Nach mehr als vier Jahrzehnten bekommt ein traditionsreicher Villacher Betrieb einen neuen Eigentümer: Der 33-jährige Villacher Patrick Pirker hat kürzlich die seit 1983 bestehende Werkstatt und das Autohaus „Retro Moto“ übernommen. Künftig läuft der Betrieb unter dem Namen „Automotive“ weiter, am bewährten Konzept soll sich jedoch nichts ändern.

Bisheriger Betreiber suchte Nachfolger

Auf die Möglichkeit zur Übernahme wurde Pirker über die Online-Plattform Willhaben aufmerksam. Der bisherige Eigentümer Kai Abel, der den Betrieb 1983 gegründet hatte, wollte sich mit 68 Jahren in den Ruhestand verabschieden und suchte nach einer passenden Nachfolge. Abel war in der Region Villach ein echter Pionier: Er war der Erste, der sogenannte Mini-Autos – also führerscheinfreie Pkw – verkaufte und sich damit weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen machte.

Für Pirker bedeutet die Übernahme ein Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Der gelernte Kfz-Mechaniker sammelte zuvor berufliche Erfahrungen bei den ÖBB und beim Magistrat Villach. Der Wunsch nach Selbstständigkeit sei jedoch immer stärker geworden. Sich beruflich etwas Eigenes aufzubauen und dabei nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern auch die Freiheit zu haben, den Arbeitsalltag selbst zu gestalten, nennt er als Hauptgründe für den mutigen Schritt.

Nebenbei wird der Meister gemacht

Ganz einfach wird der Alltag des Jungunternehmers allerdings nicht, denn neben dem laufenden Werkstattbetrieb bereitet sich Pirker auch auf die anstehende Meisterprüfung vor. Von Montag bis Freitag drückt er abends die Schulbank, zusätzlich steht der Samstag am Stundenplan. Tagsüber bleibt die Werkstatt wie gewohnt von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr geöffnet.

Patrick Pirker macht nebenbei noch seinen Meister
Patrick Pirker macht nebenbei noch seinen Meister © KLZ/Alexandra Pöcher

Den bestehenden Kundenstock von Abel hat Pirker übernommen, gleichzeitig konnte er bereits zahlreiche neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Das Angebot bleibt breit gefächert: Repariert und überprüft wird alles, „was einen Motor hat“, sagt der 33-Jährige lachend. Dazu zählen Mopeds, Motorräder, Quads und Autos aller Marken. Auch der Verkauf von Motorrädern, Motorrollern, Quads und führerscheinfreien Leichtkraftfahrzeugen der Marken Aixam, Lambretta oder Brixton bleibt.

„Das Vorurteil stimmt nicht“

Ein besonderes Anliegen ist Pirker auch, mit einem Vorurteil rund um Mini-Autos aufzuräumen. Die Nachfrage nach den führerscheinfreien Fahrzeugen sei nach wie vor hoch, vor allem bei älteren Menschen und deren Familien. „Es kommen viele Söhne oder Töchter, die ein Mini-Auto für ihre Eltern kaufen“, erzählt er. Gerade ältere Personen seien oft nicht mehr gerne mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs. „Das Mini-Auto fährt maximal 50 km/h und im Gegensatz zu einem Roller hat man ein Dach über dem Kopf, kann heizen oder kühlen.“ Mit einem weit verbreiteten Klischee könne er wenig anfangen: „Das Vorurteil, dass nur Leute, die den Führerschein verloren haben, ein Mini-Auto fahren, stimmt nicht.“

Privat ein „Vespa-Schrauber“

Derzeit führt Pirker den Betrieb noch alleine. Langfristig möchte er jedoch einen Mitarbeiter einstellen, um sich künftig stärker auf den Verkauf konzentrieren zu können.

Auch privat dreht sich bei dem gebürtigen Villacher vieles um Motoren. Gemeinsam mit seiner Partnerin lebt er in Ledenitzen und bezeichnet sich selbst als begeisterten „Vespa-Schrauber“. Gleich sechs Vespas nennt er sein Eigen, die älteste stammt aus dem Jahr 1967. Dazu kommen vier legendäre dreirädrige Ape-Fahrzeuge.