Ganz bestimmt will ich Ihnen nicht in Ihre Pfingsten dreinreden, aber falls Sie die alljährliche Staupartie in Richtung Adria diesmal ausgelassen haben und für heute noch einen Plan brauchen: Gehen Sie in einen Park, das Wetter verlangt nach einem Picknick, und außerdem ist heute europaweiter Tag der Parks.
Warum das nicht ausgiebiger gefeiert wird, kann ich mir nicht erklären, denn nirgends kann man so gut ungestört unter Leuten sein wie in einem Park, und davon abgesehen ist ein Picknick die beste Gelegenheit herauszufinden, wie Ameisen auf Wurstbrot schmecken.
Parkettböden und Parkhäuser gelten nicht
Sollten Sie nicht in einer Stadt, sondern eh schon inmitten einer ausgedehnten Grünlandschaft leben, kann ich das nicht als Entschuldigung gelten lassen, denn städtische Grünoasen sind nicht die einzigen Parks, die heute gefeiert werden: Biosphärenreservate, Nationalparks, Naturlandschaften und andere Schutzgebiete, alles gilt. Nur Parkettböden und Parkhäuser möchte ich ausdrücklich ausnehmen (Ende der Flachwitzphase.)
Parkaufenthalte bzw. Picknicks sind übrigens zutiefst demokratische Unternehmungen: Populär wurden Sie im Zuge der Französischen Revolution, als die royalen Gärten für die Bevölkerung geöffnet wurden. Aus Frankreich stammt auch die berühmteste Darstellung eines Picknicks, Édouard Manets „Frühstück im Grünen“ von 1863, auf dem sich eine splitternackte Frau mit zwei bekleideten Männern Kirschen, Semmeln und Marillen teilt. Das Bild löste einen Mordsskandal aus, was der Nackten, Victorine Meurent, im Leben nicht weiterhalf, obwohl sie selbst ganz ordentlich malen konnte. Sie endete in Armut und musste im Alter zerlumpt und mit einem Affen auf der Schulter auf der Straße betteln gehen. Was lernen wir daraus: Man sollte auch in Zeiten sich zuspitzenden Künstlerprekariats lieber Maler als Muse werden. Abgesehen davon verkühlt man sich nackert im Gras ja nur. Barfuß herumsitzen ist aber okay, auch wenn dieser Brauch dazu beiträgt, dass in Parks oft einzelne Socken herumliegen. Hauptverursacher sind aber vermutlich Menschen, die unter einem perfekten Picknick ein Sechsertragerl Bier verstehen und nach Leerung desselben beim Sockenzählen durcheinanderkommen.
Ich rate jedenfalls zu nichtalkoholischen Getränken, weil alles andere unter praller Maisonne doch recht müde macht, und auch wenn es ganz schön sein kann, auf der Picknickdecke umzusinken und ein Schläfchen zu machen: Irgendwann muss man ja doch wieder heim. Auch wenn ich höre, dass Nachtpicknicks immer populärer werden. Vor allem unter Gelsen.