„Wir sind und bleiben eine saucoole Truppe.“ Worte von Routinier Clemens Unterweger, die mehr aussagen, als auf den ersten Blick ersichtlich. Weil man sie in den richtigen Kontext setzen muss. Österreich hatte gerade gegen Gastgeber Schweiz bei der WM in Zürich mit 0:9 verloren, Unterweger so wie Kapitän Peter Schneider sein 100. Länderspiel absolviert. Und dabei waren die Österreicher gegen gnadenlose Eidgenossen nur Passagiere.
Klar waren die ÖEHV-Cracks ob der Höhe des Ergebnisses enttäuscht, aber nicht niedergeschlagen. Sie wussten das Geschehene im richtigen Licht zu sehen. Dass gegen die Schweiz nichts zu holen wäre, war klar. Österreich hat dennoch das neu definierte Ziel, ins Viertelfinale einzuziehen, nicht aus den Augen verloren. Weil mit den Deutschen am Samstag, die erst bei einem Punkt halten, ein in der aktuellen Form beider Teams möglicherweise schlagbarer Gegner kommt, gegen den sogar ein Punkt fürs Viertelfinale reichen könnte.
Österreichs Ziel
Außerdem hat Rot-weiß-rot das übergeordnete Ziel, den Klassenerhalt, längst und souverän in der Tasche. Und das aus gutem Grund. Team Austria ließ sich von den zahlreichen verletzungsbedingten Absagen (u. a. Haudum, Kasper, Rossi, Baumgartner) nicht aus der Ruhe bringen lassen. Weil die Topspieler, die da sind, liefern. Da wäre etwa Vinzenz Rohrer, der am linken Bein angeschlagen ist, dennoch voll durchzieht. Und gegen die Schweiz zurecht geschont wurde. Oder Dominic Zwerger, der gegen Ungarn das erleichternde 2:1 erzielt hatte. Und vor allem Peter Schneider und Thimo Nickl, die mit je zwei Toren und drei Assists Stand Donnerstag auf Rang neun der WM-Scorerliste und standen gleich viele Punkte wie die Kanada-Stars Sidney Crosby (5 Assists) und Macklin Celebrini (2 Tore, 3 Assists) oder Schweiz-Aushängeschild Nico Hischier (3 Tore, 2 Assists) auf dem Konto hatten. Bei Schneider wirkt das „Vitamin C“, das Kapitänsamt beflügelt. Und Nickl gibt darüber hinaus hinten extrem viel Halt, macht auch internationale Scouts auf sich aufmerksam.
Viele Schultern tragen die Last einer Weltmeisterschaft
Auch bleibt die allseits beliebte Torhüterdiskussion aus. David Kickert machte seine Sache gegen die Briten ordentlich, Atte Tolvanen überragte mit 42 Saves aus 45 Schüssen (Fangquote: 93,3 Prozent) gegen die Ungarn und Letten. Vorne machen es alle „vier Triebwerke“, wie Teamchef Roger Bader seine Linien nennt, hervorragend, bestachen in den ersten drei Spielen mit einer Torschuss-Effizienz von über 17 Prozent – dieser Wert ist Weltklasse.
Die Vorderleute der Goalies machen vorne wie hinten einen tollen Job. Selbst wenn das jüngste 0:9 Defensiv-Werte verwässert, haben immer noch 13 Feldspieler eine positive Plus-Minus-Statistik. Offensiv haben schon zwölf Spieler in die Scorerliste eingetragen, acht von ihnen haben sich die acht bisherigen Saisontore brüderlich aufgeteilt. Darunter auch Viertlinienspieler wie Tim Harnisch (1 Tor), Leon Kolarik (1 Assist). Die Mischung stimmt einfach, alle ordnen sich erfolgreich unter. Dann wäre da noch die perfekt kaschierte Center-Armut, für die Flügel Mario Huber, der in der Mitte agiert, sinnbildlich steht. Er gewann exakt zwei Drittel seiner Bullys, in den ersten drei Partien lag der Wert sogar über 75 Prozent.
So darf ganz Eishockey-Österreich hoffnungsfroh auf das Duell in Zürich mit den Deutschen am Samstag blicken – und möglicherweise auf ein Viertelfinale in Fribourg.