Posse um den erhofften Ausbau der B72 zwischen Anger und Koglhof im oberen Feistritztal. Deshalb luden am Dienstag nun sogar die Weizer Wirtschaftsfunktionäre kurzfristig zu einer Pressekonferenz ein. Dabei hatte es erst vor 14 Tagen einen Pressetermin gegeben. „Es ist wirklich ein Lausbubenstreich“, ärgert sich da etwa der Unternehmer Vinzenz Harrer über einige Leute, die sich für den Erhalt der Feistritztalbahn einsetzen.

Was war geschehen? Am 22. Mai hatten Bernhard Stranzl und Manuela Kuterer, Obleute der Wirtschaftskammer Weiz, beim Gewerbe- und Industriezentrum (GIZ) in Rosegg bei Birkfeld ein großes Plakat enthüllt. Darauf zu lesen: „Engstelle Rosegg B72. Ausbau jetzt!“ Sie forderten damals, dass die Straße in diesem rund einen Kilometer langen Abschnitt endlich ausgebaut werde. Im April wurden dort die Erkundungsarbeiten abgeschlossen. Ein Problem: Das Tal ist dort recht eng, die schmale Straße kreuzt zweimal die denkmalgeschützte Trasse der Feistritztalbahn.

Sie präsentierten am 22. Mai das Transparent auf der Hütte der Feistritztalbahn bei Rosegg: Andreas Schlemmer (WKO-Regionalstellenleiter), Bernhard Stranzl (WKO-Obmann), Manuela Kuterer (Regionalstellenobmann-Stellvertreterin) und Philipp Harrer von der „ecowall GmbH“ in Rosegg. Sowohl Transparent als auch die Halterung dafür wurden mittlerweile entfernt
Sie präsentierten am 22. Mai das Transparent auf der Hütte der Feistritztalbahn bei Rosegg: Andreas Schlemmer (WKO-Regionalstellenleiter), Bernhard Stranzl (WKO-Obmann), Manuela Kuterer (Regionalstellenobmann-Stellvertreterin) und Philipp Harrer von der „ecowall GmbH“ in Rosegg. Sowohl Transparent als auch die Halterung dafür wurden mittlerweile entfernt © WKO

Das Plakat wurde über ein Hinweisschild des GIZ Rosegg gespannt. Dieses Schild war auf einer Hütte, die der Feistritztalbahn gehört, befestigt. „Und diese Hinweistafel steht dort seit mehr als 30 Jahren“, sagt, Vinzenz Harrer, Besitzer des GIZ Rosegg. Aber: Kurz nachdem das Plakat aufgehängt wurde, wurde dies bei der Bezirkshauptmannschaft Weiz angezeigt. Außerhalb des Ortsgebietes darf nämlich so knapp neben einer Straße nicht geworben werden. „Es gab eine Anzeige von zwei Leuten der Bahn. Wir mussten das Plakat wieder abnehmen“, schildert Andreas Schlemmer, Leiter der WKO-Außenstelle in Weiz.

Und mehr noch: Kurz danach wurde auch die Hinweistafel auf der Holzhütte, über die das neue Plakat gespannt worden war, abmontiert. „Diese Hinweistafel gab es dort aber seit mehr als 30 Jahren“, ärgert sich Vinzenz Harrer. „Etwas Dümmeres ist mir in den letzten 20 Jahren nicht untergekommen. 20.000 Leute sind täglich auf diese Straße angewiesen. Da ist kein Platz für Aktionismus.“ Eine Anzeige, etwa wegen wirtschaftlicher Schädigung des Industriezentrums, werde es aber nicht geben. Harrer betont: Die B72 müsse dort ausgebaut werden, es gebe auch bereits die entsprechenden Pläne.

Baustart nicht vor 2029

Wie geht es weiter: Nach dem Abschluss der Erkundungsbohrungen im April sollen bis zum Sommer Kosten-Nutzen-Analyse und Trassenempfehlung vorliegen. Drei Varianten werden betrachtet – in jeder soll es sowohl Platz für die dann breitere Straße als auch die denkmalgeschützte Trasse der Feistritztalbahn geben. Ende Juli, so heißt es im Büro der Verkehrslandesrätin Claudia Holzer, könnte es Ergebnisse geben.

Danach rechnet Vinzenz Harrer mit zwei Jahren Planungszeit, dann folgen die Ausschreibungen. „Im besten Fall haben wir einen Baubeginn im Jahr 2029.“