Es gibt im Fußball Trainer, die einen Klub automatisch besser machen. Jose Mourinho hat bei fast allen seinen Stationen einen Titel gewonnen, Pep Guardiola formte aus drei Klubs einen schier unbesiegbaren Giganten und Jürgen Klopp erweckte Dortmund und Liverpool zum Leben und entwickelte europäische Großmächte aus den beiden schlafenden Riesen. Es gibt sie aber selten, die Trainer, bei denen bei der Verpflichtung automatisch der Erfolg mitunterschreibt. In den vergangenen Jahren hat sich Oliver Glasner in diese Riege hinaufgearbeitet, mit einem Sieg im Conference-League-Finale am Mittwoch (21 Uhr) gegen Rayo Vallecano würde er seinen zweiten Titel auf europäischer Bühne holen. Das ist aus Österreich zuvor nur Ernst Happel gelungen.
Dabei war der internationale Glanz Glasners während seiner Spielerkarriere noch nicht abzusehen. 410 Spiele für Ried und den LASK in der Bundesliga, mit den Innviertlern gewann er 1998 und 2011 den ÖFB-Cup, über Oberösterreich hinaus führte ihn seine aktive Zeit nicht. Dennoch schaffte er es 2011 als 36-jähriger Innenverteidiger der Rieder in die internationalen Schlagzeilen, wenn auch aus einem unerfreulichen Grund. Bei einem Spiel gegen Rapid zog er sich eine Gehirnerschütterung zu, flog aber trotzdem mit der Mannschaft nach Dänemark, um das Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Bröndby zu bestreiten. Nach dem Abschlusstraining klagte er plötzlich über Schwindel und wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo eine Hirnblutung diagnostiziert wurde. Glasner überlebte knapp, seine Spielerkarriere war aber nach diesem Ereignis beendet. „Ich habe die ganze Woche Kopfschmerzen gehabt. Ich war im Hotel unter der Dusche und dann kann ich mich an nichts mehr erinnern“, sagte Glasner Jahre nach dem Unglück auf „Sky“. Dort offenbarte er auch, wie knapp es wirklich war: „Die Ärzte haben gesagt, dass ich mit einem Fuß unter der Erde war. Meine Frau hat die Einverständniserklärung für die OP geben müssen, es war für sie viel schwieriger als für mich.“
Nach dem Schicksalsschlag startete Glasner seine Trainerkarriere, im Sommer 2012 wurde er Co-Trainer bei Red Bull Salzburg. Er wollte sich nicht aus der Bahn werfen lassen: „Ich bin jemand, der schnell wieder nach vorne blickt.“ Die Familie gab dem Oberösterreicher damals wie heute Halt, ist auch heute bei wichtigen Spielen mit dabei. So hat der 51-Jährige die zwei Söhne Julian und Niklas sowie Tochter Alina. Nach zwei Jahren bei den „Bullen“ war Glasner bereit für den nächsten Schritt und wurde Cheftrainer bei seinem Herzensklub Ried, 2015 folgte dann der Wechsel zum LASK, wo die Karriere richtig Fahrt aufnehmen sollte. In vier Jahren führte er den Klub von der 2. Liga hinauf und dann sogar in den Europacup. „Eine wunderschöne Reise“, nannte er die Zeit bei den Linzern, als er 2019 den Schritt ins Ausland zu Wolfsburg wagte.
Mit den Jahren wurde Glasner an der Seitenlinie emotionaler. Zu Beginn seiner Zeit in Deutschland sagte er noch: „Ich bin einer, der die Emotionen nicht so nach außen trägt. Ich versuche, das mit mir selbst auszutragen.“ Doch mit der Zeit wurde klar, dass der Erfolg auf großer Bühne auch etwas mehr Emotionalität erfordert. Glasner führte Wolfsburg 2021 nach sechs Jahren wieder zurück in die Champions League, verließ den Klub aber, da er öffentlich immer wieder die Transferpolitik von Sportchef Jörg Schmadtke kritisierte. Es folgte der Wechsel zu Eintracht Frankfurt, wo er sich nach einem Jahr bereits unsterblich machte und mit dem Klub die Europa League gewann. Spätestens da war Glasner im ganz obersten Trainerregal angekommen. Schon davor wurde im Viertelfinale der große FC Barcelona aus dem Turnier geworfen, nach dem Spiel gab Glasner den „Oberösterreichischen Nachrichten“ ein Interview, wo wieder die große Rolle seiner Familie herauskam: „Es war eine richtig lockere Partystimmung, die Spieler sind dann irgendwann unterwegs gewesen. Meine Frau Bettina und unser jüngerer Sohn Niklas waren da. Unsere Tochter Alina war schon im Hotel bei meiner Mama und Julian ist beim Zivildienst in Oberösterreich.“ Doch auch in Frankfurt war für Glasner 2023 Schluss, auch hier überwarf er sich mit der Klubführung.
Im Februar 2024 folgte dann der Wechsel nach England zu Crystal Palace, wo er sich unsterblich machte. 2025 der Sieg im FA-Cup und im Community-Shield, in dieser Saison der Einzug ins Conference-League-Endspiel. Auch wenn Glasner in London keine Statue haben möchte, weil darauf die Tauben ihr Geschäft verrichten würden, hat er sich längst in die Geschichtsbücher des Klubs geschrieben. Im Sommer wird er den Verein verlassen, da er mit den Besitzern wieder nicht auf einen grünen Zweig gekommen ist. Auch wenn die Art und Weise bei dem ein oder anderen Klub Fragezeichen hinterlassen hat, Glasner ist in seinen zwölf Jahren als Trainer zu einem absoluten Erfolgsgaranten gereift.