Muss man eine sehr dicke Haut haben, um an der Spitze einer Stadt zu stehen? Gibt es einen Plan zur besseren Taktung der Grazer Ampeln? Warum wird das Straßenbahnnetz nicht nach Liebenau oder nach Puntigam verlängert? Gibt es noch Hoffnung oder Pläne für den Griesplatz? Warum tritt die GVB nicht aus dem steirischen Verkehrsverbund aus und bestimmt fortan die Preise für die Öffis selbst, statt sie jedes Jahr unter Zwang anzuheben? Und wo gibt‘s das beste Kebab in Graz?

Fragen über Fragen, die auf der Plattform „Reddit“ an Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) gestellt wurden. Dort ist es am Montagnachmittag zu einer Wahlkampf-Premiere gekommen: Erstmals stand die Grazer Stadtspitze dort den Userinnen und Usern Rede und Antwort – im Format „Ask me anything“ (kurz AMA).

Verkehr als klares Thema Nummer eins

Gefragt wurde vor allem Sachpolitisches, Thema Nummer eins war mit großem Abstand der Verkehr. So ging es etwa um etwaige Verlängerungen von Straßenbahnlinien: „Warum endet die Linie 5 eigentlich in dieser unsäglichen Grube und wird nicht endlich bis direkt zum Center West verlängert?“ und „Warum keine BIM Verlängerung bis nach Liebenau zur Magna?“, wurde etwa gefragt. Die Antwort: „Langfristig ist es natürlich interessant weiterzudenken, vorausgesetzt wir haben die finanziellen Mittel dafür“, antworteten Schwentner und Kahr. Derzeit würden im Masterplan ÖV die Planungen für die Linie 8 und in der Folge Linie 2 laufen.

Auch die vielen neuen Ampeln und deren Taktung ist ein Thema, das auch im Sub-Reddit für die Stadt Graz (hier übrigens als „Stadt der Geräusche bekannt“, ein interner Witz) viele Menschen beschäftigt. Das Aufstellen von Ampeln sei niemals eine politische Entscheidung, sondern immer eine fachliche, antwortete Kahr. Die Optimierung würde ständig erfolgen.

An den teuren Öffi-Preisen gab es ebenso Kritik: „Warum tritt die GVB nicht aus dem steirischen Verkehrsverbund aus und bestimmt fortan die Preise für die Öffis selbst, statt sie jedes Jahr unter Zwang anzuheben?“ „Dann würde alles an den Stadtgrenzen enden und das Klimaticket wäre auch nicht mehr möglich“, antworteten die Stadtchefinnen (übrigens als „Elke und Judith“ per du mit den Userinnen und Usern) gemeinsam: „Es würde zu einer unüberschaubaren Anzahl an unterschiedlichen Tarifen kommen – im worst case für alle teurer.“

Kommunismus, Tito und Kuba

Grundsätzlich bleibt der Ton sehr freundlich, einige bedanken sich auch für die politische Arbeit in den letzten Jahren. An Elke Kahr gerichtet gab es auch eine kritische Frage zu Kommunismus: „Wie stehen Sie dazu, dass das K in Ihrer Partei für eine Ideologie steht, die Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat“, fragt ein User, der dazu aber ergänzt, dass er von Kahrs erster Amtszeit positiv überrascht sei. „K steht im Namen für KPÖ und weil ich eine Kommunistin bin“, antwortet Kahr klar und bietet einen persönlichen Austausch an – mit ihrer Handynummer. „Wie passt es zu demokratischen Grundwerten, wenn die Bürgermeisterin von Graz eine Figur wie Tito verherrlichen, der ein autoritäres System in Jugoslawien geführt hat?“, fragt jemand: „Jugoslawien war nicht perfekt, aber es war ein gutes Land und ihr Präsident war ein anerkannter Staatsmann. Das hat nichts mit Verherrlichung zu tun“, schickt Kahr „liebe Grüße“. Eine Frage zu Kahrs Kuba-Sager bei der WKO-Elefantenrunde zum Thema Wirtschaft blieb hingegen unbeantwortet.

Braucht es eine dicke Haut?

Auch persönliche Fragen werden gestellt: „Muss man eine sehr dicke Haut haben, um an der Spitze einer Stadt zu stehen?“ Das Positive und die Freude am Job würden überwiegen, meinen beide übereinstimmend.

Und nicht zuletzt ging‘s auch um Kulinarisches. „Bester Kebab in Graz“, fragte jemand. Schwentner bevorzugt Vegetarisches wie Falafel und Cig Köfte – wobei sie den neuen Imbiss in der Annenstraße empfiehlt – und Kahr antwortet pragmatisch: „Bei Hunger der am Nächsten ist.“