Ein paar Millisekunden reichen aus und aus dem Finger am Abzug wird ein verlorenes Leben. Egal ob aus böser Absicht oder als Unfall. Ein gelöster Schuss lässt sich nicht zurücknehmen, die Flugbahn des Projektils nicht umkehren.
Österreich ist eines der sichersten Länder der Welt. Das Polizeisystem funktioniert, schwere Straftaten sind die Ausnahme, fallen aus dem Schema, gehören nicht zum Alltag. Dennoch haben immer mehr Menschen das Gefühl sich selbst schützen zu müssen. Ihr Mittel der Wahl: eine Schusswaffe. Diese Entscheidung ist nicht nur eine überschießende Reaktion. Sie gleicht einem Boomerang, der einen selbst trifft. Menschen schützen sich mit einer Waffe, aus Angst selbst in den Lauf einer Pistole zu blicken, dem Tod ins Gesicht zu sehen.
Eine Kontroverse, die sich nicht logisch erklären lässt. Eine Waffe allein tötet nicht, das mag wahr sein. Aber ihre reine Präsenz macht es Menschen so viel leichter, Taten aus dem Affekt überhaupt erst möglich. Ohne direkte körperliche Gewalt anzuwenden und ohne Zeit einen klaren Gedanken zu fassen. Wer eine Waffe besitzt, nimmt in Kauf über Leben und Tod zu entscheiden.
Wer glaubt davor gefeit zu sein und genau zu wissen, wie er in einer Ausnahmesituation fühlt und handelt, lehnt sich weit aus dem Fenster, um nicht zu sagen, er lügt. Denn nicht einmal psychologische Gutachten können hier alle Eventualitäten ausschließen, alle menschlichen Abgründe abschätzen. Sie bleiben eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Zu fragil sind Lebenslagen und die menschliche Psyche. Daran kann auch eine regelmäßigere Erneuerung des Gutachtens nichts ändern. Das Problem: Eine Fehleinschätzung reicht aus, um im schlimmsten Fall Leben auszulöschen.
Hinzu kommt: Die Sicherheit, in der sich Waffenbesitzer wiegen, ist trügerisch, balanciert auf dünnem Eis. Die Fälle, in denen man eine Waffe zur Selbstverteidigung einsetzen darf und nicht mindestens mit einem Fuß im Kriminal steht, sind marginal. Die Wahrscheinlichkeit, die Waffen in dem Moment griffbereit zu haben, verschwindend gering. Denn die gesetzliche Rahmung von Notwehr ist eng gefasst, lässt keinen Puffer zu.
Fakt ist aber auch: Nicht alle Menschen besitzen eine Waffe, um sich selbst zu verteidigen. Man denke etwa an Sportschützen. Für sie ist das Schießen eine Freizeitaktivität, eine Möglichkeit durchzuatmen, den Kopf freizubekommen. All das ist eine persönliche Präferenz, ein Sport gerahmt in Leitplanken aus Sicherheitsrichtlinien. Fest steht aber auch: Wer nicht vor hat seine Waffe außerhalb eines Schießstandes zu benutzen, muss sie nicht in den eigenen vier Wänden lagern.
Denn eine Glock ist eben kein Tennisschläger, kein Paar Laufschuhe, das sich achtlos in den Flur werfen lässt. Das zeigen die vielen Auflagen, die mit dem Waffenbesitz in Österreich einhergehen. Eine Waffe zu besitzen, und möge der Zweck noch so harmlos sein, ist immer eine enorme Verantwortung, die keine Fehler gestattet. Das Problem daran: Kein Mensch ist fehlerfrei.