„Kühe sind keine Kuscheltiere.“ Wenn Christian Bachler diesen Satz sagt, klingt das weder belehrend noch zynisch. Er ist jemand, der seit Jahren erlebt, wie schnell auf einer Alm aus Idylle Ernst werden kann. Der Bergbauer vom Bergerhof in der Krakau ist bekannt für seine pointierten Videos und scharfen Kommentare zu Landwirtschaft, Wolfspolitik und Almwirtschaft. Nun reagiert er auf seine eigene Art auf die tödliche Kuh-Attacke in Osttirol und bietet Seminare zu diesem Thema an.
„Per Du mit der Kuh“
„Per Du mit der Kuh“ heißt der Workshop, den Bachler auf seinem Hof anbietet. Dahinter steckt ein ernstes Thema. „Es ist wichtiger denn je, dass wir lernen, wie Tiere ticken“, sagt Bachler. Denn viele Wanderer würden völlig falsche Vorstellungen von Weidevieh haben. „Die Leute machen Selfies mit Kälbern oder legen sich für Fotos auf Kühe.“ Besonders kurios: So mancher habe schon geglaubt, einen Rosenquarz gefunden zu haben, dabei war es in Wahrheit ein Salzleckstein: „Die Tiere laufen dann den Wanderern nach, weil diese den Leckstein entführt haben, nicht weil sie den Edelstein beschützen.“
Am Bergerhof auf 1450 Metern Seehöhe hat Bachler täglich Kontakt mit Wanderern, ein Wanderweg führt direkt durch seinen Hof. Er erlebt immer öfter, dass Menschen die Alm wie einen Freizeitpark behandeln. „Man ist dort Gast. Das ist das Revier der Tiere.“ Gerade Kühe mit Kälbern würden auf Hunde extrem sensibel reagieren. „Zu mehr als 90 Prozent ist bei Zwischenfällen ein Hund im Spiel“, sagt Bachler. Der Mensch werde dann zum Kollateralschaden.
„Tiere sind nach Wolfskontakt wie ausgewechselt“
Besonders heikel sei die Situation seit der Rückkehr der Wölfe. Tiere, die Kontakt mit Raubtieren hatten, seien oft tagelang nervös und unberechenbarer. „Wir erleben das selbst. Nach einem Wolfskontakt sind die Tiere wie ausgewechselt.“ Genau davor habe man seit Jahren gewarnt. Dass nun eine Frau in Osttirol ums Leben kam, habe ihn betroffen gemacht. „Da war jemand zur falschen Zeit am falschen Ort.“
Mit Verboten oder Panikmache könne man das Problem nicht lösen, meint Bachler. Stattdessen setzt er auf Aufklärung. In einem fünfstündigen Kurs lernen Teilnehmer, wie Kühe sehen, wie sie auf Stress reagieren und wie man sich in Weidegebieten richtig verhält. Theorie und Praxis wechseln sich ab, gearbeitet wird mit den Tieren am Hof. „Der Hausverstand allein reicht heute oft nicht mehr, weil viele Menschen den Bezug zu Landwirtschaft verloren haben.“
Dass ausgerechnet Bachler solche Kurse anbietet, überrascht nicht. Der steirische Bergbauer wurde vor Jahren durch seine Videos zum sogenannten „Kuh-Urteil“ bekannt. Auf Facebook folgen ihm mittlerweile mehr als 200.000 Menschen. Seine Videos vom Hofalltag sind humorvoll, oft provokant, aber immer direkt. Genau so spricht er auch über Kühe: nicht romantisch verklärt, sondern respektvoll. „Eine Kuh ist ein Fluchttier. Wenn sie sich bedrängt fühlt, reagiert sie.“ Das müsse man verstehen. Sein Ziel sei deshalb nicht Abschreckung, sondern gegenseitiges Verständnis. „Wir freuen uns über Gäste auf der Alm. Aber Gastfreundschaft funktioniert nur, wenn beide Seiten Regeln einhalten.“