Der Weltmilchtag am 1. Juni wird in der Branche nicht überschäumend gefeiert werden. Denn sie ist – wieder einmal – unter Druck. Der Milchpreis stößt vielen sauer auf und liegt mit derzeit 42,9 Cent netto je Liter im Schnitt fast ein Viertel unter dem Wert vom Jahresbeginn, erklärt Andreas Steinegger, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer. „Das gefällt uns natürlich nicht“, betont er, aber: „Wir befinden uns in einem globalen Markt.“ Es gelte, sich den Umständen anzupassen. „Es ist von uns eine ständige Weiterentwicklung gefordert.“
Für die steirischen Milchbäuerinnen und Milchbauern gilt im Vergleich das Motto: klein, aber fein. Blickt man ins umliegende Ausland, muten die Betriebsgrößen fast winzig an. 24 Kühe zählen Milchviehbetriebe hierzulande im Schnitt, in der Slowakei sind es 277, in Dänemark 236, in Deutschland 73. Das vielfach steile Gelände in Österreich trägt dazu bei, 85 Prozent der steirischen Milch stammen von Bergbauernbetrieben. Ihre Zahl ist 2025 weiter gesunken – um 4,3 Prozent auf 3335.
364 Melkroboter im Einsatz
„Die heimischen Milchbäuerinnen und Milchbauern müssen täglich den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und alpinem Umfeld, hohem Tierwohl und Nachhaltigkeit schaffen“, verdeutlicht Steinegger. In den vergangenen Jahren hätten viele Betriebe die Ställe umgebaut und erweitert, um steigende Anforderungen und höhere Standards zu erfüllen.
Um bei den großen Herausforderungen (Trockenheit, „explodierende Kosten“ und hohe Auflagen) trotzdem wirtschaften zu können, hält immer mehr Technologie Einzug in die Ställe. Automatische Futteranschieber, Sensoren für die Herdenbeobachtung, rotierende Bürsten und Entmistungstechnik erleichtern die Arbeit und nehmen Zeitdruck. Außerdem sind steiermarkweit 364 Melkroboter im Einsatz, also bei jedem zehnten Milchviehbetrieb – sie sorgen, so Steinegger, bereits für 28 Prozent der Gesamtmilchmenge.
Intensiver Austausch
Die Trofaiacherin Heidi Kaufmann-Ferstl ist seit ihrem 18. Lebensjahr Milchbäuerin und Rinderzüchterin und betont den Wandel. „Moderne Technik ist bei uns nicht mehr wegzudenken. Der Melkroboter erleichtert die schwere Arbeit und erhöht das Tierwohl.“ Die Preisschwankungen auf dem Milchmarkt erschweren die Planbarkeit, doch der Arbeitskreis Milch, eine Weiterbildungsinitiative der Landwirtschaftskammer, schafft zumindest teilweise Abhilfe. Dort werden nicht nur Kurse angeboten. Vor allem profitiere sie vom direkten Austausch mit den Kollegen, „wir sehen, wer etwas besser macht und lernen daraus“. Die Aus- und Weiterbildung sei enorm wichtig, streicht auch Steinegger hervor. „Wir beobachten, dass es jenen, die unser Angebot nutzen, wirtschaftlich besser geht. Wir zeigen den Bauern, wo die Knackpunkte sind.“
Steirischer Käse als Exportschlager
Zwar werden die Milchviebetriebe jedes Jahr weniger, die an die Molkereien gelieferte Menge ist im Vorjahr dennoch leicht gestiegen – auf 567.000 Tonnen. Johann Loibner, Vorstand der Berglandmilch, mit 8000 Lieferanten die größte Molkerei in Österreich, streicht Millioneninvestitionen in moderne Verarbeitungstechnik hervor. „Mit proteinreichen Produkten liegen wir voll im Trend. Im Frischkäsebereich bauen wir unsere Kapazitäten aus, um die stark steigende Nachfrage bedienen zu können.“ Dazu bringt die Berglandmilch einige Innovationen auf den Markt, etwa Greek-Joghurts und funktionale Milchprodukte wie „Latella Glow“. In der Käserei in Voitsberg stellt die Berglandmilch 50 Käsesorten her, viele von ihnen sind Exportschlager.
Lavazza-Eiskaffee aus dem Ennstal
Apropos Export. Die Ennstal Milch (580 Lieferanten) hat seit einigen Jahren ein Alleinstellungsmerkmal bei Getränken wie Eiskaffee und Milchmischgetränken in der Kartondose, die sie für internationale Markenartikler herstellt. Der jüngste Coup: „Die italienische Kaffeemarke Lavazza wird demnächst Eiskaffee von der Ennstal Milch auf den Markt bringen“, freut sich Aufsichtsratschef Andreas Radlingmaier. Insgesamt bedient Ennstal Milch 40 nationale und internationale Kunden.
Stark im Export, insbesondere in Deutschland, ist auch die Obersteirische Molkerei (1200 Lieferanten). „Wir setzen auf Nischenprodukte, das sind einerseits unsere Käsesorten, andererseits generieren wir für unsere Lieferanten mit Spezialmilchsorten eine höhere Wertschöpfung.“
„Unsere Daseinsberechtigung ist, den Bäuerinnen und Bauern einen guten Milchpreis zahlen zu können“, fasst Loibner zusammen.