Melanie Affenberger führt ihre Hündin Jana an der kurzen Leine über die Gmoa-Alm bei Frohnleiten. Der Rinder-Flüsterer der Landwirtschaftskammer Rudi Grabner gibt ihr mit einem Stock Geleitschutz. Denn schon nach wenigen Metern haben die Kühe den Hund bemerkt und marschieren direkt auf ihn los. „Sie sind nicht aggressiv, sie sind nur neugierig“, beruhigt der Kuh-Experte die versammelte Medienschar, der auf über 1000 Metern Seehöhe vor Augen geführt wird, wie man sich bei Begegnungen mit Weidevieh – mit oder ohne Hund verhalten sollte. Melanie lässt Jana von der Leine, der Hund läuft weg. „Bleibt man mit dem Hund an der Leine stehen, umkreisen die Rinder einen sofort und gehen nicht mehr weg“, erläutert Grabner. Das kann Nerven kosten und dann kann sich die Lage rasch zuspitzen.
Nachdem eine Kuhherde in Osttirol Mitte Mai mehrere Menschen attackiert hat, eine Frau (67) an Ort und Stelle ihren Verletzungen erlegen ist und ihr Mann (65) in der Intensivstation behandelt werden musste, appellieren auch die steirischen Almbauern einmal mehr an Wandersleute und Hundehalter, sich dem Weidetier mit dem nötigen, im Ernstfall lebensrettenden Respekt zu nähern.
Hundeverbot auf Almen ist nicht vom Tisch
Das Paar in Osttirol hatte keinen Hund dabei, aber es war eine Frau mit Hund in der Nähe. Bei der tödlichen Kuhattacke in der Ramsau vorigen Herbst hatte das Wiener Ehepaar einen Vierbeiner dabei. Damals hat Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger sogar ein Hundeverbot auf Almen gefordert: „Da es in letzter Zeit bei uns in der Steiermark zu keinen Zwischenfällen mehr gekommen ist, wollen wir nun noch einmal offensiv informieren.“ Sollte es aber wieder zu solch tragischen Vorfällen kommen, müsse man über das Hundeverbot sehr wohl nachdenken.
Die Alm ist kein Streichelzoo
3500 Almbäuerinnen und Bauern treiben rund 50.000 Weidetiere – vom Fleckvieh bis zum Pferd – im Sommer auf die 1610 steirischen Almen. Angesichts der Massen an Touristen und Erholungssuchenden in diesen Kulturlandschaften seien Konflikte nicht ganz zu verhindern, weiß Steinegger. Genau deshalb müsse man die Regeln für die Alm auch unter die Leute bringen. Der Obmann der steirischen Almwirtschaft Anton Hafellner weiß auch von Problemen abseits der Hundeleine zu berichten: „Da rasen Mountainbiker die Alm runter mitten durch die Herde.“ Da könnten sich auch aufgeschreckte Rinder verletzen. Auch Mama und Papa, die mit dem Handy filmen und ihre Kleinen auf liegende Kühe setzen, zählen zu den Problemfällen, die Almbauern beobachtet haben. Das Fazit: „Die Alm ist kein Streichelzoo.“
Für alle, die Kuhherden begegnen, gibt es einen Rinder-Knigge (siehe Infobox). Für Hundehalter gilt aber ganz prinzipiell verschärfte Obacht. Man sollte um die Weidetiere jedenfalls einen großen Bogen machen, denn Hunde sorgen immer für Unruhe. Ganz generell sollte man sich aber auch ohne Hund nicht durch eine Herde am Weg liegender Kühe durchschlängeln. Gerät man zwischen Kalb und Mutterkuh, könnte sich diese zur Verteidigung des Nachwuchses gezwungen sehen. Und kommen die 700-Kilo-Wiederkäuer einmal in die Gänge, kann das eben lebensgefährlich werden.
Was den Landwirten auch gegen den Strich geht: Immer noch lassen Skitourengeher und auch Wanderer ihre Abfälle liegen. Zurückgelassene Aludosen, Plastiksackerln und auch Hundekot können für Weidetiere lebensgefährlich werden. „Jedes Jahr sammeln wir auf unseren Almen 1200 Säcke Müll ein“, kritisiert LK-Präsident Steinegger die mangelnde Rücksicht der Erholungssuchenden.