Kurt Regner wird emotional, wenn es um die finsteren Gesellen in seiner Branche geht. Um jene Aufsperrdienste, die ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen: „Sie verlangen für Türöffnungen ein Vielfaches des normalen Preises, und manchmal agieren sie sogar unter meinem Namen“, ärgert sich Regner über die „Mafia“, wie er es ausdrückt. Solche Dienste werden von Kunden oft gerufen, weil sie online leicht zu finden sind.

Seit 45 Jahren selbstständig

Regner selbst darf sich in seiner Branche getrost als obersteirisches Original bezeichnen. Er betreibt seit 45 Jahren einen „Schloss- und Schlüsselcenter“ in Judenburg. Zuvor erlernte der gebürtige Kärntner den Beruf des Schlossers in Klagenfurt, arbeitete später bei der Voest in Zeltweg und machte sich in den 1980er-Jahren selbstständig.

Nie von der Pension geträumt

Jetzt ist Kurt Regner 80 Jahre alt und hat noch lange nicht vor aufzuhören: „Von der Pension habe ich mein ganzes Leben nie geträumt.“ Sein Leben, das sei seine Arbeit, selbst in schwierigen Zeiten: „2017 hat mich eine schwere Erkrankung erwischt, ich konnte damals kaum eine Gehsteigkante überwinden.“ Aber er sei hart zu sich selbst gewesen: „Ich habe so gut es ging weitergearbeitet, wahrscheinlich lebe ich deshalb noch immer“, so der Fohnsdorfer.

Gefährlicher Einsatz

Stundenlang kann er Geschichten erzählen, was ihm so widerfahren ist. Ein Einsatz vor gut 20 Jahren in Leoben etwa, bei dem die Polizei ihn bittet, eine Wohnung eines Schlangenbesitzers zu öffnen. Der Mann kommt mit Giftschlangen heraus: „In jeder Hand eine Kobra, so ist er auf die Polizisten zugegangen“, erinnert sich Regner. Erst durch Schüsse der Polizei sei der Mann gestoppt worden. Oft habe er Haustüren im Auftrag der Polizei öffnen müssen.

Teure „Mafia“

In den meisten Fällen gehe es aber um Reparaturen von Schlössern oder Türöffnungen für Private oder Genossenschaften. Verlorene Schlüssel oder in die Tür gefallene Schlösser sind oft die Ursache, dass er gerufen wird, um Türen zu öffnen. „Das kostet bei mir in der Nacht allerhöchstens 170 Euro, und diese Gauner verlangen bis zu 700 Euro“, kann er sich schon wieder über die „Mafia“ ärgern.

Bis Mitternacht fährt er in seinem hohen Alter noch selbst aus, steht sieben Tage die Woche zur Verfügung. Im kleinen Geschäft in Judenburg stehen seine Frau Irmgard (75) und Enkel Marcel, der eines Tages übernehmen wird.