Muss ein Verein auf Trainersuche gehen, weil ein erfolgreicher Übungsleiter abgeworben wird, ist es fraglos besser, als wenn Misserfolg zur Trennung führt. Die Ehe zwischen dem TSV Hartberg und Markus Schopp wurde bereits zwei Mal in aller Freundschaft geschieden. Die Beziehung ist dennoch so gut und das gegenseitige Vertrauen so groß, dass man für eine dritte Hochzeit zusammenfindet.

„Wir sind immer im Guten auseinandergegangen, haben nie gestritten. Somit war für uns immer klar, wenn Markus frei ist für Hartberg, müssen wir schauen, dass wir zuschlagen. Er kennt einfach unser Profil und weiß, wo er ansetzen muss“, zögerte Obmann Erich Korherr nicht, um eine Wiederverheiratung anzufragen.

Markus Schopp kehrt voll Tatendrang nach Hartberg zurück
Markus Schopp kehrt voll Tatendrang nach Hartberg zurück © GEPA pictures

Beide Parteien nehmen sich eine längerfristige Zusammenarbeit vor. Am liebsten hätte Korherr gerne einen Langzeittrainer, wie ihn in Deutschland zum Beispiel Heidenheim stellt. Summiert man Schopps Amtszeiten, kommen inzwischen auch schon einige Jährchen zusammen. Der Tag seiner Präsentation war insgesamt bereits sein 1737. Tag als Coach der Oststeirer.

„Es ist ein bisschen wie Nachhausekommen“, sagt der 52-Jährige, der Hartberg erstmals vor acht Jahren unmittelbar nach dem Aufstieg in die Bundesliga übernommen hat. Inzwischen geht der Verein in seine neunte Saison im Oberhaus. „Das wäre für die meisten damals wahrscheinlich undenkbar gewesen“, vermutet der Grazer, „aber dafür gibt es gute Gründe.“

Schopp nennt als Hauptgründe das demütige Umfeld mit sehr bodenständigem Personal, in dem nicht nur er sich stets gut entwickeln konnte. Entwicklung wird auch in Zukunft das Zauberwort sein. Der Auftrag ist klar definiert, vermehrt auf einheimische und im Idealfall steirische Akteure zu setzen. Diesbezüglich wird der Trainer Markus Schopp früh genug gefordert sein, derzeit ist er jedoch vor allem als Technischer Direktor gefragt.

Schopp betritt auch diesbezüglich kein Neuland, fühlt sich daran erinnert, wie er einst Spieler wie Elias Havel, Maximilian Fillafer und Damjan Kovacevic zum Klub lotste, die ihr Potenzial in Hartberg durchaus zur Entfaltung brachten. „Alles Spieler, die wahrscheinlich kein anderer Verein am Radar hatte. Wir wussten, dass wir in Ecken suchen müssen, wo andere vielleicht nicht suchen“, ortet Schopp für den Verein die richtige Nische.

Aktuell könne man „den Tag sehr gut nutzen“, meint Schopp zur Kaderplanung und spricht von Spielern, die sich vielleicht verändern möchten, aber auch von Akteuren mit auslaufendem Vertrag, die für den Klub weiterhin interessant sind.

Zukunft von Heil und Schopp offen

So zum Beispiel Urgestein Jürgen Heil, der mit einem Wechsel zum SK Sturm in Verbindung gebracht wird. Der alte und neue Trainer klingelte natürlich bei seinem Ex-Schützling durch, um das Interesse an einer neuerlichen Zusammenarbeit zu deponieren: „Er ist eine der wenigen Konstanten der letzten acht Jahre, total verlässlich am Platz, mit großem Wert innerhalb der Kabine. Er hat einen auslaufenden Vertrag und eine Bombensaison gespielt. Er kennt mich und das Umfeld. Wir könnten gemeinsam noch viel erreichen. Ob seine Entscheidung schon gefallen ist, weiß ich nicht.“

Bei Sohn Konstantin Schopp, im Frühjahr von Mainz an den TSV verliehen, spielt er den Ball an die Deutschen beziehungsweise seinen Junior zu. „Wenn er sich entscheiden würde, ein weiteres Jahr in Hartberg zu machen, würde es nicht an mir scheitern, weil er riesengroßes Potenzial hat“, offenbart der Herr Papa jedoch sein Interesse an einem weiteren Anlauf des Innenverteidigers in Hartberg.

Schopp Senior ist jedenfalls gekommen, um zu bleiben, hat ein längerfristiges Engagement im Sinn. Im Hinblick auf seine bisherigen Abschiede nach Barnsley und zum LASK meint er: „Es ist immer auch die Frage, wie gesund hinterlässt man einen Verein? Hinterlässt man ihn als Schlachtfeld? Gefühlt ist nicht immer alles zusammengebrochen.“ Wäre dies der Fall gewesen, würde es wohl auch keine Grundlage geben, es abermals miteinander zu versuchen. Schopp glaubt fest an das Potenzial der erneuten Zusammenarbeit: „Wenn wir das gut aufziehen, kann das wieder eine tolle Saison werden. Aber dafür werden wir alle hart arbeiten müssen.“