Geht es nach dem rumänisch-israelischen Künstler Belu-Simion Fǎinaru, so soll seine Ausstellung „Rose of Nothingness“ eine einfache Botschaft vermitteln: „Den Wunsch zu leben, den Wunsch nach Verbundenheit.“ Das ist angesichts der Chaostage bei der Biennale unter die Kategorie frommer Wunsch einzureihen. Wobei fromm war zuletzt gar nichts, es war schrill, laut, mahnend, drohend und am Ende hat die Jury den Hut geworfen. Zuvor gab es Streit um die Teilnahme Russlands, Israels natürlich auch, beide bleiben, aber es wird gegen ihre Teilnahme protestiert – am Freitag gegen Israel, am Samstag gegen Russland. Dass die Jury zurückgetreten ist, haben beide gefeiert, weil Löwen hätten sie ohnehin keinen bekommen. Den bekommt jetzt auch sonst niemand, aber dafür gibt es einen Publikumspreis, der zum Ende hin, im November, übergeben wird. Also wenn der Nebel durch die Lagune wabert. Dass gestern der Iran seine Teilnahme abgesagt hat, ist ein weiterer Punkt unter vielen.

Der russische Pavillon am Biennale-Gelände in Venedig
Der russische Pavillon am Biennale-Gelände in Venedig © AP

Gut, dass das weltgrößte Kunstspektakel am Samstag für alle, ab Mittwoch für das Fachpublikum, in die Gänge kommt. Nicht, weil Kunst hier als Pflaster fungieren soll, sondern als Verhandlungstisch, der multiple Perspektivenwechsel ermöglichen kann. Im Schweizer Pavillon wird sich ein Kollektiv dem Thema Zusammenleben widmen – ein Anker ins Hier und Jetzt. Rosana Paulino und Adriana Varejão bespielen den brasilianischen Pavillon und stellen die Wirkung des Saftes der Dieffenbachia ins Zentrum – der lähmt kurzfristig die Stimmbänder, das mag zur Beruhigung beitragen. Hier werden die Themen Schutz, Toxizität und Resilienz verhandelt.

Künstlerin Florentina Holzinger bespielt den österreichischen Pavillon
Künstlerin Florentina Holzinger bespielt den österreichischen Pavillon © APA

Andreas Angelidakis trifft mit seinem Projekt für den griechischen Pavillon punktgenau den Nerv. Seine Installation heißt „Escape Room“ und widmet sich den Auswirkungen des Internets auf Wahrnehmung und Nutzerverhalten. „Ruin“ prangt über dem deutschen Pavillon, in dem Arbeiten der jüngst gestorbenen Künstlerin Henrike Naumann und der Künstlerin Sung Tieu zu sehen sind. Es geht, ausgehend vom Zusammenbruch der DDR, um das Fortwirken historischer Brüche auf politische, soziale und architektonische Strukturen.

Künstlerin Henrike Naumann verstarb im Februar, bis zuletzt hat sie ihre Vision für den deutschen Pavillon umgesetzt
Künstlerin Henrike Naumann verstarb im Februar, bis zuletzt hat sie ihre Vision für den deutschen Pavillon umgesetzt © Imago

Den einen Schritt zurück, um einen besseren Blick auf das Gesamtbild zu haben, verspricht Bulgarien. In einer Art fiktives Zukunftslabor blickt man auf den Beginn des 21. Jahrhunderts zurück. Das klingt vielversprechend. Es ist ein langer Weg, das gilt für den Kompromiss, aber auch für den Hirsch der ukrainischen Künstlerin Zhanna Kadyrova, der aus den Kriegswirren von der Region Donezk quer durch Europa nach Venedig gebracht wurde. Als Zeichen der Hoffnung. Das ist zumindest ein guter Anfang.