Wenn es um Italien geht, wird der Hotelier auch schon einmal zur Fahrplanauskunft: „Um 11.22 Uhr geht es ab Graz direkt nach Venedig, um 16.09 Uhr kann man dort aussteigen. Oder einmal umsteigen, dann ist man um 20.25 Uhr zum Abendessen in Rom“, sagt Florian Weitzer. Tatsächlich ist er in den letzten Monaten mehrfach nach Rom gereist – um ein kleines Stück der „ewigen Stadt“ nach Graz zu importieren. „Grazie Roma“ heißt die neue Pizzeria im Frühstücksraum des Hotel Daniel am Hauptbahnhof.

„Rom mag keine Ränder“

Noch eine Pizzeria in Graz, wo es am Bahnhof alleine doch schon zwei gibt und dazu in den letzten Jahren ein regelrechter Hype um neapolitanische Pizzen ausgebrochen ist? „Ja, aber eine römische Pizzeria“, betonen Florian und Astrid Weitzer. Es gehe um „echte Pizza Romana, puristische Pasta, starke Produkte und große Wirkung – nicht laut, nicht überladen, sondern voller Seele“, sagt Florian Weitzer. Und auch darum, italienisches Lebensgefühl à la Rom zu transportieren – „knusprige Pizza, ein Espresso an der Bar, der Duft von frischem Teig, eine grüne Oase auf der Terrasse ...“, schwärmt Astrid Weitzer. Tatsächlich hat man die Terrasse mit knallgelben Sesseln und Tischen möbliert, eine rot-weiß-gestreifte Markise sorgt gleich für Urlaubsstimmung, trotz der nahen Bahnhofskreuzung ist es grüner, als man denken würde – und den Verkehrslärm übertönt man mit ein bisschen Italopop.

Auch die Pizza ist römisch, heißt dünn, knusprig gebacken und ohne Rand. „Rom mag keine Ränder“, steht auch auf der Speisekarte vermerkt. „Sie ist leichter und bekömmlicher als die neapolitanische“, erklärt Maria Fuchs, die in Wien die Pizzerien Mari‘ und Disco Volante sowie das Cin Cin Buffet betreibt und die Weitzers bei dem Projekt beraten hat. Und deren Familie übrigens die Vorbetreiberin des Grazer Hotel Daniel war.

Römisches Streetfood

Preislich wähnt man sich aber ebenfalls fast in Italien: An der Bar gibt‘s den ganzen Tag über Caffè um 1,50 Euro, ein Achterl Hauswein ist schon ab 2,90 Euro zu haben, die Pizze starten bei 9,50 Euro („Railjet“ mit Provola-Käse, Mortadella, Rosmarin und extra Olivenöl) und kosten höchstens 16,50 („Stracciatella e alici“ mit Fior di Latte, Sardellen, Zitronenzeste, Stracciatella di Bufala und Basilikum), Spritzer (Sarti, Campari, Veneziano) kosten 7,50 Euro.

Rund um die Pizza als Herzstück des kulinarischen Angebots hat man einiges auf der Karte, für das man sonst tatsächlich in den Zug nach Rom steigen müsste: Beispielsweise den römischen Streetfood-Klassiker „Supplì al Telefono“ (3 Euro) – frittierte Reisbällchen, gefüllt mit Tomatenrisotto und Mozzarella. Der Name „al telefono“ („am Telefon“) kommt daher, dass der geschmolzene, ziehende Mozzarella beim Aufbrechen an ein Telefonkabel aus alten Zeiten erinnert. An der Bar locken außerdem Maritozzi, traditionelle römische Krapferln, gefüllt mit Schlagobers (5,80 Euro).

Nur kein Schlagobers in der Carbonara

Apropos Schlagobers: Das kommt bei der Carbonara (Rigatoni alla Carbonara, 14 Euro) nicht in die Pfanne. „F*ck Schlagobers“ ist sogar auf den T-Shirts des Personals zu sehen. Wer die Betriebe der Weitzer-Hotels kennt, der weiß, dass Design eine wichtige Rolle spielt – so hat man das Midcentury-Design des Hotel Daniel mit italienischem Design kombiniert, ein Terrazzoboden soll an Palladio erinnern, eine Jukebox ist mit italienischen Vinylklassikern bestückt. Dazu kommen originale Space-Age-Kugelleuchten, Holzvertäfelungen und eine Bar wie in den 1950er-Jahren. Alle Details mussten mit dem Denkmalamt genau abgestimmt werden, steht doch das Hotel unter Denkmalschutz.

Während sich im Erdgeschoss des Hotel Daniel also einiges getan hat, heißt es am Dach noch länger warten: Nach dem Brand des exklusiven „LoftCube“ ist man nach wie vor in Abstimmung mit der Stadt – weil das abgebrannte Hotelzimmer, das ja auf das Dach aufgesetzt wurde, zur Gänze abgetragen wurde, muss man wieder von vorne ansuchen.