„Ich will nicht nur über die Trauer reden, sondern nach vorne schauen.“ Dieser Satz ist für Eva-Maria Krische jener Gedanke, der sie seit dem Tod ihrer Tochter Leonie trägt. Und jener Gedanke, mit dem sie nun anderen Menschen helfen will, die dasselbe Unvorstellbare erleben mussten.

Mit dem neu gegründeten, spendenbasierten Verein „Gemeinsam Weiter Gehen“ möchte die Murauerin verwaisten Eltern und Familien einen Ort geben, an dem Trauer Platz haben darf. Ohne Druck und Erwartungen, aber mit Menschen, die verstehen, wie sich dieser Schmerz anfühlt.

Vier Mütter von „Gemeinsam Weiter Gehen“ bei ihrem Treffen im Mai auf der Frauenalpe
Vier Mütter von „Gemeinsam Weiter Gehen“ bei ihrem Treffen im Mai auf der Frauenalpe © Privat

Leonie kam 2008 als Frühchen in Leoben zur Welt. „Sie war unser Sonnenschein“, erzählt ihre Mutter. Im Februar 2020 erhielt die Familie die niederschmetternde Diagnose: Knochenkrebs. Es folgte ein Jahr zwischen Hoffnung, Therapien und Klinikaufenthalten in Graz, am Ende kam der Rückfall. Auf eigenen Wunsch wechselte Leonie schließlich nach Leoben auf die Palliativstation – an den Ort, wo ihr Leben begonnen hatte. Am 18. Jänner 2022 schlief Leonie im Alter von 14 Jahren ein.

Weitere Retreats im Herbst geplant

Was bleibt, ist nicht nur Schmerz, sondern die Erinnerung an ein außergewöhnlich starkes Mädchen. „Sie hatte für jeden noch ein Statement. Sie hat ihren Opa angerufen, mit allen gesprochen und sogar klare Anweisungen für ihr Begräbnis gegeben“, erzählt ihre Mutter. Viele Dinge, die Leonie damals sagte, würden ihr erst heute richtig bewusst werden. „Ihr letzter Wunsch war, dass ich weiterlebe.“ Genau daraus entstand die Idee für den Verein.

Bereits im Mai organisierte „Gemeinsam Weiter Gehen“ zwei Begegnungswochenenden im von Krische geführten Alpengasthof auf der Frauenalpe in Murau. Mit Gesprächen, gemeinsamen Wanderungen und Zeit in der Natur. „Der Berg hat mir selbst geholfen“, sagt Krische. „Beim Gehen entstehen oft Gespräche, die sonst nie stattfinden würden.“

Die Treffen richten sich an Menschen, die einen ähnlichen Verlust erlebt haben. Manche kommen bewusst zum Austausch, andere einfach nur, um ein paar ruhige Tage verbringen zu können. „Es gibt viele, die keine Betreuung wollen, sondern einfach in der Stille Urlaub machen möchten“, erzählt Krische.

Auch über den Sommer hinweg sollen weitere Begegnungen stattfinden. Im Oktober sind Familientage mit Kinderprogramm geplant, unterstützt von einem Animationsteam. Im November folgen Retreat-Wochenenden speziell für verwaiste Frauen. Dabei gehe es nicht darum, immer nur über Trauer zu sprechen, sondern auch darum, wieder nach vorne zu schauen .„Weitergehen heißt nicht vergessen“, sagt Krische. „Es heißt, einen Weg zu finden – mit dem, was bleibt.“