Auf einem Foto steht er neben Kärntens FPÖ-Chef Erwin Angerer, der ihm die Hand auf die Schulter legt. Auf anderen Fotos sieht man ihn mit den freiheitlichen Nationalratsabgeordneten Harald Thau (Niederösterreich) und Christoph Steiner (Tirol) oder mit dem freiheitlichen ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler oder mit Jean-Pascal Hohm, seit November 2025 Vorsitzender der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland. Auf einem anderen Foto steht er Schulter an Schulter mit Kärntens Nationalrat Christian Ragger.

Gut vernetzter Rechter

Die Fotos beweisen natürlich nicht, dass die zuvor genannten Personen etwas von ihrem Foto-Partner und seiner Biografie wussten, sie zeigen aber: Der Kärntner (22) ist gut vernetzt in der FPÖ und der rechten Szene. Es sind nicht seine einzigen Auftritte mit freiheitlichen Politikern oder Vertretern der Freiheitlichen Jugend (FJ) Kärnten sowie bei Veranstaltungen und Treffen. Vieles davon wird dokumentiert auf diversen Social-Media-Plattformen.

Etwa in einem Kurzvideo, das den 22-Jährigen vor ein paar Wochen mit Kameraden aus Kärnten und der Steiermark bei einer Maiwanderung auf der Pack zeigt. Motto des fröhlichen Marsches: „Lass uns einmal wandern gehen (und über Remigration sprechen).“ Das haben umfangreiche Recherchen der Plattform „Stoppt die Rechten“ dargestellt.

Acht Monate bedingt

In sozialen Medien findet man aber auch die andere Seite des heute 22-Jährigen: Jene, die ihm im Juni 2024 am Landesgericht Klagenfurt eine rechtskräftige Verurteilung wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung eingebracht. Acht Monate bedingte Haft lautete das Urteil.

Verfassungsschützer warnten

Dass der junge Mann nicht ein kleines Licht in der rechtsextremen und neonazistischen Szene war, zeigen auch Aussagen beim Gerichtsprozess vor zwei Jahren. Ein österreichischer Verfassungsschützer war dort als Zeuge geladen und berichtete nicht nur über die akribischen Untersuchungen gegen den angeklagten Kärntner, sondern auch darüber, dass sein Team von ihren deutschen Kollegen gewarnt worden sei. Man ermittle gegen eine organisierte rechtsextreme Einheit, die möglicherweise bis nach Kärnten, unter anderem zum Angeklagten reicht. Es gäbe einschlägige WhatsApp-Gruppen, Kontakte zu vielfach vorbestraften rechten Terroristen, so der Verfassungsschützer damals. Der 22-Jährige bestritt vor Gericht jede rechtsextreme Gesinnung.

Stahlhelm und Blitzkrieg

Die Realität lässt daran zweifeln: Kurz nach dem Prozess wurde ein TikTok-Account gelöscht. Der hatte den Namen des Kärntners und den Titel „adolfs.ganzer.stolz“ und als Profilfoto einen Stahlhelm mit dem Titel „Blitzkrieg“. In den folgenden Jahren tauchten Fotos des Jugendlichen bzw. jungen Mannes auf, die ihn bei verschiedenen einschlägigen Veranstaltungen zeigten: Bei einer Demonstration der rechtsextremen Identitären-Gruppe ging der Kärntner neben Mitgliedern der ebenfalls extrem rechten und zudem gewaltbereiten „Tanzbrigade Wien“.

Bei einem anderen öffentlichen Auftritt steht er neben einem Neonazi, der die Telegram-Gruppe „Pedohunters Austria“ gegründet hat. Diese Gruppe machte brutal Jagd auf homosexuelle Männer unter dem Deckmäntelchen des Kinderschutzes. Dass der Kärntner damit etwas zu tun hatte, ist damit nicht gesagt. Bemerkenswert ist das Netzwerk aber jedenfalls.

Es gibt also viele Fotos, Videos, Postings in sozialen Medien und noch mehr Likes von Kameraden für diese Beiträge. Der 22-Jährige hat seine Aktivitäten und seine politische Einstellung nicht wirklich verborgen. Und noch während seiner Bewährungszeit dockte er bei den Freiheitlichen an. Die wollen von alledem nichts mitbekommen haben.

Konsequenzen unverzüglich gezogen

„Wir haben aus den Medien von der Verurteilung erfahren und daraufhin das betreffende Mitglied umgehend ausgeschlossen“, teilt Dominic Keuschnig, Sprecher der FPÖ Kärnten, in einer schriftlichen Stellungnahme mit. „Der Partei lagen zuvor keine Hinweise auf strafrechtlich relevante oder extremistische Aktivitäten vor. Sobald entsprechende Informationen öffentlich wurden, wurden die notwendigen Konsequenzen unverzüglich gezogen.“ Weitere Angaben, etwa zur Dauer der FPÖ-Mitgliedschaft des Neonazis gibt es nicht. Sie unterliegen dem Datenschutz, so Keuschnig.