Radfahren bewegt nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Bester Beweis: Die Diskussion am Donnerstagabend im Hartberger Büro der Kleinen Zeitung zur Frage: „Schluss mit großen Radrennen in der Steiermark?“ Auf dem Podium: Josef Lind (Bürgermeister Feistritztal), Christoph Schlagbauer (Organisator des Omnibiotic Apfelland-Triathlons) und Andreas Gratzer (Obmann des Radclubs greenteam sowie Organisator der 24h Ultra Rad Challenge in Kaindorf).
Quasi als „Aufwärmtraining“ stellte Moderator und Redakteur Moritz Weinstock die Frage, inwiefern die Region von Veranstaltungen wie der Ultra Rad Challenge oder dem Omnibiotic Apfelland-Triathlon profitiere. Christoph Schlagbauer, seit 2024 als Rennleiter beim Triathlon aktiv, hob die wirtschaftliche Komponente dieser Sportevents hervor. „Es kommen über mehrere Tage sehr einkommensstarke Menschen in die Region. Sie essen und sie trinken hier.“
Andreas Gratzer, Organisator der Ultra Rad Challenge, die heuer noch im Genehmigungsverfahren steckt und damit auf der Kippe steht, schloss sich an. „Wir machen das seit 19 Jahren und haben rund 1200 Teilnehmer hier, das ist eine wirtschaftliche und touristische Bereicherung für die Region.“ Weiters könne man mit diesen Events die Jungen von der Couch holen und für Sport begeistern. Damit sei „endlich einmal etwas für die Jüngeren los“, meinte Josef Lind.
Rennsport als Segen für Region?
Doch nicht jeder teilt diese Ansichten. Kommentare und Leserbriefe erreichten im Vorfeld der Veranstaltung die Kleine Zeitung und wurden vom Moderator dem durchwegs radaffinen Publikum präsentiert. So drückte ein Anrainer aus Stubenberg in einem Schreiben seinen Unmut darüber aus, dass „die Bedürfnisse der Bevölkerung in den Hintergrund rücken“ und „der Fokus immer stärker auf den Tourismus gelegt wird“. Gestiegene Preise seien die Folge. Als besonders belastend empfand ein anderer Leser die vielen Straßensperren. Eingriffe dieser Art seien „zunehmend schwer nachvollziehbar“.
Von Massentourismus könne man jedoch noch nicht sprechen, meint das Podium einstimmig, da sich die Veranstaltungen auf wenige Tage beschränken würden. Außerdem seien zahlreiche Teilnehmer aus der Region. „Auf der Donauinsel hätten wir keine Probleme mit den Anrainern“, erklärte Schlagbauer überspitzt. So habe es bereits Überlegungen gegeben, den Triathlon nach Wien oder Linz zu verlegen. „Aber Anita Frauwallner (Chefin von Allergosan/Omnibiotic, Anm. d. Red.), die aus Fürstenfeld stammt, liegt es am Herzen, etwas für die Oststeiermark zu tun.“
Problematik Straßensperren
Einer der Hauptdiskussionspunkte am Podium: Straßensperren. Behörden- und Gerichtsentscheide fordern in den letzten Jahre immer häufiger Totalsperren, weil die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung bei Radrennen nicht gewährleistet werden könne, wie es in einem OGH-Urteil aus dem Jahr 2020 heißt. Andreas Gratzer gab jedoch zu bedenken: „Wir hatten ein Einbahnsystem und das hat immer bestens funktioniert“. Passiert sei nie etwas. Bürgermeister Lind ergänzte, dass die Behörden wieder flexibler werden müssten, sonst gäbe es keinen Fortschritt und immer weniger Veranstaltungen.
In der anschließenden Fragerunde meldeten sich unter anderem Oliver Felber (Bürgermeister von Birkfeld), Monika Winter (Vizebürgermeisterin von Großsteinbach), Florian König (Generalsekretär des Österreichischen Radsportverbandes) sowie Barbara Tesar (Triathletin und Moderatorin) zu Wort. Der einhellige Tenor: Man müsse sportliche Großveranstaltungen grundsätzlich als Gewinn für die Region betrachten, dürfe dabei aber nicht auf die Bevölkerung vergessen.