vehemenz und Ausdauer mit seinem spitzen Schnabel zum Leidwesen der PKW-Fahrer in die Dächer der dort geparkten Fahrzeuge hakt", schreibt Gerhard Löffler aus Ossiach, ein Leser der Kleinen Zeitung. Nicht nur er möchte wissen, warum der Vogel so ein Verhalten an den Tag legt. Vogelexperte und Birdlife-Geschäftsführer in Kärnten, Andreas Kleewein, klärt auf: „Das ist ein Verhalten, das bei Weißkopfstörchen gelegentlich beobachtet wird. Diese sehen einen Storch im Spiegelbild des Autodachs und erkennen nicht sich selbst, sondern denken, dass sie es mit einem Rivalen zu tun haben. Der Storch verteidigt sein Revier", sagt Kleewein. Nur sehr intelligente Tiere mit einem Ich-Bewusstsein erkennen sich selbst in einem Spiegelbild, beispielsweise der Schimpanse, der Delphin oder auch der Rabe.

Auch schon im Vorjahr gab es Schadensmeldungen im Bereich des Bleistätter Moores. Speziell betroffen sind derzeit die Schotterparkplätze rechts und links der Verbindungsstraße zwischen Ossiach und Steindorf. „Das ist nicht ohne, denn das bedeutet, dass der Storch verinnerlicht hat, dass Autos Rivalen sind. Da der Storch derzeit Junge hat, wird er diese bis Mitte Juli besonders verteidigen", sagt Kleewein.

Mit dem spitzen Schnabel kann der Storch großen Schaden am Lack des Autos anrichten
Mit dem spitzen Schnabel kann der Storch großen Schaden am Lack des Autos anrichten © Leserreporter

Autos abdecken

Was kann man also tun? Nicht viel, denn der Weißkopfstorch zählt zum Anhang 1 der Kärntner Tierartenschutzverordnung, in der vollkommen geschützte Tiere gelistet sind. Zusätzlich lebt der geschützte Storch in einem Natura 2000/Europaschutzgebiet, also einem speziell vorgesehenen Rückzugsort für seltene Vögel- und Pflanzenarten. Der Bezirkshauptmannschaft Feldkirchen sind insbesondere aus dem letzten Jahr Fälle bekannt, bei denen Störche Autos beschädigt haben. „Störche sind gesetzlich besonders geschützt. Deshalb dürfen sie nicht gejagt, gestört, gefangen, transportiert, gehalten oder getötet werden. Ausnahmen sind nur möglich, wenn sie im öffentlichen Interesse liegen", sagt Bezirkshauptmann Bernhard Turni. Bisher wurde kein Antrag für eine solche Ausnahme gestellt. „Sollte ein Antrag eingehen, müsste dieser hinsichtlich Eignung im Einzelfall geprüft werden. Denkbar sind beispielsweise verschiedene Arten der Vergrämung unter fachlicher Begleitung", heißt es weiter.

Birdlife-Geschäftsführer Andreas Kleewein und auch Werner Petutschnig, zuständig für Naturschutz in der Abteilung 8 des Landes Kärnten, raten dazu, das Auto mit einer Hagelschutzplane oder einer Decke abzudecken. „Wichtig ist, dass alle spiegelnden Flächen abgedeckt sind, nicht nur das Dach", sagt Kleewein. Mitte Juli sollte der Storch mit seinem Verteidigungsverhalten aufhören: „Die Jungen sind dann schon größer. Die Störche verteilen sich weit ins Umfeld auf der Suche nach Nahrung und ab Herbst treten sie die Reise nach Afrika an", sagt Kleewein.

Das Bleistätter Moor ist ein Europaschutzgebiet
Das Bleistätter Moor ist ein Europaschutzgebiet © Schusser