Vom Ferialjob in die Direktion: Helmut Petschars Laufbahn in der Kärntnermilch verlief mustergültig – und turbulent. Denn die Anfangsjahre als Marketing- und Verkaufsleiter fielen in eine Zeit, als Österreich noch in Milch-Versorgungsgebiete gegliedert war. Fünf regionale Molkereien teilten sich Kärnten auf, für die damalige OKM war in Velden Schluss, „in ganz Unterkärnten gab es bis 1995 keine Packung von uns“, erinnert sich Petschar. 190 Molkereien und Käsereien zählte man damals bundesweit, heute sind es sieben große Molkereien. Dass die Kärntnermilch eine davon ist, darf sich Petschar, der am 1. Juni 2006 das Ruder als Direktor übernommen hatte, mit auf die Fahnen heften. Noch vor der Liberalisierung des Milchmarkts wurde etwa die Wort-Bild-Marke geschützt, die den Mittagskogel als markante Erhebung stellvertretend für den Alpen-Adria-Raum ins Zentrum rückt.

Ab 1995 wurden die dreisprachigen Packungen der Kärntnermilch in ganz Österreich ausgerollt; Petschar erinnert sich: Während in Kärnten Slowenisch und Italienisch auf den Packungen niemanden störte, brandete in anderen Bundesländern Kritik an der „Tschuschenmilch“ auf. Die Verpackungen wurden fortan einsprachig Deutsch bedruckt. Am laufenden Band wurden damals Produkte entwickelt, vom Almkäse über Mascarpone bis zum Drautaler.

65 Millionen Euro investiert

Seit 20 Jahren sitzt Petschar, heute 62, im Chefsessel. Der Umsatz verdoppelte sich auf rund 140 Millionen Euro – bis zu 40 Prozent werden in Kärnten, 30 Prozent in Rest-Österreich sowie 30 Prozent im Export erzielt. In 14 Ländern sind die mehr als 400 Produkte der Kärntnermilch heute erhältlich. Vor allem Käseprodukte und Biomilch aus Kärnten sind gefragt: 1994 begann man mit sechs Biobauern, wurde dafür „reihum belächelt“, heute sind 30 Prozent der 128 Millionen Liter Milch, die pro Jahr verarbeitet werden, biologischer Herkunft.

Der heimische Käsekonsum hat sich seit dem EU-Beitritt von elf auf 26 Kilogramm mehr als verdoppelt. Führend dabei die Kärntnermilch: Die Käserei in Spittal wurde komplett modernisiert, insgesamt flossen in zwei Jahrzehnten fast 65 Millionen Euro an Investitionen in den Standort. 200 Mitarbeiter finden bei der Kärntnermilch Beschäftigung, tatsächlich hängen laut einer Studie der FH Kärnten 1300 bis 1400 Jobs direkt oder indirekt an der Molkerei.

„Brutal wie noch nie“

Doch die internationalen Verwerfungen machen auch vor den Toren Spittals nicht Halt. Die blauen Packungen sind etwa aus den Lebensmittelregalen in Moskau verschwunden, bei Biojoghurts in Dubai stockt der Nachschub. Steigende Energiekosten und fallende Handelspreise machen Petschar besonders zu schaffen. „Wenn am Golf die Bomben fliegen, kriegen wir ein paar Tage später die Preiserhöhungen ins Haus.“ Die letzten fünf Jahre seien daher „brutal wie noch nie“ gewesen, ohne sein Team hätte er sie nicht bewältigen können. Das Spannungsfeld sei heftig: „Der Bauer hat immer zu wenig, für den Lebensmittelhandel bist du zu teuer und die Mitarbeiter sollen auch gut leben können.“ Seine bäuerliche Herkunft habe ihm geholfen: „Ich weiß, was es heißt, Bauer zu sein – und nicht nur Manager.“

„Dass es nicht umsonst war“

Noch bis zu seinem 65er will Petschar seine Funktion ausfüllen. „Ich will wissen, dass es geordnet weitergeht und nicht umsonst war“, sagt er. Dann könnte auch eine beachtliche Serie zu Ende gehen: Seit 1946 waren stets Petschars in führender Position in der Molkerei, Opa, Vater und sein älterer Bruder Albert. Von seinen drei Kindern gebe es kein Signal, in seine Fußstapfen zu treten, erzählt Petschar. Der Erhalt der Selbstständigkeit sei das größte Ziel für die Molkerei, die als Genossenschaft im Besitz der Bauern. „Aber wir müssen offen bleiben für Kooperationen.“