Erst seit vier Jahren donnern die Blechkarossen von Touristen, Anwohnern und LKW-Fahrern über Kroatiens 2400 Meter langen Jahrhundertbrückenschlag über die Bucht von Slon. Doch nun steht bereits die erste Überholung der 525 Millionen Euro teuren Pelješac-Brücke an, die Süddalmatien mit dem Rest Kroatiens verbindet: Risse an der Betonoberfläche und Rost an der Stahlkonstruktion sollen nach Ende der Sommersaison von Oktober bis zum Frühjahr nächsten Jahres ausgebessert werden.
Die Sicherheit und Stabilität der Brücke sei nicht bedroht, versichert Kroatiens staatliche Autobahngesellschaft „Hrvatske Ceste“. Doch um zu vermeiden, dass Feuchtigkeit und Salz in die Risse in der Betonoberfläche gelangen und „in 20, 30 Jahren“ für Folgeschäden bei den tragenden Elementen sorgen könnten, müsste bei den betroffenen Brückenträgern die äußere Betonschicht zunächst abgetragen, anschließend „erneuert“ und zusätzlich geschützt werden.
Den unzureichenden Schutz des frischen Betons nennt Marjan Pipenbaher, der slowenische Projektant der Brücke, als Ursache für die „zwei bis fünf Zentimeter tiefen“ Risse. Dies könne zwar passieren, doch er könne auch nicht sagen, dass derartige Schäden üblich seien: „Immerhin ist die Brücke neu.“
Keine Verkehrsbeeinträchtigung erwartet
„Heute Risse, morgen ein Problem?“, titelt bereits düster das Adria-Portal „morski.hr“. Generell sei der Zustand der Meeresbrücke gut, beteuert hingegen „Hrvatske Ceste“. Mit einer Beeinträchtigung des Verkehrs sei auch während der Ausbesserungsarbeiten nicht zu rechnen.
Zumindest dürften die Risse im kostspieligen Brückenbeton Zagreb vorläufig keine zusätzlichen Kosten bescheren. Wegen der zehnjährigen Garantie für die Brücke hat vermutlich der Bauträger die Kosten für deren frühe Überholung zu berappen – der chinesische Staatskonzern CRBC. Von einem Slowenen entworfen, von der EU zu zwei Dritteln finanziert und von Chinesen erbaut: Dank des günstigsten Angebots hatte CRBC den Zuschlag für eines der kostspieligsten Infrastrukturprojekte erhalten, das Brüssel jemals finanziert hat.
Ob beim Bau von Brücken, Autobahnen oder Eisenbahntrassen – jedes in Europa realisierte Großprojekt dient Chinas Staatskonzernen als Visitenkarte für die nächsten lukrativen Aufträge. Doch ein Einzelfall sind die frühen Risse in Kroatiens Jahrhundertbeton keineswegs: Nicht alle Großprojekte chinesischer Staatskonzerne und Banken gehen in Südosteuropa reibungslos über die Bühne.
Kein Einzelfall
So schrammte Montenegro beim Bau der gut eine Milliarde Euro teuren Autobahn, die die Hauptstadt Podgorica mit dem bergigen Norden des Landes verbindet, wegen der hohen Schulden bei der chinesischen Exim-Bank 2021 nur knapp am Staatsbankrott vorbei: Die EU und internationale Finanzorganisationen hatten damals dem EU-Anwärter mit einer Refinanzierung aus der chinesischen Schuldenpatsche zu helfen.
Nicht nur endlose Korruptionsskandale, sondern auch technische Probleme überschatten den wenig transparenten Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen dem ungarischen Budapest und serbischen Belgrad: Wegen der anhaltenden Schwierigkeiten, die chinesische Technik an EU-Standards anzupassen und die Auflagen zur Nutzung des europäischen Signal- und Zugkontrollsystems ETCS zu erfüllen, verzögert sich die Inbetriebnahme des ungarischen Streckenabschnitts seit Monaten immer wieder aufs Neue.
Nachwirkungen der Trümmerkatastrophe
In Serbien sorgen die Nachwirkungen der Trümmerkatastrophe im neu renovierten Bahnhof von Novi Sad, bei der im November 2024 beim Einsturz des Vordaches 16 Menschen ums Leben kamen, noch immer für Wirbel. Das chinesische Konsortium, das mit dem Bau der Trasse beauftragt worden war, hatte heimische Unternehmen aus dem Dunstkreis der regierenden SNS mit der Überholung der Haltebahnhöfe an der Strecke beauftragt.
Stehen chinesische Investoren beim EU-Anwärter Serbien über dem Gesetz? Zwar hat die chinesische Botschaft in Belgrad zu Monatsbeginn Medienberichte dementiert, wonach Präsident Aleksandar Vučić ihr in einem Telefonat am Tag der Katastrophe zugesagt haben soll, dass kein Angehöriger des chinesischen Konsortiums CRIC-CCCC für die vermeidbare Katastrophe juristisch zur Verantwortung gezogen werde. Die Zeitschrift „Radar“ fragt sich dennoch, „ob die Chinesen außer Reichweite der Justiz stehen“: Acht Mal habe Serbiens Polizei bereits die Aufforderung der Sonderstaatsanwaltschaft für Organisiertes Verbrechen ignoriert, Verantwortliche des Konsortiums vorzuladen: „Kein einziger chinesischer Staatsangehöriger ist bisher verhört worden.“